Eine etwas andere Ostergeschichte
Tobias Steiner aus Röschenz hat keine einfache Lebensgeschichte. Nach schwierigen Erlebnissen hat er in der Kreativwerkstatt Bürgerspital Basel eine neue Aufgabe gefunden.

Ostern ist das Fest der Auferstehung. Das Leben von Tobias Steiner ist auch eine Auferstehungsgeschichte. Als er zehn Jahre alt war, prallte er mit dem Fahrrad gegen ein Auto und entging dem Tod nur um Haaresbreite. Er lag einige Wochen im Koma und die Mediziner waren skeptisch, ob er den Unfall überleben würde. Die Ärzte rieten den Eltern nach den ersten Wochen gar, die lebenserhaltenden Maschinen abzuschalten, was für die Angehörigen jedoch nie infrage kam. Und das Wunder, an das die Eltern immer geglaubt hatten, geschah. Tobias Steiner musste nach seinem Erwachen zwar mit den Folgen seines Schädel-Hirn-Traumas leben, aber er machte Fortschritte. Im TSM-Schulzentrum Münchenstein besuchte er die Ergo-, Physio- und Lerntherapie. In dieser Zeit verlor er völlig überraschend seinen Vater. Einige Jahre später starb auch seine Mutter. Dank seiner Schwester kann er glücklicherweise im elterlichen Haus wohnen bleiben. Zwei Jahre nach seinem Besuch der Förderstätte Binningen, wo er seine Freude am Zeichnen und Malen und sein Talent dazu entdeckte, wechselte er 2011 in die Kreativwerkstatt Bürgerspital Basel. Dort geht er seiner Kreativität mit grosser Begeisterung nach.
Tobias Steiner zeichnet mit Filzstift oder Kugelschreiber eigenwillige Figuren. Da gibt es witzig-grimmige Gestalten mit grossen Köpfen und spitzen Zähnchen, Figuren, die auf ananasähnlichen Stühlchen sitzen, Schildkröten, Hirsche, Schlangen und Vogelgestalten. Gerade die unverkennbare und sich oft wiederholende Vogelfigur ist ein Markenzeichen von Tobias geworden. Beliebt sind die Unikatkarten, die er für den Verkauf fertigt. Einmal in der Woche arbeitet er mit dem Künstler Jan Kiefer zusammen, der den kreativen Kopf aus dem Laufental begleitet und ihm bei der Umsetzung von dessen Ideen zur Hand geht. In der ersten Einzelausstellung von Jan Kiefer im Kunsthaus Baselland waren in einer Installation auch Arbeiten von Tobias Steiner integriert, einfache, mit einer einzigen Hand gestaltete Kleinplastiken aus Ton. Neben dem Zeichnen singt Tobias Steiner auch gerne. Zu Bluesrhythmen singt er aus dem Stegreif Texte oder rappt mit grosser Inbrunst. Tobias Steiner, der heute 26 Jahre alt ist, trägt sein Schicksal mit erstaunlicher Tapferkeit. «Ich weiss selbst nicht, wie ich das alles bewältige», sagt er. Er schätzt die Arbeit in der Kreativwerkstatt, wo er auch jene Wertschätzung findet, die ihm an anderen Orten nicht zuteil wurde.
Im Forum Würth in Arlesheim findet die Ausstellung «Nasen riechen Tulpen» statt, in der neben Art-Brut-Werken aus der Sammlung Würth auch Werke aus der Kreativwerkstatt Bürgerspital Basel gezeigt werden; dies im Rahmen des 20-jährigen Bestehens der Werkstatt. Tobias Steiner ist zwar in dieser Ausstellung nicht vertreten, dafür werden Zeichnungen von ihm in einer internen Schau zum Thema «Raster und Formen» im Herbst zu sehen sein. In der Kreativwerkstatt sind seine Unikatkarten erhältlich.


