Das Leben einer Schäferin
Während vier Monaten hütet Sabrina Simone aus Zwingen auf einer Alp in Obersaxen rund 400 Schafe.

Vier Monate ohne Luxus, warmes Wasser und Strom – für viele kaum eine Option – Sabrina Simone aus Zwingen hingegen nimmt dies nun bereits zum zweiten Mal freiwillig in Kauf. Schon ist sie wieder am Packen, denn von anfangs Juni bis Oktober wird sie auf der Alp Gren in Obersaxen rund 400 Schafe hüten. «Ich habe immer gerne Schafe gehabt. Ich schätze ihre Art, ihren eigenen Charakter», sagt die gelernte Tierarztassistentin. Nebst drei Border Collies und einer Katze gehören ihr auch vier Schafe. «Es war mein Traum einmal als Hirtin zu arbeiten und im Moment bin ich noch unabhängig und kann mir diese Zeit nehmen», so die 27-Jährige. Sie freut sich auf das Leben in den Bergen, weiss aber, dass es auch eine harte Zeit werden wird, vor allem körperlich.
Anfangs Juni, wie bereits im letzten Jahr, nimmt sie die Tiere, die zuvor vom Tierarzt untersucht worden sind, in Empfang und wandert hinauf zum Maiensäss, wo sie den ersten und den letzten Monat ihrer Hirtenzeit verbringen wird. Wenn die Tiere die nähere Umgebung abgegrast haben, geht es weiter, hinauf zur Alphütte auf 2700 Meter über Meer. Strom und warmes Wasser fehlen dort. Im ersten Monat lebt noch der Rinderhirt mit in der Hütte, danach ist sie für einen Monat alleine im Haus. Angst hat sie keine und auch die Einsamkeit macht ihr nichts aus. Natürlich sei sie auch schon gestürzt und einmal in einen Bienenschwarm geraten. Im Notfall könne sie ja telefonisch Hilfe holen. Gefährlich sei es, wenn es Nebel habe, dann könne man sich leicht verlaufen und dann sei es besser in der Nähe der Hütte zu bleiben, erklärt die mutige, junge Frau. Auch der Wolf, den ein Jäger im letzten Jahr in der Nähe sichtete, machte ihr keine Angst. Mit aufgestellten Laternen versuchte sie ihn fernzuhalten, mit Erfolg.
Der Tagesablauf ist klar gegliedert, am Morgen um etwa 7.30 Uhr steht die Schäferin auf und zieht mit den 400 Schafen und den Hunden los. Rund neun Stunden ist sie täglich unterwegs. Dabei muss sie achtgeben, dass die Schafe zusammenbleiben und sich keines verirrt. Ist ein Schaf krank oder hinkt, spritzt sie die notwendigen Medikamente, bei einem Beinbruch kommt der Bauer das Schaf holen. Im letzten Jahr sei ein Schaf verschwunden und ein Lamm gestorben. Ein Verlust von drei Prozent gehöre zur Regel. Natürlich komme sie manchmal auch an ihre Grenzen, vor allem körperlich, dann stehe sie im Hang und fluche. Rund alle zwei Wochen wandere und fahre sie mit dem Quad ins Dorf, um einzukaufen und an den Wochenenden werde sie oft von Freunden und der Familie besucht.


