Nach zwölf Jahren ist Schluss: Rolf Blatter tritt aus dem Landrat zurück

Der Aescher FDP-Politiker Rolf Blatter gehörte während Jahren zu den aktivsten Mitgliedern des Kantonsparlaments und eckte auch mal an.

Kann auch hartnäckig – Kritiker würden sagen bisweilen auch stur – sein: Rolf Blatter (FDP).Foto: Tobias Gfeller
Kann auch hartnäckig – Kritiker würden sagen bisweilen auch stur – sein: Rolf Blatter (FDP).Foto: Tobias Gfeller

Mit seiner Wahl 2015 gelang Rolf Blatter ein Coup, indem er im Wahlkreis Reinach für seine Partei den zuvor an die Grünen verlorenen zweiten Landratssitz zurückeroberte. In der Bau- und Planungskommission machte sich der Ingenieur rasch einen Namen. In seiner zwölfjährigen Amtszeit galt das Interesse des Aescher FDP-Politikers vor allem den Themen Hoch- und Tiefbau, Verkehr und Energie. Nun macht der mittlerweile 64‑Jährige Schluss. Am heutigen 24. September sitzt Blatter zum letzten Mal an seinem angestammten Platz am Ausweichstandort des Landrats in Liestal.

«Ich werde im kommenden Jahr pensioniert. Ich hätte zwar noch ein letztes Mal zur Wiederwahl antreten können, mache aber lieber Platz für jemand Jüngeres.» Mit dem vorzeitigen Rücktritt ermöglicht es Blatter seinem Nachfolger Martin Glatz aus Aesch, sich in den Landratsbetrieb einzuarbeiten und bei den Gesamterneuerungswahlen im Frühling 2027 als Bisheriger anzutreten.

Für Blatter galt stets das Motto «ganz oder gar nicht». Nach zwölf Jahren habe sich eine gewisse Amtsmüdigkeit eingeschlichen, da sich vieles im Ratsbetrieb mehrfach wiederhole. Mit insgesamt rund hundert Vorstössen gehörte Blatter stets zu den aktivsten Landratsmitgliedern. Der Aescher gibt auch seine Ämter als Vorstandsmitglied der Baselbieter Wirtschaftskammer und des Hauseigentümerverbands Baselland sowie sein Mandat als Verwaltungsrat bei der Bürgschaftsgenossenschaft beider Basel ab. Pro Jahr habe er zusätzlich zur eigenen Firma rund 700 Stunden Arbeit in die Politik investiert, rechnet Blatter vor.

Gescheiterte Ambitionen für den Gemeinderat oder Regierungsrat

Der komplette Rückzug aus der Politik und den damit verbundenen Mandaten bedeute aber nicht, dass sein Interesse an der Politik abnehmen werde, versichert Blatter. «Ich werde mich weiterhin zu Wort melden, vor allem zu Themen hier in Aesch und der Umgebung.» Seine berufliche Tätigkeit als Vermittler von Führungskräften und Spezialisten – bekannt unter dem Begriff «Headhunter» – wird er weiterführen.

Neben seiner Arbeit in der Baselbieter Legislative reizte Blatter auch ein Amt in einer Exekutive. 2025 kandidierte er parteiintern für die Nachfolge von Regierungsrätin Monica Gschwind (FDP). 2020 signalisierte er in der FDP-Ortspartei sein Interesse für das Amt als Aescher Gemeinderat. Beide Male entschied sich die Partei für andere Kandidierende. Frust verspürt Blatter deswegen nicht. Als Landrat verfüge man sowieso über mehr Gestaltungsspielraum als in einer Exekutive, sagt er.

Demokrat durch und durch

Wenn es darum ging, seine Interessen und Forderungen durchzusetzen, konnte Blatter auch mal hartnäckig – Kritiker würden sagen bisweilen auch stur – sein. Er stand stets zu seiner Meinung und Haltung, egal was andere sagten. Mit seinen Vorstössen eckte Blatter im linken Lager wiederholt an. So forderte er beispielsweise die Wiedereinführung einer Steuer für Velofahrerinnen und Velofahrer oder eine Pflicht zum Abstimmen und Wählen, wie sie der Kanton Schaffhausen kennt. Wer dieser Pflicht nicht nachkomme, solle gebüsst werden, forderte Blatter. Die politische Partizipation hat für den 64‑Jährigen einen grossen Stellenwert. «Ich bin viel gereist und war in Ländern, in denen man als Bürger nicht mitbestimmen kann. Wenn wir schon die Möglichkeit haben, uns demokratisch zu äussern, sollten wir das auch wahrnehmen.» Blatter sieht die demokratische Partizipation als «moralische Verpflichtung».

Als seine wichtigsten politischen Erfolge nennt Blatter unter anderem die Einführung eines Recyclingsystems zur Reduktion von knappem Deponieraum und die Prüfung möglicher Geothermiestandorte im Baselbiet.

Zuletzt weibelte Blatter vor allem für die Birsquerung Variante Mitte. Während die Gemeinderäte von Aesch und Dornach die Variante Süd bevorzugten, sei er als Ingenieur und Ökonom überzeugt, dass es nur die Variante Mitte geben könne. Beim Treffen vor Ort an der Birs ist Rolf Blatter anzumerken, welch grosse Bedeutung das Thema für ihn hat. Auch ohne politisches Mandat werde er sich für diese Sache einsetzen. So auch für den Muggenbergtunnel, eines der Projekte aus der Korridorstudie N18 des Bundes.

Eine zweite Karriere als Schriftsteller?

Die durch den politischen Rückzug und die Abgabe der Mandate zusätzlich gewonnene Freizeit weiss Blatter bestens zu nutzen. «Mehr Reisen, mehr Ausfahrten mit dem Motorrad und mehr Golf spielen.» Als langjähriges Mitglied des Akkordeon Orchesters Aesch kokettiert Blatter zudem mit der Idee, eigene Noten für Begleitstimmen zu bereits bestehenden Stücken zu schreiben. Auch beim eigenen Klavierspiel sieht er wie beim Golf noch Potenzial für Verbesserungen. «Mir wird sicher nicht langweilig», versichert der abtretende FDP-Landrat lächelnd. Er könne sich sogar vorstellen, einen Roman oder Thriller zu schreiben. Dazu freue er sich auf mehr Zeit mit seiner Familie. Und für einen Schwatz über Politik und andere Themen wird er auch ohne politisches Amt stets zu haben sein.

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