Ein Schritt vor, zwei zurück

Das Problemkind Birs kommt nicht zur Ruhe. Zwar hat es weniger Gift im Wasser, doch die Fischer fürchten das geplante Kraftwerk und eine Umstellung auf Pachtfischerei.

Birs ist sauberer: Bachforellen müssen nicht mehr so viel PCB fressen.  Foto: zvg
Birs ist sauberer: Bachforellen müssen nicht mehr so viel PCB fressen. Foto: zvg

Es geht ihnen besser, den Forellen in der Birs. Jahrelang hatten die Behörden nach dem Umweltsünder gesucht, der hochgiftiges PCB in die Birs leitete. 2011 war der Kanton Jura fündig geworden: Es war die Firma vonRoll Infratec in Choindez, deren Abwasser PCB enthielt. Nachdem die Firma gestoppt wurde, untersuchte der Kanton Baselland erstmals die Birsfische in seinem Hoheitsgebiet. Dabei konnte er teilweise Entwarnung geben. Die Forellen weisen nun deutlich weniger PCB auf.

Für diejenigen, die es genau wissen wollen und vor technischen Masseinheiten nicht zurückschrecken: Die Bachforellen haben rund 4 Pikogramm TEQ/g Fisch. TEQ sind Toxizitätsäquivalente, welche die Werte von PCB und mit ihnen verwandte Chemikalien zusammenrechnen. Der Toleranzwert beträgt 8 Pikogramm TEQ. Weil die Werte so gesunken sind, hat jetzt der Kanton verfügt, dass erstmals seit fünf Jahren die Birsforellen uneingeschränkt gegessen werden dürfen. Weniger gut sieht es bei den Barben aus. Diese haben 13–16 Pikogramm TEQ/g Fisch im Körper, erklärte Kantonstierarzt Ignaz Bloch. Zu viel. Die Fischer dürfen die Barben selber essen, aber nicht an Dritte abgeben.
Die gleiche Regel gilt für Aale und Rotaugen. Sie wurden noch nicht untersucht, erklärte Bloch. Deshalb gelte hier noch die alte Verfügung.
Dass Barben mehr PCB im Körper haben, liegt daran, dass sie älter werden als Forellen und fettiger sind.

Keine Euphorie
Dass die Forellen wieder frei essbar sind, freut die Fischer der Fischerei-Pachtvereinigung des Bezirkes Laufen (FIPAL), doch die nächsten Gewitterwolken dräuen schon am Horizont.
Der Regierungsrat hat der EBL Mitte Februar die Konzession erteilt, um bei der Birsbrücke in Zwingen ein Flusskraftwerk zu bauen. Die FIPAL will den Beschluss vor Kantonsgericht anfechten, wie Christian Trutmann, Präsident der FIPAL, erklärt. Der Kampf gegen dieses Kraftwerk dauert nun schon sieben Jahre. Deshalb starte sie eine Kampagne, um von der Bevölkerung mehr Unterstützung zu erhalten. Zwischen Grellingen und Laufen gebe es bereits sechs Kraftwerke, welche die Birs biologisch überstrapazieren, so Trutmann.
Das alte Wehr habe der Kanton erst vor kurzem für viel Geld abgerissen und renaturiert. Nun hätten dort verschiedene gefährdete Fischarten wie das Bachneunauge und der Strömer einen optimalen Lebensraum gefunden. Wenn dort das Wasser für das geplante Kraftwerk gestaut werde, werden diese Tiere ihren Lebensraum verlieren und sterben, vermutet Trutmann.
Pacht?
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