Altes Gefängnis wird zur Familienherberge

Die Burgergemeinde Laufen-Stadt baut aus dem alten Gefängnis im Stedtli eine Herberge mit 16 Zimmern und füllt damit die gähnende Leere der lokalen Hotellerie.

Das Siegerprojekt: Die Gestaltung bleibt dem alten Gefängnis treu. Innen soll die Zellenatmosphäre aber verschwinden. Bild: zVg

Das Siegerprojekt: Die Gestaltung bleibt dem alten Gefängnis treu. Innen soll die Zellenatmosphäre aber verschwinden. Bild: zVg

Im Inneren soll alles anders werden: Die Gefängniszellen-Atmosphäre soll komplett verschwinden.  Foto: Melanie Brêchet

Im Inneren soll alles anders werden: Die Gefängniszellen-Atmosphäre soll komplett verschwinden. Foto: Melanie Brêchet

Laufen

Wo einst Verbrecher zu Trockenbrot und Wasser sassen, schlummern bald Touristenfamilien. Aus dem Laufner Gefängnis soll eine gemütliche Herberge werden. Nun steht das Siegerprojekt des Studienauftrags fest. Die Projektierung beginnt diesen Sommer. «Mit der Herberge im Amthausgarten wollen wir eine Angebotslücke schliessen und Familien, Velo- und Wandertouristen oder Geschäftsreisenden ein Übernachten im Stedtli ermöglichen», erklärt Kathrin Hecht, Präsidentin der Burgergemeinde Laufen-Stadt, welcher das Grundstück gehört. Gerade bei der unsicheren Zukunft des Hotels Central sei dies für den Tourismus in der Region bedeutsam. Die Anlage mit dem aufgewerteten Amthausgarten und dem Durchgang in den Grabenweg soll weiterhin für die Bevölkerung zugänglich sein. «Die Rendite steht nicht im Vordergrund, wir wollen Laufen etwas zurückgeben.»

Über 100 Jahre schwedische Gardinen für «Kriminaltouristen»

1910 erwarb der Kanton Bern das Amtshaus aus privater Hand und stampfte gleich daneben das Bezirksgefängnis mit zehn Haftplätzen aus dem Boden. Auch nach dem Kantonswechsel 1994 buchtete die Baselbieter Sicherheitsdirektion dort

Kriminelle ein. 2001 machte sie den Betrieb aber vorübergehend dicht. Ein Mangel an Haftplätzen führte 2013 zu einer kurzzeitigen Wiedereröffnung. Auch wegen der «anhaltenden Einbruchswelle durch Kriminaltouristen», wie der Kanton damals verlautete. Mit der Fertigstellung des Muttenzer Strafjustizzentrums ein Jahr darauf schloss er den Betrieb in Laufen aber endgültig. 2016 kaufte die finanzstarke Burgergemeinde das Grundstück inklusive Amthaus. Rund drei Millionen Franken pumpt sie nun in den Umbau. Wer die Herberge mit 16 Zimmern dereinst führen wird, sei aber noch unbekannt, betont Hecht. Durch die hohe Selbstbedienungsrate – mit online Self-Check-in – sei der Aufwand bis auf den Unterhalt sehr klein. «Wir gehen davon aus, dass wir eine Person dafür anstellen werden.» Die Gefängnisherberge soll Zimmer zu familienfreundlichen Preisen inklusive Kochmöglichkeiten bieten. «Um das Gastgewerbe im Stedtli nicht zu konkurrenzieren, wird es aber kein eigenes Restaurant geben», führt Hecht aus. Stattdessen seien Kooperationen mit umliegenden Bäckereien und Beizen angedacht. Der Garten soll öffentlich zugänglich sein. Das Holz für den Anbau will die Burgergemeinde selbst zur Verfügung stellen.

Das Siegerprojekt heisst «Im Wandel» und entspringt den Federn der Felippi Wyssen Architekten aus Basel und der Meta Landschaftsarchitektur. Der Entwurf mit südlichem Anbau soll das bisher geschlossene Haus zur Stadt und zum Amthausgarten mit den Bäumen hin öffnen. «Es zeichnet sich dadurch aus, dass es sehr nachhaltig mit dem Gefängnis umgeht und der alten Struktur am nächsten bleibt», meint Hecht. Innen soll die Gefängniszellen-Atmosphäre aber verschwinden und einer familienfreundlichen Gestaltung weichen. «Wir entschieden uns bewusst für eine zweckdienlichere Ausstattung.» Erlebnishotellerie, wie «Schlafen in Gefängniszellen», sei in einer grösseren Stadt interessant, in Laufen aber eher fehl am Platz. «Dennoch möchten wir zum Beispiel die alten Gefängnisgitter als Rankhilfe für Kletterpflanzen und als Absturzsicherung weiterverwenden.»

Hohe Fenster im Erdgeschoss, eine zentrale Eingangshalle sowie ein ebenerdiger Gemeinschaftsraum sollen die Herberge zukünftig prägen. Historische Räume würden mit Einbauten aus Holz kombiniert. Wie auch beim neuen Laufner Werkhof will die Burgergemeinde dafür eigenes Holz verwenden. Hecht fügt an: «Wenn alles gut kommt, können 2030 die ersten Zimmer gebucht werden.»

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