«Bürgergemeinden sind kein Auslaufmodell»
In Zwingen trafen sich die Vertreter der Baselbieter Bürgergemeinden. Neuer Präsident wird ein Grellinger.

Zwingens Gemeindepräsident Benno Jermann, nach einem Sturz an Krücken gehend, war gleich in mehrfacher Funktion zugegegen. Zum einen war er als Gemeindepräsident Gastgeber der Delegiertenversammlung des Verbandes der Basellandschaftlichen Bürgergemeinden, die in Zwingen tagte. Dann ist er gleichzeitig Mitglied der Bürgerkorporation und war somit quasi von Amtes wegen präsent. Und schliesslich, drittens, blies er mit der Brassband Konkordia Zwingen, die zur Begrüssung der Delegierten aufspielte, die Posaune.
Jermann stellte den Delegierten die Gemeinde Zwingen als attraktive Wohngemeinde mit vielen Arbeitsplätzen und einer guten Infrastruktur vor. Und Peter Hueber, Präsident der Burgerkorporation Zwingen, erwähnte die beiden Zwinger Zünfte zu Ramstein (Rebzunft, Obstzunft). Wichtig sei es der Korporation, Neubürger zu integrieren und sie aktiv am Gemeindeleben teilhaben zu lassen. Es gelte zu «verhindern, dass sie Fremdlinge im eigenen Dorf werden».
Wechsel an Verbandsspitze
Die Versammlung stand ganz im Zeichen des Wechsels an der Verbandsspitze. Nach 22 Jahren im Vorstand – und 14 Jahren als Präsident – trat Christophe Loetscher nicht mehr an. Nach acht Jahren trat auch der Geschäftsführer, Nationalrat Thomas de Courten, zurück. Zum neuen Geschäftsführer wurde Marcel W. Buess (Itingen) gewählt. Neu präsidiert erstmals ein Laufentaler den Verband, der frühere Gemeindepräsident von Grellingen, Georges Thüring. Der SVP-Landrat ist ursprünglich Bürger von Ettingen, wurde aber schon vor Jahren ins Bürgerrecht von Grellingen aufgenommen.
In seiner Abschiedsrede betonte Loetscher, dass die Bürgergemeinden «kein Auslaufmodell sind.» Sie trügen viel zur Identität bei, sie wahrten das Schweizer Brauchtum. Wichtig sei ihre Aufgabe zudem in der Wald- und Forstwirtschaft. Ihre wichtigste Aufgabe in den meisten Gemeinden sei jedoch, Einbürgerungswilligen das Schweizer Bürgerrecht zu erteilen.
Es sei durchaus sinnvoll, dass dies auf der untersten Stufe, auf der kommunalen Ebene geschehe, wo man die Menschen kenne. Auch wenn die Bürgergemeinden und -korporationen zunehmend unter Druck gerieten, so müsse man zu diesen Sorge tragen. Es gelte, ihnen Gehör zu verschaffen und in der Öffentlichkeit darauf hinzuweisen, welch wichtigen Aufgaben sie wahrnähmen. Für sein langjähriges Wirken wurde Loetscher zum Ehrenmitglied des Verbandes ernannt.
Entschieden gegen Fusionen
Auch der neue Präsident Georges Thüring wies darauf hin, dass es einen starken Verband der Bürgergemeinden brauche. Wichtige Aufgabe sei weiterhin, für die Eigenständigkeit der Bürgergemeinden einzutreten, wie er gegenüber dem «Wochenblatt» sagte. Deshalb werde sich der Verband gegen allfällige Fusionsbestrebungen der Gemeinden zur Wehr setzen. Starke Bürgergemeinden stärkten auch die Einwohnergemeinden, zeigt sich Thüring überzeugt.
Mit ihrer Tätigkeit entlasteten die Bürgergemeinden zudem die Einwohnergemeinden, etwa im sorgsamen Umgang mit dem Wald oder bei den Abklärungen rund um die Einbürgerung. Als eines der Hauptziele nannte Thüring, den Verband «fit zu halten, damit er auch in Zukunft seine Berechtigung behält».


