250000 Seiten Regionalgeschichte
Rund 250 gebundene Bände historischer Zeitungen lagert das Museum Laufental im Stadthaus in Laufen. Nun sollen die alten Ausgaben chronologisch digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dafür sammelt das Museum mittels Crowdfunding Geld.

Wer wissen möchte, was vor 100 Jahren in Laufen, Breitenbach oder einem der umliegenden Dörfer für Gesprächsstoff sorgte, muss heute noch in schweren, gebundenen Zeitungsbänden blättern. Das soll sich ändern. Das Museum Laufental möchte seinen Bestand historischer Regionalzeitungen digitalisieren lassen und damit für alle zugänglich machen. Der Bestand reicht weit zurück. Vom «Birsboten», aus dem später der «Volksfreund» hervorging, besitzt das Museum Ausgaben ab 1867, vom «Birsthaler», dem Vorgänger der «Nordschweiz», ab 1890. Letztere ging schliesslich in der «Basler Zeitung» auf. Die Zeitungen widerspiegeln damit weit mehr als ein Jahrhundert regionaler Geschichte.
Anfangs erschienen die Blätter einmal wöchentlich und umfassten nur wenige Seiten. Neben Nachrichten aus der Region fanden darin auch Meldungen aus dem Ausland sowie Inserate Platz. Fotografien gab es zunächst keine. Mit den Jahrzehnten wurden die Zeitungen umfangreicher. «Uns interessieren vorerst die ersten 50 Jahre», sagt Christoph Sütterlin vom Museum Laufental. Insgesamt umfasst der Bestand rund 250 gebundene Bände mit geschätzt 250000 Seiten. Bei der Digitalisierung geht das Museum chronologisch vor: In einem ersten Schritt sollen die ersten rund 70 Bände mit insgesamt etwa 45000 Seiten digitalisiert werden. Danach sollen, sofern genügend finanzielle Mittel vorhanden sind, weitere Bände folgen.
Rund 95 Prozent des gesamten Zeitungsbestands seien erhalten. Der Zustand sei angesichts des Alters erstaunlich gut, sagt Sütterlin. Trotzdem hinterlässt jede Benutzung Spuren. Es seien zudem vereinzelt Artikel oder Bilder herausgeschnitten oder Seiten entfernt worden. Teilweise finden sich auch handschriftliche Notizen in den Bänden. Mit der Digitalisierung sollen darum zukünftig die Originale geschont werden. Die Zeitungen werden dafür zu einer spezialisierten Firma in Lausanne gebracht und Seite für Seite fotografiert. Aufgeschnitten werden die gebundenen Bände nicht. Nach der Digitalisierung sollen die Originale fachgerecht archiviert werden. Die Aufnahmen werden anschliessend mittels Texterkennung erfasst und sollen über das Online-Archiv der Schweizerischen Nationalbibliothek öffentlich zugänglich und durchsuchbar werden. Wer etwa nach einem Familiennamen, einem Verein oder einem Ereignis sucht, könnte damit innert Sekunden entsprechende Artikel finden. Gerade darin sieht Sütterlin den grossen Wert des Projekts. Allerdings müsse man historische Schreibweisen berücksichtigen, erklärt Sütterlin. Das Laufental wurde beispielsweise einst «Laufenthal» geschrieben. In den Zeitungen finden sich Berichte über politische Abstimmungen ebenso wie Todesanzeigen, Vereinsanlässe, Firmen und Inserate. Auch Vereine, Kirchgemeinden, Parteien und Dorfchronisten könnten darin nach ihrer eigenen Geschichte suchen. Für Schulen wiederum könnten die digitalisierten Zeitungen als wertvolle historische Quellen dienen. Spannend dürfte auch ein Vergleich sein: Die damaligen Zeitungen standen in Konkurrenz zueinander und waren politisch unterschiedlich ausgerichtet. Durch die Grenzlage finden sich in den archivierten Ausgaben zudem auch zahlreiche Nachrichten aus dem benachbarten Frankreich und Deutschland. «Es ist viel Geschichte darin zu finden», sagt Sütterlin.
Einen konkreten Anlass für das Projekt liefert eine geplante, kantonsübergreifende Ausstellung zur Jurabahn im Jahr 2027. Das Museum Laufental übernimmt dabei die Presseschau. Statt dafür zahlreiche Bände von Hand durchzugehen, sollen die historischen Zeitungen digital durchsucht werden können. Anfragen nach alten Ausgaben erhalte das Museum ohnehin immer wieder.
Finanziert werden soll die Digitalisierung unter anderem über ein Crowdfunding auf der Plattform www.lokalhelden.ch. Mindestens 20000 Franken sollen zusammenkommen, angestrebt werden deutlich mehr. Zusätzlich will das Museum Stiftungen und weitere mögliche Geldgeber anfragen. Auch die Schweizerische Nationalbibliothek beteiligt sich laut Sütterlin an den Kosten und begleitet das Projekt fachlich.
Wie viele Bände letztlich digitalisiert werden können, hängt vom verfügbaren Geld ab. «Wir machen so viel wie möglich und schauen, wie weit das Geld reicht», sagt Sütterlin. Die eigentliche Digitalisierung dauert rund acht bis neun Wochen. Am liebsten würde das Museum noch 2026 die ersten Bände online bringen. Sütterlins Wunsch: Die alten Zeitungen könnten der Region bereits zu Weihnachten digital zur Verfügung stehen.


