Der Besuch der alten Dame — immer noch aktuell

Die Klasse 3AI des Gymnasiums Laufen führte dreimal engagiert und eindrücklich die tragische Komödie «Der Besuch der alten Dame» auf. Obwohl bereits 1955 geschrieben ist das zweistündige Stück noch immer aktuell. In Friedrich Dürrenmatts Geschichte geht es um Liebe, Moral, Ehre, Geld, Rache und Gerechtigkeit.

Das Schicksal ist besiegelt: Die schwerreiche, alte und tief verletzte Claire Zachanassian, gespielt von Melissa Häner, erklärt ihren Besuch in Güllen ihrer Jugendliebe Alfred Ill, gespielt von Patrick Bieli. Foto: Carlo Lang
Das Schicksal ist besiegelt: Die schwerreiche, alte und tief verletzte Claire Zachanassian, gespielt von Melissa Häner, erklärt ihren Besuch in Güllen ihrer Jugendliebe Alfred Ill, gespielt von Patrick Bieli. Foto: Carlo Lang

Die Klassenlehrerin Noëlle Borer startete ihr Theaterprojekt im Januar und holte sich Regisseur Daniel Boos an ihre Seite. Zusammen erarbeiteten sie die Rahmenbedingungen, welche die Schülerinnen und Schüler umsetzten. Am Theaterstück beteiligte sich die ganze Klasse, sowohl auf wie auch hinter der Bühne. Die Bühnenbilder, die Kostüme und die ­Requisiten waren genial gewählt — als Zuschauerin und Zuschauer fühlte man sich rund siebzig Jahre zurückversetzt.

Eine tolle Aufführung

Der Applaus am Schluss war laut und lange. Zu Recht! Denn nicht nur die beiden Protagonisten Patrick Bieli als Alfred Ill und Melissa Häner als Claire Zachanassian, früher Klara (Kläri) Wäscher, spielten ihre Rollen sehr gut und eindrücklich, auch alle anderen Schülerinnen und Schüler der Klasse 3AI lebten ihre Rollen und verzauberten das Publikum. Noëlle Borer: «Selbst im Schulunterricht, wenn es nicht ums Theaterstück ging, hörte und sah man immer wieder kleine Auszüge davon, was zeigt, dass sich alle mit ihren Rollen identifizieren konnten und diese verinnerlichten. Ich denke, das kann man auf der Bühne sehen.»

Das Stück beginnt in der Tristesse des finanziell und baulich heruntergekommenen Städtchens Güllen. Die meisten Züge fahren vorbei, nur ganz wenige ­halten an. Das war früher anders, als der Ort noch pulsierte. Nun aber sieht sich das Städtchen mit einer Pfändungsbeamtin konfrontiert, und niemand mehr hat Geld, selbst das Städtchen nicht. Dann plötzlich hält ein Schnellzug an, verursacht durch die Notbremse, und Claire Zachanassian, in ihrer Ehre verletzt, steigt mit ihrer Entourage und einem leeren Sarg aus. Das Schicksal ihres ehemaligen Liebhabers Alfred Ill nimmt seinen Lauf.

Thema noch heute aktuell

Auf die Frage, weshalb sich Noëlle Borer und Daniel Boos für dieses Stück entschieden haben, meint Boos: «Diese Geschichte könnte sich so oder ähnlich noch heute irgendwo abspielen; sie ist immer noch aktuell. Werte wie Gerechtigkeit, Liebe, Moral und Ehre bewegen uns heute genauso wie damals auch.»

Borer ergänzt: «Das Stück stellt uns die manchmal unangenehme Frage: ‹Wie käuflich sind wir?› Darauf muss jeder und jede selbst eine Antwort finden.»

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