Bancomat gesprengt, Täter geschnappt
Die Schweiz scheine ein lohnenswertes Ziel für Geldautomaten-Angriffe zu sein, heisst es seitens der Bundespolizei. In den letzten Jahren gab es wöchentlich Überfälle. Bei der jüngsten Tat in Breitenbach war die Polizei den Räubern dicht auf den Fersen.

Noch bevor die Anwohnerschaft in der Nacht auf den 13. Februar einen Angriff auf den Geldautomaten meldete, war die Patrouille der Solothurner Kantonspolizei bereits auf dem Weg zum Wydehof. Die Polizisten hatten den Knall der Explosion gehört, da sie sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Posten in Breitenbach befanden. Es kam zur Verfolgungsjagd — und zum Erfolg dank der internationalen Zusammenarbeit. Die Täterschaft konnte in Holland geschnappt werden, teilte die Bundespolizei (Fedpol) wenige Tage nach dem Überfall auf den UBS-Geldautomaten in Breitenbach mit. Details kann Mediensprecher Patrick Jean keine preisgeben. Es sei in Abklärung, welche anderen Delikte auf das Konto der Täterschaft gehen. «Die Geldautomaten-Angriffe erfolgen auf verschiedene Weisen; bis 2018 versuchten Täter, die Automaten mit einem Seil herauszureissen. Heute nutzen die Räuber Sprengstoff, um Zeit zu gewinnen. In den letzten Jahren nahmen Geldautomaten-Angriffe mit Gas zu. Dabei wird Gas in die Geldautomaten eingelassen und gezündet. Dessen Dosierung ist aber nicht einfach. Die neusten Automaten können Gas ausserdem erkennen und Gegenmassnahmen einleiten», führt Jean aus.
Im Juli 2022 wurde der Raiffeisen-Geldautomat in Kleinlützel, am 11. August der Automat in Nuglar gesprengt, im März 2023 kam es in Hofstetten zu einem Angriff, wobei das Gebäude mit Wohneinheit durch die Explosion in Brand geriet. Im Juli 2024 traf es in Laufen den Geldautomaten der Valiant, im April 2025 den Geldtresor der Raiffeisenbank in Büren und im November den UBS-Bancomaten in Laufen. Die Grenzregion Leimental–Laufental sei nicht mehr betroffen als andere Regionen. Seit 2020 seien schweizweit über 275 Angriffe auf Geldautomaten registriert worden. «Die Schweiz scheint ein lohnenswertes Ziel für Geldautomaten-Angriffe zu sein. Mögliche Gründe dafür sind die Kleinräumigkeit und das dichte Netz von Automaten in der Schweiz», erklärt Jean. Viele Automaten stehen frei zugänglich an Aussenwänden kleiner Bankfilialen oder Geschäfte — oft in ländlichen Regionen oder kleinen Ortschaften. Recherchen zeigen, dass es in Frankreich früher zahlreiche Angriffe auf Geldautomaten gab, mittlerweile nur noch wenige. Die Polizei gibt als Grund an, dass die Banken flächendeckend Gegenmassnahmen eingeleitet hätten. Die Geldinstitute platzieren ihre Automaten in mit Stahl verstärkten Zonen im Gebäudeinneren und setzen auf automatische Einfärbesysteme für Geldscheine bei Angriffen sowie auf Gasneutralisierungssysteme. Inwiefern die Schweiz mittlerweile ebenfalls aufgerüstet hat, bleibt das Geheimnis der Banken. Nachgefragt bei der UBS stellt Ronnie Petermann von der Pressestelle klar, dass die Bank zu Schadenssummen und zu ihrem Sicherheitssystem keine Auskunft gebe, sie stehe jedoch im Austausch mit Fedpol und anderen Banken. Für die UBS habe die Sicherheit ihrer Bancomaten weiterhin höchste Priorität, und man prüfe, wie es in Breitenbach weitergehen soll, erklärt Petermann. Vorerst könnten die Kundinnen und Kunden an den regionalen Nachbarstandorten Bargeld beziehen.
Die Raiffeisenbank gibt ebenfalls keine Details bekannt, hält aber fest: «Die Bancomaten der Raiffeisen Gruppe sind gegen die gängigsten Risiken marktüblich versichert. Raiffeisen verfügt mit 1463 Bancomaten über das dichteste Bancomaten-Netz der Schweiz, was die Wahrscheinlichkeit für Manipulationen an unseren Geräten potenziell erhöht», gibt Mediensprecher Joël Grandchamp zu bedenken. «Generell kann gesagt werden, dass das Sicherheitsteam von Raiffeisen Schweiz die aktuelle Lage detailliert analysiert und daraus allfällige Massnahmen ableitet — beispielsweise empfiehlt Raiffeisen Schweiz den Raiffeisenbanken, ihre Bancomaten mit einem Einfärbesystem auszurüsten.
Zudem steht Raiffeisen in regelmässigem Kontakt mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Banken, der Polizei und Bancomat-Lieferanten, um weitere Sicherheitsmassnahmen umzusetzen. Die Sicherheitsstandards der Raiffeisenbanken sind branchenüblich und auf dem aktuellsten Stand.» Der Entscheid, wie viele und an welchen Standorten Geschäftsstellen und Bancomaten geführt werden, liege in der Verantwortung der einzelnen Raiffeisenbanken. Kundinnen und Kunden mit Wohnsitz in der Schweiz hätten zudem die Möglichkeit, sich Bargeld in Schweizer Franken nach Hause liefern zu lassen.
Hohe Schadenssumme belastet die Versicherung
Das Nachsehen hat die Gebäudeversicherung. Diese verzeichnete durch die Angriffe auf die Geldautomaten in den letzten Jahren eine Schadenssumme im höheren sechsstelligen Bereich, sagt Robin Hediger, Mediensprecher der Baselbieter Gebäudeversicherung. «Bei Explosionen an Bancomaten handelt es sich aus versicherungstechnischer Sicht in der Regel um einen versicherten Feuerschaden. Die bei uns versicherten Gebäude sind gegen Schäden infolge Explosion gedeckt. Versichert ist die Wiederherstellung des teilbeschädigten Gebäudes. Für die Instandstellung kommt somit die BGV im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen auf.» Das Vorgehen werde gemeinsam mit der Eigentümerschaft besprochen. «Vergütet werden die notwendigen Kosten für die Wiederherstellung des Gebäudes. Zudem wird geprüft, ob ein Regress möglich ist, sofern die Täterschaft ermittelt werden kann.» Zurzeit seien keine strengeren Auflagen geplant. Die Solothurnische Gebäudeversicherung kann keinen Betrag nennen, «weil sie keine Kategorie für die Schäden aufgrund Sprengung von Bancomaten habe. Tatsache ist, dass aufgrund der Explosion das Schadenausmass tendenziell hoch ausfällt, da ein betroffenes Gebäude einer grossen statischen Belastung ausgesetzt wird», erklärt Abteilungsleiterin Antje Horvath.


