Ein universeller Intellektueller

Wolfram Malte Fues aus Duggingen ist emeritierter Professor für Germanistik und Medienwissenschaft. Das «Wochenblatt» sprach mit ihm über das Thema «Intellektuelle» und sein vorletztes Buch von 2024.

Präziser Denker und brillanter Autor: Wolfram Malte Fues. Foto: Thomas Brunnschweiler

Als akademischer Lehrer kam Wolfram Malte Fues weit herum. Er lehrte in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, England, Südafrika, in den Vereinigten Staaten und in Israel. Die Liste seiner wissenschaftlichen Publikationen ist lang und reicht chronologisch vom Mittelalter bis zur Postmoderne. Daneben hat er mehrere Bände mit anspruchsvoller Lyrik geschrieben. Wenn man die Themen seiner Werke anschaut, kann man nicht anders, als Fues als universellen Intellektuellen zu bezeichnen. Das hebt ihn vom Experten ab.

Wochenblatt: Sie haben ein Buch mit dem Titel «Der universelle Intellektuelle. Eine kleine Genealogie» veröffentlicht. Es geht um die Abstammungsgeschichte des Begriffs «Intellektueller». Was ist überhaupt ein Intellektueller?

Wolfram Malte Fues: Jemand, der sich in Form einer umfassenden Theorie Gedanken über seine Gesellschaft macht, über die Gefahren, die ihr drohen, sowie über den zukünftigen Weg, den sie einschlagen sollte. Nicht zum Selbstgenuss in Selbstbezüglichkeit, sondern zum «Eingreifen in das Leben der Menschen». (Hegel)

Welche Bedeutung hat der «universelle Intellektuelle»?

Mein Buch zeigt ihn als eine wesentliche Gestalt der sich auf kritische Vernunft gründenden Moderne. Seine Bedeutung besteht in seiner Aufgabe, diese Vernunft stets lebendig und ihre selbstkritische Kraft stets wachzuhalten.

Der Soziologe Alexander Bogner schrieb, es liege die Vermutung nahe, «in der Wissensgesellschaft habe dem Intellektuellen die Stunde längst geschlagen». Sind Sie auch dieser Meinung?

Aus diesem Satz spricht die Selbstgefälligkeit des wissenschaftlichen Spezialisten, der blind für die Möglichkeiten und Grenzen der Wissenschaft ist. Mein Buch analysiert diesen Zusammenhang an der Figur des Experten.

In der Liste der wichtigsten 50 Intellektuellen in der Zeitschrift «Cicero» kommen auch der Rassist Thilo Sarrazin, Alice Schwarzer, Reinhold Messner und die Schriftstellerin Elke Heidenreich vor. Wie seriös sind solche Listen?

Sie sind unseriös, weil sie auf gedankenlosem und folglich schlampigem Begriffsgebrauch fussen. Ein Missverstand, der sich in der gegenwärtigen Debattenwelt leider immer weiter ausbreitet.

In rechtsbürgerlichen Kreisen schiesst man sich gerne auf Intellektuelle ein. Christoph Blocher hat immer wieder abschätzig von «diesen Professörli» gesprochen. Warum ist das so?

Stalin soll einmal spöttisch gefragt haben, wie viele Divisionen der Papst habe. Leute wie Christoph Blocher denken einzig in Kategorien der Macht, die sie nur in ökonomischer, politischer, administrativer und militärischer Form kennen und anerkennen. Geistige Macht in allen ihren Formen halten sie für wirkungslos und verachten sie deshalb.

Können Intellektuelle Nationalisten sein?

«Vaterlandslose Gesellen» hiessen sie schon bei den Nationalkonservativen, und die Nationalsozialisten sprachen vom «wurzellosen Intellektualismus». Wer sich zu den universellen Intellektuellen zählt, wie mein Buch sie beschreibt, stimmt mit den Grundsätzen der europäischen Aufklärung und ihrem Menschenbild überein. «Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.» (Immanuel Kant) Des Menschen, gleich welcher Nation, welcher Herkunft, welcher Hautfarbe.

Soeben erschienen: W. M. Fues, «Mythos ‹Auschwitzkeule›. Martin Walser und die langen Schatten der Vergangenheit», Schwabe Verlag, Basel 2024. Vgl. auch www.fues.ch.

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