Alter Streit neu entfacht

Die Landeskirche Baselland droht der Kirchgemeinde Röschenz mit aufsichtsrechtlichen Massnahmen, die dazu führen könnten, Pfarrer Franz Sabo zu entlassen. Dagegen wehrt sich der Kirchgemeinderat.

Bernhard Cueni, Präsident des Kirchgemeinderates, steht hinter seinem Pfarrer Franz Sabo: «Wir werden uns wehren. Sollte sich dabei der Verdacht erhärten, dass Verleumdung betrieben wurde, wird sich der Präsident der Landeskirche Baselland, Ivo C
Bernhard Cueni, Präsident des Kirchgemeinderates, steht hinter seinem Pfarrer Franz Sabo: «Wir werden uns wehren. Sollte sich dabei der Verdacht erhärten, dass Verleumdung betrieben wurde, wird sich der Präsident der Landeskirche Baselland, Ivo Corvini, dafür verantworten müssen.»Foto: Bea Asper

Franz Sabo (72) ist mittlerweile seit über 28 Jahren Pfarrer in Röschenz und ein wichtiger Teil der lebendigen Kirchgemeinde und eines wertvollen Engagements. Während in anderen Gemeinden die Bänke leer sind, freut sich Kirchgemeindepräsident Bernhard Cueni, dass die Gottesdienste in Röschenz nach wie vor gut besucht werden. «Wir zählen nicht selten weit über 100 Besucherinnen und Besucher, haben viele motivierte Ministrantinnen und Ministranten, und diese Woche waren 22 Sternsingende unterwegs», resümiert Cueni. Er übernahm das Amt vor fünf Jahren von Holger Wahl, der sich vor 18 Jahren erfolgreich gegen den Versuch der Landeskirche wehrte, Pfarrer Franz Sabo loszuwerden. Der Priester war Anfang 2000 wegen seiner Kritik an der Kirchenobrigkeit in Misskredit geraten. Röschenz gewann den Fall, der schweizweit Aufsehen erregt hatte, im September 2007 vor dem Kantonsgericht. «Es war ein jahrelanger Streit, der insgesamt wohl 600000 Franken verschlungen hat. Alleine die Kirchgemeinde Röschenz hatte über 100000 Franken Verfahrenskosten, die ihr aber grösstenteils rückerstattet wurden und durch Spenden gedeckt waren. Und jetzt hat der Landeskirchenrat erneut einen Streit vom Zaun gebrochen, der wieder ins Geld gehen wird», moniert Cueni. Der Landeskirchenrat droht der Kirchgemeinde Röschenz mit aufsichtsrechtlichen Massnahmen, mit denen er wohl darauf abziele, Pfarrer Franz Sabo doch noch loszuwerden. «Der Landeskirchenrat hat ein Aufsichtsverfahren gegen die Kirchgemeinde Röschenz eröffnet. Im Moment wehren wir uns dagegen mit einer Beschwerde bei der Rekurskommission», erklärt Cueni.

Gestützt auf einen «Blick»-Artikel

Der Landeskirchenrat stütze sich auf einen «Blick»-Artikel aus dem Jahr 2023. «Der Artikel wurde vom früheren Chef des Portals kath.ch verfasst und enthält von Ivo Corvini die Aussage, Franz Sabo wäre im Amt nicht mehr tragbar.» Im Artikel geht es um die Aussage eines Mannes, dass er einen sexuellen Kontakt mit Franz Sabo vor 43 Jahren inzwischen anders werte als früher. «Corvini machte aus dem angeblichen sexuellen Kontakt einen sexuellen Missbrauch und brachte mittels Fragenkatalog, den er veröffentlichen liess, Franz Sabo in den Zusammenhang mit üblen Vorwürfen», erklärt Cueni und betont: «Aus Sabos Personaldossiers — auch jenem vom Heimatbistum Bamberg — geht klar hervor, dass es keine Hinweise auf eine Straftat in Sachen sexuellen Missbrauchs gibt.» Das Bistum Basel habe ihm schriftlich bestätigt, dass sich auch im Zeitraum nach 2005 in den Unterlagen keine Missbrauchsvorwürfe finden liessen. Damit stelle sich die Frage, ob der Landeskirchenrat Verleumdung betreibe. «Sollte sich dieser Verdacht erhärten, wird sich Ivo Corvini dafür verantworten müssen», meint Cueni und überlegt sich, ob Jurist Corvini seine Niederlage wohl nicht vergessen konnte. «Es hat sich nun gezeigt, dass Ivo Corvini nach dem Gerichtsurteil weitere Schritte unternommen hatte, seinen Willen durchzusetzen. Über das Bistum Bamberg versuchte er, für die von der Landeskirche gewünschte Entlassung von Pfarrer Franz Sabo eine neue rechtliche Grundlage zu schaffen. Bischof Kurt Koch machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Er gab Sabo die Missio canonica zurück und feierte 2008 in einem Gottesdienst in Röschenz die Versöhnung», so Cueni.

Franz Sabo weist darauf hin: «Ich bin seit fast 28 Jahren als Pfarrer in Röschenz tätig. Nie hat es auch nur im Ansatz irgendwelche Anschuldigungen gegen mich gegeben. Doch das zählt für den Landeskirchenrat nicht. Deshalb mussten Vorwürfe erfunden werden. Warum tun Corvini und Co das? Jeder mag sich selbst seinen Reim darauf machen — sie haben die Macht und das Geld dazu. Bezahlt wird es nicht aus dem Privatvermögen, sondern mit der Kirchensteuer», hält Sabo fest.

Das «Wochenblatt» bat Ivo Corvini, sich zu den Vorwürfen zu äussern, erhielt aber von der Kommunikationsabteilung der Landeskirche die Mitteilung, dass der Landeskirchenrat derzeit keine Stellungnahme abgeben könne, da es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Antworten auf weitere Fragen gibt Franz Sabo in seinem neusten Band: «Die Machenschaften des röm.-kath. Landeskirchenrats Baselland und mehr…», in welchem er die Zusammenhänge aufzeigt, das Netzwerk der einzelnen Akteure beleuchtet und seine Gedanken äussert, warum es sich lohnt, für Wahrheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. «Mich öffentlich zu wehren, ist für mich eine Art Therapie, verbunden mit der Hoffnung, dass auch andere Menschen ermutigt werden, den Mund aufzumachen, und wir auf diese Weise ein klein wenig dazu beitragen können, dass Missstände aufgedeckt werden.» Auch wenn ihm bewusst sei, dass man gegen die Mächtigen dieser Welt machtlos sei, folge er der Empfehlung von Erich Kästner: «Das Leben muss noch vor dem Tod erledigt werden.» Der eigenen Gesundheit wegen brauchten Menschen ein Ventil, «um den Mist loszuwerden, der sie innerlich quält und zerfrisst, und zwar möglichst, ohne sich selbst und anderen zu schaden. Den ganzen Dreck nur zu schlucken, macht krank», schreibt Sabo. Der Band: «Die Machenschaften des röm.-kath. Landeskirchenrats Baselland und mehr…» ist beim katholischen Pfarramt Röschenz erhältlich.

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