Frauen in den Gemeinderat

Dass es im Jahr nach dem grossen Frauenstreik immer noch nicht selbstverständlich ist, dass Frauen im Gemeinderat angemessen vertreten sind, ist erstaunlich. Am 9. Februar sind im Kanton Baselland Wahlen. Die Stimmberechtigten haben nun die Gelegenheit, für mehr Ausgewogenheit zu sorgen.

<em>Kämpfen für eine Frau im Gemeinderat: </em>(v.l.) Margareta Bringold, Kandidatin Karin Schwab und Sandra Rieder. Foto: Gaby Walther
<em>Kämpfen für eine Frau im Gemeinderat: </em>(v.l.) Margareta Bringold, Kandidatin Karin Schwab und Sandra Rieder. Foto: Gaby Walther

Es sind ernüchternde Zahlen, in den 13 Gemeinden des Laufentals sind nur gerade 21 Prozent der Gemeinderäte Frauen. In Wahlen, Duggingen und Burg sitzt sogar keine einzige Frau in der Gemeindeexekutive. Ist das problematisch? Absolut, finden Margareta Bringold und Sandra Rieder. Der Gemeinderat soll die Gesellschaft vom Dorf abbilden. Fehlen im Gremium die Frauen, würden die Anliegen der Frauen wie Kinderbetreuung, Altersfragen und Soziales zu wenig stark gewichtet. «Frauen politisieren anders und legen andere Schwerpunkte», sind Bringold und Rieder überzeugt. Sie wollen die Frauen von Wahlen dafür sensibilisieren, dass sie etwas bewegen können. Nach acht Jahren Männerdominanz sei es an der Zeit, dass mindestens eine Frau in der Gemeinde wieder eine Stimme erhält.

Bringold war selber für einige Jahre im Gemeinderat in Wahlen. Rieder kandidierte vor vier Jahren für das Amt und schaffte die Wahl nur knapp nicht. Ihr wurde damals versprochen, dass in den kommenden Wahlen eine Frau für den Gemeinderat gesucht werde.

Nun haben die bisherigen Gemeinderäte für den abtretenden Gemeindepräsidenten Willi Asprion wieder einen männlichen Kandidaten auf die Liste genommen. «Wir haben nichts gegen die Männer, aber wir sind enttäuscht», so Rieder. Willi Asprion und Gemeinderat Jonas Lutz verteidigen sich. «Wir haben viele Frauen und auch Männer angefragt. Aber es war sehr schwierig, jemanden für das Amt zu finden.» Als dann ein Mann zusagte, der von seiner Art auch gut in das Gremium passen würde, suchten sie nicht weiter. «Vielleicht hätten wir uns noch aktiver einsetzen und besser mit Bringold und Rieder kommunizieren müssen», meint Lutz. Böse Absicht habe aber nicht dahinter gesteckt.

Bringold und Rieder machten sich mithilfe von Flyer, Facebook und Leserbrief eigenständig auf die Suche nach einer geeigneten Kandidatin. Dass es nicht einfach ist, jemanden für das Amt zu überzeugen, mussten auch sie bald feststellen. «Viele Frauen sind in der Familie oder im Beruf stark engagiert, möchten sich nicht exponieren oder trauen sich schlichtweg das Amt nicht zu. Um so wichtiger ist es, eine Frau im Gemeinderat zu haben. «Es braucht weibliche Vorbilder», ist Bringold überzeugt. Dies würden in Wahlen viele so sehen. Nicht nur Frauen, sondern auch viele Männer begrüssten ihren Einsatz. «Wir erhielten nur positive Resonanz.»

Vier Tage vor der letzten Eingabefrist vom 23. Dezember wurden Rieder und Bringold fündig. Karin Schwab lässt sich als Kandidatin aufstellen. Die Sekundarlehrerin würde sich gerne für die Gemeinde engagieren. «Ich habe Zeit, Erfahrung, vieles von der Gesellschaft erhalten und gebe auch gerne etwas zurück», erklärt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

Am 9. Februar finden die Gesamterneuerungswahlen statt. Es wird sich zeigen, ob die nationale Frauenbewegung vom letzten Jahr auch auf der Gemeindebasis etwas bewegen kann, ob die Solidarität unter den Frauen vorhanden ist und ob im Laufental der Frauenanteil im Gemeinderat steigen wird.

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