Beste Vorsorge gegen Demenz: Sich sozialverträglich zu machen

Demenz ist ein Thema, das viele betrifft, und dementsprechend gross war auch das Interesse an der Veranstaltung «Brennpunkt Demenz» in Laufen, durchgeführt vom Roten Kreuz Baselland.

Visuell-auditive Umrahmung: Die Vorträge und Diskussionen zum Thema Demenz wurden durch die Band «Zusammenspiel» zeichnerisch und musikalisch aufgelockert. Ein sinnliches Vergnügen.  Foto: Gaby Walther
Visuell-auditive Umrahmung: Die Vorträge und Diskussionen zum Thema Demenz wurden durch die Band «Zusammenspiel» zeichnerisch und musikalisch aufgelockert. Ein sinnliches Vergnügen. Foto: Gaby Walther

Mit dem Älterwerden der Bevölkerung wächst auch die Anzahl der demenzkranken Menschen. 3900 Menschen leiden im Kanton Baselland darunter und es wird erwartet, dass sich die Zahl bis im Jahr 2050 verdoppeln wird. Mit welchen Problemen diese Menschen zu kämpfen haben, wie Angehörige und Pflegepersonal damit umgehen können, was die Erkenntnisse der Medizin sind und wie der Kanton zum Thema steht, waren die Themen an der vom Roten Kreuz Baselland organisierten öffentlichen Veranstaltung in der Aula des Gymnasiums in Laufen. Musikalisch und visuell begleitet wurde der Abend von der Gruppe «Zusammenspiel». Harfe und Saxofon «kommentierten» die Live-Zeichnungen von Matthias Winkler.

«Demenz nimmt zu, es ist eine schleichende Krankheit, verändert die Betroffenen und ist nicht heilbar. Zwei Drittel der Kranken werden von den Angehörigen betreut, deshalb ist auch die Entlastung der Angehörigen ein wichtiges Thema», leitete die Geschäftsleiterin Rotes Kreuz BL, Monika Bitterli, den Abend ein. Christoph Held, Geronto-psychiater, erzählte, wie Demenzkranke oft Momente der völligen Desorientierung erleben. Dissoziative Momente nennt er das, wenn der Mensch sein Dasein im Moment nicht wahrnehmen kann, wenn er zum Beispiel weiss, dass der Kaffee heiss ist, er sich damit die Lippen verbrennen kann und trotzdem trinkt oder wenn er den Schmerz einer vollen Blase spürt, aber nicht die Verknüpfung herstellen kann, dass der Gang zur Toilette Erleichterung bringen könnte. Die Pflegenden müssen durch Beobachtungen und Erfahrung merken, wie sie unterstützen und helfen können. «Das ist keine einfache Aufgabe, Demenzkranke sind anspruchsvolle Patienten», so der Autor, der in seinem Buch «Gute Betreuung – was heisst das?» über solche Schwierigkeiten und Beobachtungen schreibt.
Gabriele Marty von der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion BL zeigte in ihrem Referat auf, wie der Kanton in seinem aufgestellten Leitbild auf die Situation des Älterwerdens und seine Folgen eingehen möchte. In der folgenden Podiumsdiskussion wurde sichtbar, dass es wichtig ist, dass es Angebot zur Unterstützung für Angehörige gibt und dass man sich Hilfe holen soll, bevor man ausgebrannt ist, denn Demenz ist ein schleichender Prozess. Die Krankheit wird auch je länger je mehr in der Öffentlichkeit spürbar werden. Bereits gibt es in Deutschland Städte, welche mit dem Slogan «Demenzfreundliche Stadt» werben. Neue Anforderungen, auch finanzielle, aber auch veränderte Lebenssituationen – Single, Menschen ohne Familien – verlangen neue Lösungen. «Sport und gesundes Leben sind wichtige Präventionsmassnahmen gegen Demenz, doch die beste Vorsorge ist es, sich sozialverträglich zu machen, damit man dann auch noch Freunde hat, die Helfen und für einen da sind, wenn man krank ist», so Held. Doch er warnte auch vor zu viel Positivismus. «Leben mit Demenz ist manchmal schwierig und unerträglich. Es gibt nichts, was das einfach macht, man muss es aushalten können.»

Die Zeit der Vorträge und Diskussionen war schnell vorbei. Am Anschluss an die Veranstaltung hatten die Gäste die Möglichkeit, sich mit den Referenten zu unterhalten und sich an den Ständen über die verschiedenen Angebote zur Unterstützung zu orientieren.

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