Eggfluetunnel: Jetzt äussert sich der Bund
Die Temporeduktion von letztem Montag hat das Laufental in Wallung versetzt. Das Bundesamt für Strassen sieht keine Alternative.
Grellingen
Das Laufental schrie auf vergangene Woche: Tempo 60 statt 80 gilt seit letztem Montag im Eggfluetunnel. Seither äusserte das Forum Schwarzbubenland Kritik am Vorgehen des Bundesamts für Strassen (Astra), der Laufner Mitte-Landrat Marc Scherrer lancierte eine Petition gegen die Temposenkung. Beides wird vom Solothurner SVP-Nationalrat Christian Imark unterstützt. Auch der Grellinger Gemeindepräsident Peter Pflugi hat in der «bz» Unzufriedenheit seiner Gemeinde mit dem Entscheid geäussert. Er sieht Mehrverkehr in seinem Dorf wegen der Temporeduktion im 2,8 Kilometer langen Umfahrungstunnel.
Nun äussert sich das federführende Astra und stellt in Aussicht, dass diese temporär ist. Für wie lange, sagt es aber nicht. Der 1999 eröffnete Tunnel sei erst 2020 in den Besitz des Bundes übergegangen, betont Astra-Sprecher Gaudenz Oetterli. Zuvor unterstand er dem Kanton Baselland. Der Tunnel sei nicht für eine Nationalstrasse ausgelegt und komme mit dem Wachstum der Region Laufental nun an seine Grenzen. «Heute würde man diesen Tunnel nicht mehr so bauen», sagt Oetterli. Die Fluchtwege seien nicht mehr zeitgemäss, ein weiterer Mangel sei die «nicht optimale Lüftung». Für Autofahrerinnen und -fahrer auf dieser Strecke ein bekanntes Problem: Wenn es regnet, beschlagen die Scheiben extrem schnell.
Doppelt so viele Unfälle wie in Vergleichstunneln
Geschuldet sind einige der Mängel den Baujahren des Tunnels in den 90ern. Neue Standards wurden erst nach der Jahrtausendwende eingeführt, als Reaktion auf die Häufung grosser Tunnelunglücke in Europa: 39 Tote im französischen Mont-Blanc-Tunnel 1999, zwölf im österreichischen Tauern im gleichen Jahr, 2001 elf Todesopfer im Gotthardtunnel. Ob die Bauweise des Tunnels einen Einfluss auf die Unfälle hat, kann das Astra nicht beurteilen. Fest steht, dass der Tunnel bei einer Risikoanalyse den Grenzwerten für Unfallsicherheit nicht standgehalten hat. Darin hat das Astra den Eggfluetunnel anderen Gegenverkehrstunneln mit vergleichbarer Länge, Bauweise und Frequenz gegenübergestellt. Und sei alarmiert gewesen, so Oetterli: «Der Eggfluetunnel hat die mit Abstand höchste Unfallrate, das heisst am meisten Unfälle pro Fahrzeugkilometer.» In den vier Vergleichstunneln gibt es halb so viele (Flüelertunnel) bis zehnmal weniger Unfälle (Raimeux).
Diese Erkenntnis habe das Astra zum sofortigen Handeln gezwungen. Die Temporeduktion sei die einzige sofort umsetzbare Massnahme gewesen. «Bei niedrigerer Geschwindigkeit passieren weniger Unfälle, da die Reaktionszeit länger wird, und wenn dennoch einer passiert, sind die Folgen weniger schwer», argumentiert Oetterli. Damit wolle man den Schwellenwert für schwere Unfälle ab jetzt einhalten.
Alternativen in Prüfung
Die Statistik zeigt, dass einer von sechs Unfällen im Eggfluetunnel wegen zu hoher Geschwindigkeit der Fahrzeuge passiert. Das ist Rang zwei in der Tabelle der Hauptursachen. Am meisten Unfälle, zwei von sechs, passieren wegen Unaufmerksamkeit und Ablenkung.
Das Astra prüfe allerdings, ob die Sicherheit im Tunnel mit baulichen Anpassungen oder besserer Signalisation und Markierung gewährleistet werden kann. Ziel sei es, die Temporeduktion so wieder aufheben zu können. Bis dahin sei Tempo 60 aber alternativlos.
Auf den Ausweichverkehr angesprochen, sagt Oetterli, dass auch mit Tempo 60 die Fahrzeit durch den Tunnel kürzer sei als durch Grellingen. Fahre man mit 60 anstatt 80 km/h durch den Tunnel, dauere das nur 42 Sekunden länger. Bei Stau, wenn der Ausweichverkehr hauptsächlich stattfinde, werde Tempo 60 sowieso nicht erreicht. Es gebe also objektiv keinen Grund, den Tunnel zu umfahren. Weil das Astra nicht mit mehr Ausweichverkehr durch Grellingen gerechnet hat, habe man nicht vorzeitig mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen, sagt Oetterli. Mittlerweile sässen aber Gemeinde, Kanton und Bund gemeinsam am Tisch, um eine gemeinsame Lösung zu finden.
«Heute würde man diesen Tunnel nicht mehr so bauen.»


