Eine Region am Abgrund
Noch nie zuvor haben sich Laufentaler und Thiersteiner den Jahreswechsel sehnlicher herbeigewünscht. Ein Rückblick auf 365 lange Tage, die zum Glück endlich vorbei sind.

Mal ganz ehrlich: Das vergangene Jahr hätten wir uns sparen können. Was hat man uns nicht alles weggenommen? Das Bauinspektorat, das Bezirksgericht, die Geburtenabteilung, das Räbeli! Und was gibt es Neues? Die Ricola baut ein Kräuterzentrum, designed by – Überraschung – Herzog und de Meuron. Im Kreisel in Zwingen steht ein Stuhl. In Roggenburg fand ein Dorffest statt. Ist das alles, was unsere Region zu bieten hat?
Werfen wir einen Blick zurück. Der Gemeinderat von Grindel bewies 2013 erneut diplomatisches Geschick und Wortgewandtheit, womit er gekonnt von einem Fettnäpfchen ins nächste trat. Bemerkenswert auch das wiederholte Bekenntnis zur regionalen Zusammenarbeit, das zuletzt in einem äusserst schmeichelhaften Schreiben zur Auflösung des Krankenpflegevereines von Grindel, Büsserach und Beinwil gipfelte.
Letztere Gemeinde verzeichnete im vergangenen Jahr gleich drei Erfolge: eine frisch renovierte Bushaltestelle, ein «Schneckenhaus» auf dem Pausenplatz der Primarschule und einen eigenen Regierungsrat. Damit stellt Beinwil auch gleich einen Schweizer Rekord auf: In keiner anderen Gemeinde gibt es mehr Mutterkühe pro Mitglied einer kantonalen Exekutive.
In Breitenbach kam es aufgrund des grossen Ansturms auf die offenen Sitze im Gemeinderat beinahe zu einer Urnenwahl. Dieses äusserst bürokratische und kostenintensive Unterfangen konnte aber dank der Weitsichtigkeit der Breitenbacher verhindert werden. Der letzte offene Sitz wurde auf dem deutlich effizienteren Weg der Berufung besetzt.
Hart umkämpft war hingegen das Gemeindepräsidium in Röschenz. Wie durch ein Wunderer wurde dort ein christlich-demokratischer Rowdy zum Gemeindepräsidenten gewählt, trotz eines stürmisch-prägnanten Leserbriefes von Don Quijote und einer milliardenschweren Gegenkampagne von den «Gaunern» der Wirtschaftskammer. Gleichzeitig zettelte das gallische Dorf erneut einen Aufstand an, aber diesmal nicht gegen das Diktat des römisch-katholischen Machtapparates in Rom, sondern gegen den nicht minder bedrohlichen Verwaltungsapparat der Sozialdienste Laufental.
Nebst all diesem politischen Geplänkel gab es letztes Jahr noch andere Highlights. Etwa die Verwüstung des Stellwerkes in Laufen oder der Brand bei der Von Roll in Breitenbach. Die dadurch gestiegene Brandwahrscheinlichkeit liess die Prämien der Brandschutzversicherung der Nexans derart in die Höhe schnellen, dass sich diese kurzum entschied, ihr Werk in Breitenbach zu schliessen.
Das war noch lange kein Grund dafür, im Thierstein Trübsal zu blasen. Denn auch dem Laufental ging es wirtschaftlich nicht besser. Von der Baselbieter Wirtschaftsoffensive war 2013 noch wenig zu spüren – bis auf die markante Zunahme an Mohrenkopfverkäufen, die das Testessen des Wochenblattes mit den Baselbieter Regierungsratskandidaten ausgelöst hat. Trotz deutlich steigender Nachfrage ist eine Steigerung der Mohrenkopfproduktion aber aufgrund von Lieferengpässen nicht möglich, da die Strassenkapazität der H18 nicht ausreicht.
In diesem Fall stellte sich das Laufental mit seinem Vignetten-Nein eleganterweise selbst ins Abseits. Obwohl: Wer braucht schon eine Umfahrung, wenn durch die Sektorverkürzungen an den Bahnhöfen die Verkehrsprobleme auch ohne Preiserhöhungen gelöst werden können? Auch das ganze Gejammer um den Wegfall der Direktverbindung nach Genf ist doch «complètement exagéré». Wer geht denn schon freiwillig in diese Stadt, die eigentlich gar nicht richtig zur Schweiz gehört und in der die Diplomaten ihre Karren kreuz und quer parken, wie es ihnen gerade passt?
Doch was bewegte die Region im vergangenen Jahr am meisten? Nein, die Mondlandung der Chinesen war bei uns, wo man gemeinhin Essstäbchen mit Salzstangen verwechselt, kein Thema. Es war auch nicht die 1:12-Initiative. Diese wurde zwar heftig abgelehnt, aber dennoch ist durch die anhaltende Einbruchswelle eine beispiellose Umverteilung im Gang. Und gegen diese können weder die Stimmbürger noch die Stedtli-Polizei etwas ausrichten. Dafür verfolgte Letztere neuerdings eine Nulltoleranzpolitik gegenüber Littering bei der Feuerstelle auf der Räbe, die sie mit rigorosen nächtlichen Kontrollen durchsetzte. Ob auch schon Räbe-Litterer ins wiedereröffnete Fünf-Sterne-Gefängnis in Laufen eingewiesen wurden, ist nicht bekannt. Umverteilt wurde im Übrigen auch bei den BVB, und zwar vom Basler Steuerzahler zum Breitenbacher Unternehmensvize. Diese unkonventionelle Art des Finanzausgleichs war der eigentliche Lichtblick des letzten Jahres, resultierte doch daraus ein satter Nettogewinn für unsere Region.
Aber eben – was war denn das am heissesten diskutierte Thema 2013? Natürlich die Frauen. Dabei meine ich aber nicht das Harem des «Bachelors», sondern die «Schwarzmeitli». Welch emanzipatorisch-diabolische Wortkreation, welche Verletzung der Schwarzbuben-Identität! Da ist selbst mir nicht mehr zum Scherzen zumute.
Auf ein gutes 2014! Hoffen wir, dass es besser wird als 2013. Oder wenigstens schneller vorbeigeht.


