Lebhafter Schlagabtausch trotz Corona-Modus

An der Gemeindeversammlung gingen die Wellen hoch: Spital, Weststrasse, Werkhof, Stadthaus und Finanzen kamen nochmals aufs Tapet und wurden mit Vorwürfen und Anträgen intensiv aufgemischt.

Corona-Abstand einhalten: Die Gemeindeversammlung fand ausnahmsweise in der MZH Serafin in Laufen statt. Foto: Jürg Jeanloz
Corona-Abstand einhalten: Die Gemeindeversammlung fand ausnahmsweise in der MZH Serafin in Laufen statt. Foto: Jürg Jeanloz

Rolf Richterich liess gleich zu Beginn der Versammlung die Katze aus dem Sack und beantragte, das Traktandum 7 «Verschiedenes, Mitteilungen, Anträge»
sofort zu behandeln. Mit 20 zu 19 Stimmen folgten ihm die Stimmberechtigten, worauf er den Stadtrat aufforderte, den «Gremiendschungel» (Vereine und Verbände) zu durchforsten und auszulichten. Darauf setzte er zum Frontalangriff an: «Warum fragt man nicht die Bevölkerung, ob das Feninger-Spital geschlossen werden soll?» Der Stadtrat würde eigenmächtig darüber befinden, ein regionales Gesundheitszentrum zu errichten und die Schliessung in Kauf zu nehmen. Der Kanton ziehe sich elegant aus dem Laufental zurück. Stadtpräsident Alex Imhof verteidigte das Gesundheitszentrum als zukunftsweisend mit modernen Hausarztpraxen. Aus dem Spital könne
gewinnbringend etwas Neues entstehen.

Als nächster Redner trat Hans Herter vor die Versammlung und tadelte den Stadtrat, beim Ausbau der Weststrasse unsorgfältig vorgegangen zu sein. Die Stadt hatte Perimeterbeiträge der Anstösser im Zuge der Überbauung Kirchgarten verlangt, worauf sich ein Betroffener zur Wehr gesetzt hatte. Enteignungsgericht, Kantonsgericht und schliesslich sogar das Bundesgericht hatten solche Beiträge verneint, sodass der Stadt Laufen nicht nur die Perimeterbeiträge entgingen, sondern auch Anwalts- und Gerichtskosten von 100000 Franken blieben.


Erfreulicher Jahresabschluss
Erfreulicher sah der Abschluss des Jahres 2019 aus. Der Nettogewinn ergab 900000 Franken, wobei zusätzlich 1,47 Mio. für den geplanten Hochwasserschutz zurückgestellt wurden. Das gute Ergebnis wurde unter anderem dank des Verkaufs des Aktienpakets Gasag und dem Buchgewinn aus der Neubewertung von Grundstückparzellen und Liegenschaften erwirtschaftet.
Die Verschuldung von 2063 Franken je Einwohner bleibt hoch und die wirtschaftlichen Aussichten der Corona-­Krise sind düster. Nachdem die Versammlung den Nachtragskredit von 80000 Franken für die Projektierung eines Reservoirs «Uf Saal» zugestimmt hatten, ging eine heftige Diskussion über den Bau eines neuen Werkhofs in der Neumatt los. Stadtrat Simon Croll beantragte einen Projektierungskredit von 250000 Franken und begründete seine Forderung mit dem veralteten, unpraktischen Standort am Seidenweg und mit dezentralen Aussenstellen, wo Material und Maschinen lagern.

«Die geplanten 6,3 Mio. Franken sind einfach zu viel, das macht mir Bauchweh», sagte Thomas Locher, «ich beantrage Nichteintreten.» «Wir brauchen den neuen Werkhof, die Arbeitsabläufe sind umständlich und kostentreibend», konterte Alex Imhof. «Dieses Leuchtturmprojekt können wir uns in dieser Wirtschaftskrise nicht leisten», doppelte Richterich nach. Nichteintreten wurde abgelehnt und der Kredit mit 34 zu 20 Stimmen angenommen.

Nachdem ein Baukredit von 839000 Franken für die Teilsanierung des ­Stadthauses mit neuen Fenstern und attraktivem Eingangsbereich mit 40 zu 10 Stimmen angenommen wurde,
verabschiedete Stadträtin Sabine Asprion die Versammlungsleiter Dieter Jermann und Martin Dätwyler (Ersatz) sowie die Stadträte Thomas Hofer, Simon Croll und Präsident Alex Imhof. Ihm zu Ehren traten Raphi und Jölle auf und lobten singend «Euse Alex» als schlagfertig, pfiffig und schlitzohrig.

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