Auf Benno Jermann wartet der Ruhestand
In fünf von insgesamt 86 Baselbieter Gemeinden wechselte auf Anfang Juli das Gemeindepräsidium. Die Gemeindepräsidenten und -präsidentinnen demissionieren aus unterschiedlichen Gründen somit ein Jahr vor Ende der laufenden Amtsperiode. In Zwingen ist dies Benno Jermann.

Einer dieser Gemeindepräsidenten, die sich nach dem Ausscheiden aus ihrem Amt weiterhin lautstark ins Dorfgeschehen einmischen, will Benno Jermann nicht sein. Wenn er Ende dieses Monats abtritt, werde er sich aus der Politik zurückhalten und sich in Zwingen nicht mehr exponieren. Lieber geniesst der 69-Jährige künftig vermehrt die Gesellschaft seiner zwei Kinder und der beiden Grosskinder. Den während der Zeit in der Exekutive zu kurz gekommenen Hobbys wird er sich ebenfalls vermehrt widmen können.
Zum Präsidium wiedie Jungfrau zum Kind
Eigentlich hätte der ehemalige Chemieingenieur das alles bereits vor neun Jahren tun können. «Ich konnte damals zu guten Bedingungen vorzeitig in Pension gehen», erinnert er sich in seinem Büro in der Zwingner Gemeindeverwaltung. Bereit, das verdiente Rentnerleben auszukosten und die Füsse hochzulegen, war er aber noch lange nicht. Jermann entschied sich, die vorhandene Energie für seine Wohngemeinde einzusetzen. «Als mir meine Partei vorschlug, direkt das Präsidium zu übernehmen, war ich zu Beginn skeptisch», sagt er. Ausser einigen Jahren als Schulratspräsident hatte der CVP-Politiker keinerlei Exekutiverfahrung.
Trotz der geringen Vorkenntnisse ist es ihm in seiner Amtszeit gelungen, bedeutende Projekte zu verwirklichen. In die beiden Legislaturperioden fallen einige Meilensteine der jüngeren Geschichte der Laufentaler Gemeinde. Allen voran die Inbetriebnahme der neuen, grosszügigen Birsbrücke, welche die in die Jahre gekommene alte ersetzte. Benno Jermann war zudem eine der treibenden Kräfte hinter der kürzlich erschienenen Heimatkunde über Zwingen. Im «Dorfblättli» schrieb der Präsident immer wieder über seine Arbeit und informierte die Bevölkerung über Neuigkeiten aus der Gemeinde.
Im Grossen und Ganzen sei Zwingen heute gut aufgestellt, bilanziert der scheidende Gemeindepräsident. Das Dorf erlebe ein konstantes Bevölkerungswachstum, und in den letzten Jahren seien zahlreiche Arbeitsplätze entstanden. Unter anderem dank des Business Parks, in welchem sich mehrere spannende Jungunternehmen ansiedelten.
Viel Nachholbedarf bestehe jedoch noch immer beim Erhalt der Infrastruktur. «Viele unserer Abwasserleitungen sind veraltet, und auch die Gemeindeverwaltung könnte mancherorts einen neuen Anstrich vertragen.» Infolge der Gemeindeschulden von rund zehn Millionen Franken sei es stets eine Herausforderung gewesen, die notwendigen Investitionen zu tätigen. Die grössten Probleme des Laufentals verortet Benno Jermann beim Verkehr. Sowohl auf der Schiene als auch auf der Strasse bestehe viel Verbesserungspotenzial. Dass die Umfahrung von Laufen und Zwingen, bei der es sich seit Jahren um einen Dauerbrenner handelt, bald gebaut wird, glaubt er nicht. «Selbst wenn ich sehr alt werde, erlebe ich den Spatenstich nicht mehr», ist er überzeugt. Deshalb gelte es, örtlich kurzfristige Verkehrsentlastungen zu realisieren.
Mehr Zeit für Dampflokomotiven
Trotz der neuen Freiheiten fällt es Benno Jermann nicht leicht, sich von den Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb des Gemeindewesens zu verabschieden. Er habe sich aber vorgenommen abzutreten, bevor er 70 Jahre alt werde, was im nächsten Jahr der Fall ist. «Ich verlasse mein Amt, um Platz für Jüngere zu machen und nun endlich meinen Ruhestand in vollen Zügen zu geniessen», freut er sich auf die kommende Zeit.
Diese wird er, wann immer möglich, mit seinen Dampflokomotiven verbringen, die sich momentan alle noch auf dem Dachboden befinden. Er habe aber vor, in Zukunft einige davon in seinen Garten zu zügeln, wo die Züge dann ihre Runden drehen werden.


