«Mobbing geht alle etwas an»

Am ersten Elternanlass des Elternforums der Primarschule Laufen stand ein Thema im Zentrum, das viele betrifft: Mobbing. Rund 40 Eltern nutzten die Gelegenheit, dem Referat von zwei Fachpersonen zu lauschen und sich anschliessend auszutauschen.

Referierten zum Thema Mobbing an Schulen: Schulsozialarbeiterin Verena Gauthier (Zunzgen) und Schulsozialarbeiter Dario Plattner (Laufen). Foto: Melanie Brêchet
Referierten zum Thema Mobbing an Schulen: Schulsozialarbeiterin Verena Gauthier (Zunzgen) und Schulsozialarbeiter Dario Plattner (Laufen). Foto: Melanie Brêchet

Laufen

Ein Kind steht allein am Rand des Pausenplatzes. Während andere lachen, wird es ignoriert oder sogar gezielt ausgegrenzt. Solche und ähnliche Situationen sind keine Einzelfälle und passieren überall, also nicht nur in Schulen, sondern auch am Arbeitsplatz oder in Vereinen. Mobbing entsteht selten spontan. «Es ist ein System», sagte Verena Gauthier von der Fachstelle Kind.Jugend.Familie (KJF) und Schulsozialarbeiterin in Zunzgen. Unter Mobbing versteht man wiederholte, gezielte Angriffe über längere Zeit, bei denen Betroffene unterlegen sind und sich kaum wehren können. Ziel sei oft die Ausgrenzung aus der Gruppe. Neben offenen Angriffen wie Beschimpfungen oder Schlägen spiele sich vieles subtil ab: über falsche Gerüchte, soziale Isolation oder das bewusste Wegschauen der anderen. Erschwerend käme das Cybermobbing hinzu, das häufig lange im Verborgenen bliebe. «Für alle Arten von Mobbing gilt: Wer nichts tut, kann Teil dieser Dynamik werden», so Gauthier. Und: «Mobbing geht alle etwas an.»

Folgen bis ins Erwachsenenalter

Die Folgen von Mobbing seien gravierend, so Gauthier: Betroffene leiden oft noch Jahre später unter ihren Erfahrungen. Lernen werde unter solchen Bedingungen erschwert. Studien würden zeigen, dass auch in der Schweiz viele Kinder regelmässig ausgegrenzt oder verspottet werden. Gleichzeitig würden die meisten Jugendlichen Mobbing ablehnen, es fehle jedoch oft der Mut, einzugreifen.

Wie Schulen reagieren können, zeigte Dario Plattner, Leiter der Schulsozialarbeit an der Primarschule Laufen und Mitarbeiter in der Offenen Jugendarbeit in Laufen, anhand der Primarschule Laufen auf. Entscheidend sei, früh zu handeln. Vorfälle sollten rasch gemeldet und gemeinsam mit allen Beteiligten aufgearbeitet werden. Gespräche, klare Abläufe und, wenn nötig, auch verschiedene Konsequenzen — in Laufen in Form eines Kaskadenmodells, das bis zum Schulausschluss oder einem Time Out für die Täter führen kann — gehörten dazu. «Der Schutz der betroffenen Person hat Priorität. Deshalb richten sich die Massnahmen gegen die Täterinnen und Täter — nicht gegen das Opfer», sagte Plattner. In jedem Fall wichtig sei die Zusammenarbeit mit den betroffenen Eltern.

Neben der Intervention setzt die Primarschule Laufen auf Prävention: Workshops, Elternabende und Projekte sollen die Sozialkompetenzen stärken. Programme wie das Götti-/Gotti-System (ein Kind der 5. Klasse nimmt sich einem Erstklässler oder einer Erstklässlerin an) oder gemeinschaftsstärkende Anlässe fördern das Miteinander. Gewaltfreie Kommunikation sei dabei ein zentraler Bestandteil des Schulalltags.

In der Diskussion nach den Referaten zeigte sich der Bedarf nach Orientierung. Eltern fragten, inwieweit sie selbst handeln sollten, falls ihr Kind betroffen ist, und wo die Verantwortung der Schule endet — auf dem Schulareal oder auf dem Schulweg? Auch indirektes Mobbing und der Umgang mit sozialen Medien wurden angesprochen. Im anschliessenden Workshop formulierten die Teilnehmenden Wünsche nach mehr Prävention, klaren Anlaufstellen und regelmässiger Information. Genannt wurden auch Themen wie Medienkompetenz oder der persönliche Umgang mit eigenen Erfahrungen. Eine Mutter bezeichnete die Beteiligung am Infoabend gemessen an den rund 500 Schülerinnen und Schülern der Primarschule als bedauernswert gering. Plattner widersprach und wertete die Zahl der Teilnehmenden für einen freiwilligen Anlass als Erfolg. Die Mitglieder des Elternforums bekräftigten den Willen, weiterhin am Thema dranzubleiben. Das relativ neu gegründete Elternforum, die unabhängige Vereinigung aller Eltern der Primarschule Laufen und des Kindergartens hat sich auch für die Zukunft zum Ziel gesetzt, den Austausch zwischen Eltern und Schule zu fördern, und engagiert sich bei Projekten, Anlässen und der Schulentwicklung. Der Anlass zum Thema Mobbing war das erste, grössere Projekt dieses Gremiums. Interessierte Eltern können sich per E-Mail an elternmitwirkung@primarlaufen.ch wenden oder sich über die Website www.primarlaufen.ch informieren.

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