Ein Weltstar ohne Allüren
Mit Gidon Kremer und seiner Kremerata Baltica gastierte am letzten Freitagabend im Rahmen von Kammerkonzerte Laufen ein Weltklasse-Ensemble in der St. Katharinenkirche.

Gidon Kremers Abstecher nach Laufen ist ein Glücksfall der seltenen Art. Die zwei Stunden mit moderner Musik vergingen wie im Fluge. Das Konzert begann mit dem Stück «Avanti» des litauischen Komponisten Vytautas Barkauskas, das mit aufsteigenden Tonfolgen startet und mit den Klängen des Vibrafons über dem Klangteppich der Streicher verklingt. Das Werk «Ex-Contrario» des georgischen Komponisten Giya Kancheli besticht durch seine Melodik zwischen orientalischer und europäischer Tradition. Gidon Kremer und die litauische Cellistin Giedre Dirvanauskaite übernahmen die Solopartien. Andrei Pushkarev kontrastierte Kremers insistentes und sattes Spiel in den obersten Lagen auf dem Synthesizer mit Sitar-Klängen.
Präzision und Intensität
Nach der Pause waren «Gidon Sun Sounds» angesagt, eine Zusammenstellung von Stücken zum Thema «Sommer», die Kremer und seinem Ensemble gewidmet wurden. Schade, dass die Zuhörer verunsichert wurden, weil die Titel in den beiden Programmen differierten und sich einige Schreibfehler eingeschlichen hatten. Leonid Desyatnikovs «Crying with the Cuckoo», das mit einem Vibrafon-Solo beginnt, kippt auf witzige Weise in den «Sommer» aus Vivaldis «Jahreszeiten» und lässt auch Jazzelemente aufblitzen. Andrei Pushakarev am Vibrafon erntete für sein virtuoses Spiel einen Sonderapplaus. Ob das nächste Stück, bei dem Gidon Kremer eine Volkstanzmelodie über synkopisch gesetzter Begleitung spielte, noch von Desyantikov war oder von Raskatov, war nicht klar; auf jeden Fall wusste das Ensemble mit ausgewogenem, präzisen Spiel zu gefallen. In «Dusk» von Dobrinka Tabakova erklangen fernöstliche Töne und das Publikum staunte nicht schlecht, als plötzlich alle Musiker zu singen begannen. Der Wohlklang des rhythmischen Stückes wurde immer wieder von gewollten Misstönen eines Cornets zerrissen. In Georgs Pelecis’ «Flowering Jasmin», in dem das Vibrafon einen attraktiven Part erhält, spielte Kremer eine einfache Volksliedmelodie über dem Klangteppich der Streicher. Das fulminante Finale bildete die Bearbeitung von Astor Piazzollas «Verano Porteno» durch Leonid Desyatnikov. Gidon Kremer interpretierte das Stück ebenso kraftvoll wie subtil, zeigte sich als Meister der verschliffenen Töne und musste selbst schmunzeln, wenn er ein Vivaldi-Zitat anspielte. Die mitreissende Rhythmik und die teilweise überirdischen Klänge in den höchsten Lagen liessen musikalisch keine Wünsche offen. Der riesige Applaus wurde mit «Yumeji’s Theme», einem kleinen Walzer aus der Feder von Shigero Umebayashi, verdankt, bei dem Kremer nochmals sein überragendes Feingefühl auf der Violine zeigen konnte. Der bescheidene Weltstar schüttelte am Ende allen Musikern persönlich die Hand. Ein ergreifend schöner Konzertabend.


