Eine Unternehmensgeschichte
Die Ziegler Papier AG feiert ihr 150-jähriges Bestehen. Das soeben erschienene Buch «Papier und wir» erzählt die Entstehungsgeschichte des Grellinger Unternehmens, beleuchtet deren heutigen Erfolg und berichtet über die technischen Aspekte der Papierherstellung.

Papier ist allgegenwärtig, sei es im Büro, im Haushalt oder in Bereichen, wo man es auf den ersten Blick sicher nicht vermuten würde, zum Beispiel in der Elektroindustrie. Drei Fabriken stellten im Laufental Papier her. Übrig geblieben ist nur die Ziegler Papier AG, die in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiern konnte. «Die Geschichte der Ziegler Papier AG in Grellingen steht exemplarisch für die Erfolgsgeschichte der Schweizer Wirtschaft», schreibt Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Geleitwort zu «Papier und wir». René L. Frey hat die Publikation zum Jubiläum herausgegeben. Das Buch solle nicht nur die Unternehmensgeschichte vor dem Vergessen bewahren, sondern die Herstellung von Papier erklären, zeigen wie Spezialisierung, Prozess- und Produktinnovation sowie Qualität und Nachhaltigkeit zu Erfolgsfaktoren wurden und mit welchen Herausforderungen in Zukunft zu rechnen ist, so das Mitglied des Verwaltungsrats.
Weiterhin ein Familienunternehmen
Seit dem 16. Jahrhundert wird im Laufental Papier produziert, anfangs in der Papiermühle in Laufen. Damaliger Rohstoff waren Lumpen. Mit der Erfindung der Papiermaschinen und dem Holzschliff wurde die Produzierung in grossen Mengen möglich. Die Papierfabrik in Grellingen, gegründet vom Solothurner Josef Maria Ziegler, wurde 1961 in Betrieb genommen. Der Standort an der Birs mit Nähe zu Basel war optimal. Fünf Generationen bauten die Fabrik aus. Sie hatten mit verschiedenen Schwierigkeiten wie Brände, Überschwemmungen und Weltkriegen zu kämpfen. Als sich in den 1960er-Jahren die Märkte in Europa öffneten und die Schweiz in grossem Stil Papier importierte, hatte die heimische Papierindustrie einen schweren Stand. Dank Sanierungen und rigorosem Restrukturierungsprogramm gelang es dem Unternehmen in Grellingen, sich im Gegensatz zu den Papierfabriken Laufen und Zwingen, die 1972 und 2004 schlossen, durchzusetzen. Als eine sechste Generation fehlte, um das Familienunternehmen weiterzuführen, entschieden sich die Verantwortlichen dagegen, die Firma an einen Grosskonzern zu verkaufen und begaben sich auf die Suche nach geeigneteren Käufern. 2009 übernahm schliesslich das Ehepaar Philipp und Isabel Kuttler Frey die Ziegler Papier AG und führt die Firma nun als Familienunternehmen weiter.
Heute arbeiten bei Ziegler Papier 180 Personen, 70 000 Tonnen Papier werden hergestellt und der Jahresumsatz beträgt 100 Millionen Franken.
Papier fürs I-Phone
Das Buch erzählt nicht nur die Geschichte der Papierindustrie, sondern nimmt die Leserinnen und Leser mit auf einen bebilderten Rundgang durch die Fabrik. In verständlichen Worten werden die wichtigen Punkte, zur Herstellung, aber auch zum wirtschaftlichen Erfolg der Ziegler Papier AG erklärt. Denn damit das Unternehmen sich auf dem Markt positionieren konnte, musste sie mit innovativen Produkten die Nischenmärkte beliefern. Nebst qualitativ hochstehendem Papier produziert die Firma Papiere, die in der Elektroindustrie, im Fahrzeug- und im Flugzeugbau Anwendung findet. So werden für den Leichtbau von Flugzeugen Carbonfasern eingesetzt, bei deren Herstellung als Trägermaterial auch Ziegler Papier verwendet wird. Ziegler Papier liefert auch die Grundlage für neuartige Klebeverbindungen, die beispielsweise in I-Phones aber auch in anderen hochtechnischen elektronischen Geräten als Ersatz für Steckverbindungen zum Einsatz kommen.
«Um auch in Zukunft erfolgreich bestehen zu können, erweisen sich Innovationen als der Schlüssel zum Erfolg», schreibt René L. Frey mit Blick auf die kommenden Herausforderung in den nächsten Jahren.


