Dialekt im «abgelegenen Laufenthal»
Professor Dr. Hans Bickel liess in seinem Referat über das Schweizerische Idiotikon ein interessiertes Auditorium an seiner Suche nach alten Laufentaler Dialektspuren teilhaben. Der Laufner Liedermacher Rolland setzte mit seinen anregenden Liedern imaktuellen Dialekt einen willkommenen Kontrast.

Eigentlich sett i lengscht nimmido si. Doch i ha im Schicksal e Höggli gstellt, wenn is so alueg, i glaub, i bi nä Held», sang Liedermacher Rolland im Alts Schlachthuus über seine Jugendzeit ohne Förderstunden, Elterntaxi und Pisa-Studie. Ein langer, warmer Applaus bewies ihm, wie viel tiefer ein bewusst aufgenommenes Lied in der heimischen Mundart unter die Haut gehen kann. Eigentlich, so sinngemäss Professor Dr. Hans Bickel, Lehrbeauftragter an der Uni Basel und Redaktor beim Idiotikon, wäre der ganze schweizerdeutsche Wortschatz aus früheren Jahrhunderten auch längst nicht mehr da, hätte da nicht der Philologe und spätere Ehrendoktor Friedrich Staub anno 1862 zusammen mit Ludwig Tobler das Schweizerische Idiotikon begründet. Die Gründe für die Herausgabe eines solchen Wörterbuchs liessen die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer dieses von Kulturforum und BuchBasel initiierten Anlasses echt aufhorchen, alsBickel aus einem ersten Prospekt für das Werk vorlas: «Es ist eine ebenso unläugbare als wehmütig stimmende Tatsache, dass unsere nationalen Eigentümlichkeiten eine nach dem andern abbröckeln…aber auf keinem Boden schleicht das Verderbniss so heimlich und sicher, wie auf dem unserer Mundarten.» Dafür herhalten mussten auf dem Prospekt die «Zusammenwürfelung des Militärs aus allen Gauen», die «massenhafte Einwanderung fremder Elemente» und die «den Dialekt verdrängende» Schule. «Das damalige Sammeln von Wörtern war aber nicht eigentliche Sprachpflege, sondern schlicht Dialekt als Denkmal», blickte Professor Bickel zurück.
Laufental im Idiotikon gut vertreten
«Ich musste in Sachen Laufental imIdiotikon etwas tiefer graben und bin da auf einen Rapport aus den 1860er-Jahren über erste Korrespondenten gestossen», so Bickel, der daraus zitierte: «In dem abgelegenen Laufenthal wurde in der Person des Brislacher Pfarrers Johann Peter Burger (1823–1866) ein fleissiger Mitarbeiter gewonnen, der in elf Sendungen viel neues und interessantes Material geliefert hat.» So bezeichneten die Brislacher damals einen Urlaub in Anlehnung an den Begriff Vakanz als «Kävänz», waren in der Kirche bei langen Messen «lolchig» oder schläfrig und taten nachher in der Dorfbeiz mit der Serviertochter «chüttere», nämlich verliebt reden. Jahrzehnte später wirkte der Grellinger Guntram Saladin (1887–1958) gar als Redaktor beim Idiotikon. Der streitbare Namenforscher und «Ritter ohne Fehl und Tadel» beeinflusste massgeblich die offizielle Schreibweise der Deutschschweizer Orts- und Flurnamen. Mit Blick auf den kleinen Sprachatlas der deutschen Schweiz meinte Bickel, das Laufental wie das Schwarzbubenland passten mit einigen Ausnahmen sprachlich gut zur Nordwestschweiz. Ausnahmen etwa bei der nd-Velarisierung, wo «in Zwinge hinge d Chinge Bängel i dHoor binge». Rolland setzte mit seinem Lied über «Chranggi Kasse» einen topaktuellen Schlusspunkt. Natürlich im treffsicheren Laufentalerdialekt.


