Cenek Pražàk – Ausstellung mit bewegter Geschichte

Die Spuren von Cenek Pražàk sind in Laufen noch allgegenwärtig. Letztes Jahr wäre der tschechische Künstler 100 Jahre alt geworden. Nächstes Jahr jährt sich sein Todestag zum 20. Mal. 2015 ist der richtige Zeitpunkt für die Ausstellung «Zwischenzeit» im Kantonsspital Baselland in Laufen. Am letzten Donnerstag wurde sie eröffnet.

Kunst in Bild und Ton: Mit dem Werk in drei Sätzen "Oboe d'amore" beehrte das Orchester Laufental-Thierstein seinen ersten Konzertmeister Cenek Pražàk. Fotos: Martin Staub

Kunst in Bild und Ton: Mit dem Werk in drei Sätzen "Oboe d'amore" beehrte das Orchester Laufental-Thierstein seinen ersten Konzertmeister Cenek Pražàk. Fotos: Martin Staub

Weggefährte: Giuseppe Gerster, hier bei der Einführung zur Ausstellung, war eng mit dem Künstler befreundet.

Weggefährte: Giuseppe Gerster, hier bei der Einführung zur Ausstellung, war eng mit dem Künstler befreundet.

Cenek Pražàk war nicht nur bildender Künstler, sondern auch Musiker. 1969 ist er mit seiner Frau Anna in die Schweiz emigriert, lebte in Dittingen und wurde 1978 erster Konzertmeister des Orchesters Laufental-Thierstein. Folgerichtig wurde die Ausstellung «Zwischenzeit» am vergangenen Donnerstag durch dieses Orchester eröffnet und umrahmt. Mit dabei zahlreiche Freunde des Künstlers, auch Giuseppe Gerster, der mit vielen andern hier im Laufental Wegbereiter Pražàks war. Der Architekt liess den zahlreich erschienenen Vernissage-Besuchern Leben und Werk eines «sanftmütigen Widerstandskämpfers» – wie er Pražàk nannte – in seiner Laudatio aufleben.

Mit der Ausstellung «Zwischenzeit» möchte Kuratorin und Pražàk-Schülerin Nicole Ackermann Pearce keine Retrospektive des Malers zeigen. In Anlehnung an das Jahr zwischen dem 100. Geburtstag 2014 und dem 20. Todestag 2016, sollte diese Ausstellung im Jahr dazwischen den Fokus auf Pražàks Kunst am Bau und der Sammlung des KSBL gelten.

In zahlreichen Gebäuden, vor allem in jenen, welche von Giuseppe Gerster entworfen wurden, durfte Cenek Pražàk seine Kunst am Bau zelebrieren. Einige Werke bereichern noch heute Fassaden und Innenräume, andere sind bereits verschwunden. «Ein definitiver Verlust», wie Architekt und Kuratorin finden.

Nebst Originalwerken Pražàks trifft der Besuchende in den Gängen und im Treppenhaus des Spitals auf zahlreiche Entwürfe des Künstlers, auf denen er unter anderem auf Schwarzweissfotos seine Ideen in seinen unverkennbaren Farben aufmalte. Einige davon wurden umgesetzt, bei anderen blieb es beim Entwurf. Mit aktuellen Fotos von Orten, wo Pražàks bunte Linien, Streifen und Flächen noch heute präsent sind, wird dem Betrachter der Stellenwert eines damals weitherum bekannten Künstlers bewusst. So zum Beispiel an der Fassade links vom Hintereingang beim Laufner Coop, im Innern der Primarschule Zwingen und der SEK Laufen oder im Personalhaus der Keramik Laufen.

Cenek Pražàk und seine Frau kamen durch Bekanntschaft mit dem Dittinger Bildhauer Alfred Gruber mausarm ins Laufental. Nur dank der Hilfe einiger hiesiger Freunde fand der Musiker, Maler, Illustrator, Schriftsteller, Denker und Optimist – wie ihn der Laudator umschrieb – hier Wohnung und Arbeit. Und was heute, nur 19 Jahre nach seinem Tod kaum denkbar wäre: Pražàk bezahlte seine Spitalaufenthalte, da er kein Geld hatte, mit Werken aus seinem Schaffen. Unter diesem Aspekt zeigt sich auch der Ort für diese interessante Ausstellung als der einzig richtige.

 

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