Eine Stiftung soll das Schloss Zwingen in die Zukunft führen
Eine Stiftung soll das Schloss Zwingen langfristig erhalten und weiterentwickeln. Sie soll Fördergelder beschaffen, Projekte koordinieren und die Gemeinde finanziell entlasten. Ende Jahr soll die Bevölkerung über die Gründung abstimmen.

Zwingen
Ein Schloss ist teuer. Erhalt, Unterhalt und bestenfalls noch die Bewirtschaftung kosten Geld — viel Geld. Dessen ist sich auch die Gemeinde Zwingen bewusst. Fürs kommende Budget sind ingesamt 77000 Franken Unterhaltsarbeiten am Schlossareal eingeplant. Davon entfallen 55000 Franken auf das Ökonomiegebäude an der Schlossgasse 7, 11000 Franken auf die Holzbrücke und 11000 Franken auf die Kapelle an der Schlossgasse 2. «Damit können wir notwendige Unterhaltsarbeiten ausführen. Würden wir jedoch beispielsweise die sanierungsbedürftige Schlossmauer umfassend in Angriff nehmen, würden wir finanziell an unsere Grenzen stossen», erklärt Gemeinderat Michel Ellenberger.
Ellenberger ist als Stellvertreter der Gemeinde im Vorstand des Schlossvereins Zwingen. Der 1974 gegründete Verein hat zum Ziel, die Kultur rund um das Schloss zu fördern und die Gemeinde Zwingen zu unterstützen, damit das Kulturgut der Schlossanlage so lebendig wie möglich erhalten bleibt. «Der Verein hat jedoch keine Entscheidungskompetenz und keine finanziellen Mittel, um das Schloss langfristig zu erhalten. Aus diesem Grund entstand die Idee, eine Stiftung zu gründen», erzählt Vorstandsmitglied Marc Jermann. Vor vier Jahren ging der Schlossverein in der Region auf die Suche nach Leuten, die in diesem Bereich Kompetenzen und Erfahrung haben, und es wurde eine Projektgruppe gegründet. Die Gründungsmitglieder des künftigen Stiftungsrats sind noch offen, jedoch haben sich Mitglieder aus der Projektgruppe für das Gremium zur Verfügung gestellt.
Mehr Kontinuität für das Schlossareal
Ziel der Stiftung ist es, das Schlossareal zu erhalten und weiterzuentwickeln. Gemäss dem Schlossverein kann die Gemeinde das Schlossareal zwar verwalten, sie verfügt jedoch naturgemäss nicht über die personellen, finanziellen und zeitlichen Ressourcen, um das Areal langfristig zu erhalten und zu einem lebendigen Begegnungsort weiterzuentwickeln. Auch eine bessere Organisation und Koordination der verschiedenen Akteure rund um das Schloss ist geplant. So etwa mit der Burgerkorporation, die im Baurecht den Ramsteiner Turm, den Rosengarten und den Kräutergarten pflegt und bewirtschaftet sowie Führungen anbietet. Seit Jahren leistet sie einen grossen Beitrag zur Erhaltung und Aufwertung des Schlosses (siehe «Wochenblatt» vom 23. Juli 2026). Die Gemeinde würde weiterhin das Verwaltungsgebäude behalten. Im Gemeinderat finden über die Legislaturen immer wieder Wechsel statt. Dadurch geht Wissen verloren oder Prioritäten werden neu gesetzt. Mit einer Stiftung könnte Kontinuität geschaffen werden. Zudem würde sie als zentrale Anlauf- und Koordinationsstelle für das gesamte Schlossareal dienen und sämtliche Erhaltungs-, Sanierungs- und Entwicklungsprojekte mit der Denkmalpflege abstimmen.
Schloss Aarwangen als Vorbild
«Wir möchten mit einer touristischen Hinweistafel auf den historischen Ort aufmerksam machen. Um eine solche braune Tafel aufstellen zu dürfen, müssen die Vorgaben von Baselland Tourismus erfüllt sein», erklärt Fabio Formenton, Präsident des Schlossvereins. Zu den Vorgaben gehören unter anderem eine Verpflegungsmöglichkeit, regelmässige und kommunizierte Aktivitäten und vor allem eine öffentliche, hindernisfreie Toilette. Diese alleine würde bereits rund 150 000 Franken kosten — ohne Unterhalt. Eine Stiftung würde es ermöglichen, Fördergelder, Sponsoring sowie private Gönnerbeiträge zu sammeln. Eine Gemeinde hat diese Möglichkeiten nur eingeschränkt. «Es gibt zwei Arten von Stiftungen: jene, die bereits Geld besitzen und mit ihrem Stiftungs
zweck entscheiden, wen sie unterstützen, und jene, die gemäss ihrem Stiftungszweck Geld für ein bestimmtes Projekt sammeln», erklärt Niklaus Schwarb, Vorstandsmitglied und Berater des zukünftigen Stiftungsrats. Um die Basis für eine künftige Zusammenarbeit zu schaffen, wurden bereits erste Kontakte mit anderen Stiftungen und Institutionen zur Finanzierung aufgenommen.
Vorbild für das Projekt ist das Schloss Aarwangen. Nach langjährigen, erfolglosen Versuchen, das Schloss zu verkaufen, hat der Kanton Bern die Anlage unentgeltlich der zu gründenden Stiftung gewidmet. Seit dem 3. November 2020 hat diese über acht Millionen Franken gesammelt und das Schloss renoviert.
Entscheid liegt bei der Bevölkerung
Die Gemeinde Zwingen wird das Schloss nicht unentgeltlich abgeben können. 1993 erwarb sie das Schloss von der ehemaligen Besitzerin, der Papierfabrik Zwingen, für 3,9 Mio. Franken. «Die damalige Investition wird gemäss den gesetzlichen Vorgaben über die entsprechende Nutzungsdauer abgeschrieben und ist noch nicht vollständig abgeschrieben», so Ellenberger.
Es braucht nun zunächst eine offizielle Schätzung. Sie soll aufzeigen, welche Unterhalts- und Sanierungskosten in den kommenden Jahren tatsächlich anfallen. Dies soll im August stattfinden. Zudem prüft der Gemeinderat derzeit gemeinsam mit dem Kanton, welche Möglichkeiten für eine Überführung des Schlosses in eine Stiftung bestehen. Der Gemeinderat steht hinter der Idee einer Stiftung. Denn künftig könnten Unterhalts- und Sanierungsmassnahmen über Fördergelder finanziert werden und nicht über die Gemeindekasse.
Das entscheidende Wort liegt jedoch bei der Gemeindeversammlung. «Wir planen Ende Jahr einen Informationsanlass, um die Bevölkerung umfassend über die Vorteile der Stiftung zu informieren. Anschliessend soll an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung über den Antrag zur Gründung einer Stiftung abgestimmt werden», erklärt Vize-Präsidentin Myriam Born.


