Ein Anlass von Frauen für Frauen

Fünf Frauen in Führungspositionen bzw. in einem politischen Amt erzählten über ihren Werdegang und über Hindernisse in einer patriarchal geprägten Welt. Eingeladen hatten vier Schülerinnen des Gymi in Laufen.

Sprechen über ihren Werdegang: (v. l.) Jaqueline Baumgartner, Alice Rufer Hohl, Sandra Ziegler, Salome Dürr und Ursula Wyss Thanei. Foto: Gaby Walther
Sprechen über ihren Werdegang: (v. l.) Jaqueline Baumgartner (Geschäftsleitung Familea), Alice Rufer Hohl (Präsidentin Zonta Liestal), Sandra Ziegler (CEO Telebasel), Salome Dürr (Professorin Veterinärmedizin) und Ursula Wyss Thanei (Landrätin). Foto: Gaby Walther

Im Rahmen des Fachs «Politische Bildung» luden vier Schülerinnen des Gymnasiums Laufental-Thierstein letzte Woche fünf Persönlichkeiten zum Gespräch ein. Diese berichteten über ihren Beruf und wie sich das patriarchale Machtverhältnis auf ihre Karriere auswirkt. Die Erfahrungen dieser erfolgreichen Frauen sollen junge Frauen stärken, inspirieren und ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen — so das Ziel des zweistündigen Vortrages. Dieser fand für die Schülerinnen der MAR 3/4 statt.

«Man darf auch einmal einen Mist erzählen»

Aufgewachsen in einer Zeit, als Frauen in der Schweiz kein Stimmrecht hatten, erzählte Landrätin Ursula Wyss von ihrem Werdegang. Weil ihr Bruder behindert war, hätten die Eltern für sie wenig Zeit gehabt und sie sei schnell selbstständig geworden, erklärte die 70-Jährige. Sie besuchte in Zürich ein Mädchengymnasium und studierte an der ETH Biochemie. Sie arbeitete in Basel in der Chemie und reduzierte ihre Stelle mit der Geburt der Kinder. Doch bei der Fusion von Ciba und Sandoz wurde ihre Teilzeitstelle gestrichen. «Da es mit drei Kindern damals kaum möglich war, eine Betreuung zu finden, orientierte ich mich neu. Ich engagierte mich im Bereich Bildung und stieg später in die Politik ein», so Wyss. Sie stellt fest, dass man sich als Frau Respekt erkämpfen muss und Frauen zum Beispiel im Landrat weniger zitiert werden als ihre männlichen Kollegen. Frauen würden länger nachdenken, bevor sie etwas sagen. Sie regt Frauen an, mutiger zu sein und auch mal etwas zu sagen, das nicht 100 Prozent abgesichert ist. «Man darf auch einmal einen Mist erzählen.»

Die Frauen rücken nach

Dass sich in den letzten Jahrzehnten vieles bewegt hat, zeigt die Biografie von Salome Dürr, der Jüngsten in der Runde. Sie studierte Epidemiologie mit Forschungsschwerpunkt Tollwut und ist heute Professorin für Veterinärmedizin an der Uni Bern. Ihre Karriere wurde dadurch ermöglicht, dass ihr Mann die Rolle des Hausmanns übernahm und die beiden Kinder betreute. So konnte die Familie auch einen zweijährigen Forschungsaufenthalt in Australien realisieren. «In der Tiermedizin sind 90 Prozent der Studierenden Frauen, aber nur 40 Prozent der Professuren sind mit Frauen besetzt», sagt Dürr. Dennoch beobachtet sie, dass Frauen zunehmend nachrücken. Auch sie betont, wie wichtig es sei, dass Frauen sichtbarer werden und ihre Meinungen häufiger einbringen.

25 Prozent weniger Lohn

Eine spannende Biografie weist auch Sandra Ziegler auf. Seit Herbst ist die studierte Zellbiologin CEO von Telebasel. Zuvor war sie in der Forschung tätig, wechselte in die Kommunikation und leitete einen medizinischen Fachverlag. Mutter zu sein, erfülle sie sehr, gleichzeitig sei es ihr stets wichtig gewesen, in der Arbeitswelt zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen. So habe sie trotz ihrer beiden Kinder durchgehend mit einem 80-Prozent-Pensum gearbeitet.

Natürlich gehe man da Kompromisse ein. Bei den ersten Schritten ihrer Kinder sei sie nicht dabei gewesen. Alles gehe nicht. Bei Telebasel habe sie nochmals in einem neuen Feld angefangen. Als sie später erfuhr, dass ihr Vorgänger 25 Prozent mehr Lohn verdiente als sie, habe sie das gestresst. Inzwischen habe sie sich mit der Situation versöhnt und finde ihren Lohn in Ordnung. Den jungen Frauen riet Ziegler, bei Lohnverhandlungen hart am Limit zu verhandeln: Stimme man einem Angebot sofort zu, sei es meist zu tief. Zudem warnte sie davor, immer besser werden zu wollen; es genüge, die eigenen Aufgaben auf ein realistisches Niveau zu bringen. Fehler dürften passieren — das sei in Ordnung.

Teilzeit in Kaderposition ist schwierig

Alice Rufer Hohl erzählte, sie sei zwischen Pippi Langstrumpf und Heidi aufgewachsen — die Mutter emanzipierte Schwedin, der Vater traditionsbewusster Schweizer. Sie besuchte die Handelsschule und studierte Betriebsökonomie. Bald schon übernahm sie eine hauswirtschaftliche Betriebsleitung und half beim Aufbau des von Frauen gegründeten SV-Services (Personalrestaurants) mit. Sie stellte fest, dass Männer, die in die Branche reinrutschten, lauter und drängender auftraten und dank ihrer Netzwerke plötzlich Einfluss auf Regierungsratsentscheide nahmen. Sie fühlte sich hilflos und betrogen. Eine neue Herausforderung fand sie im Kantonsspital Liestal, wo sie 150 Personen unter sich hatte. Bald merkte sie, dass es Frauen in Kaderpositionen mit zwei Kindern in einem Teilzeitjob schwierig haben. So wagte sie sich vor 12 Jahren in die Selbstständigkeit und bietet nun prozessorientierte Fachberatung im Facility-Management an. Daneben hat sie verschiedene Verwaltungsmandate inne und ist Präsidentin des Servicevereins Zonta.

Berufliche Herausforderungen annehmen

Die Juristin Jacqueline Baumgartner hatte bereits mit 28 Jahren eine Führungsposition inne. Fünf Jahre später wurde sie ungewollt schwanger und entschied sich, zwei Jahre als Vollzeitmutter zu Hause zu bleiben. Danach hatte sie Glück und konnte trotz 60-Prozent-Pensum eine Führungsposition am Unispital antreten. Vor zwei Jahren übernahm sie die Geschäftsleitung von Familea mit 900 Mitgliedern. Bei Bewerbungen stellt sie fest, dass Frauen oft zu bescheiden seien. Sie ermutigte, berufliche Herausforderungen anzunehmen, man wachse in den Job hinein.

Am Schluss der spannenden Vorträge waren sich die Frauen einig, dass solche Veranstaltungen für Frauen wichtig seien. Sie geben Raum, sich gegenseitig zu ermutigen. Unterstützung unter Frauen sei zentral. Leider blieb zu wenig Zeit für Fragen der Schülerinnen.

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