Barockmusik für Entdecker

Die Sopranistin Patricia Petitbon und das Basler Barockorchester La Cetra zeigten, wie Barockmusik sein kann: lustvoll, fröhlich, abwechslungsreich, himmlisch. – Der Auftakt der «Lounge Konzerte» im Alts Schlachthuus war gelungen.

Leidenschaft: Patricia Petitbon überzeugte mit ihrer gewaltigen Stimme.
Leidenschaft: Patricia Petitbon überzeugte mit ihrer gewaltigen Stimme.

Wer meint, klassische Musik müsse eine ernste Angelegenheit sein, wurde am letzten Samstag im Kulturforum Alts Schlachthuus eines Besseren belehrt. Das Basler Barockorchester La Cetra und die französische Starsopranistin
Patricia Petitbon bewiesen, wie fröhlich, lustvoll und unterhaltend Barockmusik sein kann, ohne dabei an Qualität einzubüssen. Mit dem Programm Nouveau Monde nahmen die Musikerinnen und Musiker das Publikum mit auf eine Entdeckungsreise der Barockmusik und boten während zweier Stunden ein aussergewöhnliches Konzerterlebnis.

Nebst dem grandiosen Spiel des Orchesters war es die Sopranistin, welche das Publikum nicht nur mit ihrer gewaltigen Stimme, sondern auch mit ihrer ausdrucksstarken Mimik, Theatralik und Charme verzauberte. Die temperamentvolle Französin unterstrich das fantastische Spiel ihrer Stimme mit Engelsflügel, Hut und Blumen-Sonnebrillle, warf den Plüschfuchs beim Kinderlied «J’ai vu le loup, le renard, le lièvre» mit gesungenem Staccato und musikalischem Stöhnen ins Publikum, knallte im Liebesschmerz den Liedtext auf den Boden, liess als Matrose eine Arie erklingen und sang das bekannte Liebeslied «Greensleeves» mit solcher Inbrunst, dass es einem warm ums Herz wurde. Sie liess französische, englische und spanische Lieder aus der Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts auferstehen. Das Orchester, welches sich von der Fröhlichkeit und dem theatralischen Auftritt der Sopranistin anstecken liess, begleitete sie mit ebenso viel Lebensfreude und Perfektion. Nebst dem erhabenen Spiel der Streicher, den klaren Tönen der Blockflöte und Dudelsack, waren liebliche Töne historischer Instrumente, wie die der Therobe, einer gitarrenähnlichen Laute, zu hören. Als Perkussion dienten nicht nur Tamburin, sondern auch Kunststoffröhren, Kastagnetten oder Rasseln aus Naturprodukten. Grosser Applaus und Standing Ovations bewegten Orchester und Sopranistin zu einer Zugabe. Gerne wäre man noch länger auf dieser musikalischen Reise weitergesegelt.

Mit dem Barockkonzert eröffnete das Kulturforum die neue Reihe «Lounge Konzerte», mit welchem sie klassische Musik in familiären Rahmen dem Publikum näherbringen möchte. Der Auftakt war mehr als gelungen und man darf gespannt sein, was als Nächstes auf dem Programm stehen wird und ob dieser erste Auftritt noch getoppt werden kann.

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