Ein Badi-Jahr der Rekorde

Das kühle Nass war in diesem heissen Sommer besonders beliebt: Besucherrekorde, aber auch viel Chemie und Frischwasser prägten die Badi-Zahlen in diesem Jahr.

Volle Gartenbäder: Hohe Temperaturen und Special Events wie hier die Wasserolympiade zogen Tausende Menschen in die Badis der Region. Foto: Fabian Schwarzenbach
Volle Gartenbäder: Hohe Temperaturen und Special Events wie hier die Wasserolympiade zogen Tausende Menschen in die Badis der Region. Foto: Fabian Schwarzenbach

Die nackten Zahlen zeigen einen Rekordsommer: Waren letztes Jahr noch rund 67000 Besuchende im Arlesheimer Schwimmbad ins Badekleid geschlüpft, waren es in diesem Jahr rund 98200 Personen. Mit 3000 Personen an mehreren Spitzentagen kamen Betriebsleiter Mario Henz und sein Team an eine Grenze.

Gar 4249 Personen zählte das Gartenbad Aesch an einem Tag, nämlich am 21. Juni. Mit der Gesamtzahl von 125572 Eintritten schreibt Aesch das zweitbeste Jahr seit 1971. Zum Vergleich: Im Vorjahr verzeichnete Aesch 85565 Eintritte. Das Gartenbad Reinach beziffert die Gästezahl mit 98432 ebenfalls sehr hoch, denn in durchschnittlichen Jahren seien rund 80000 Gäste die Regel. Auch die Glungge, das Dornacher Gartenbad, verzeichnete 19 Prozent mehr Badewillige als 2025. Alleine bei den Öffnungstagen zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Letztes Jahr war die Glungge an 22 Saisontagen komplett geschlossen, 2026 nur an 13 Tagen. Somit gab es in Dornach neun zusätzliche Tage Badespass.

Bitte duschen!

Eine Herausforderung war in diesem Jahr die Wasserqualität: «Durch die hohen Temperaturen und die vielen Menschen im Wasser musste die Wasserqualität besonders aufmerksam kontrolliert werden», erklärt Tobias Lerf, Leiter des Gartenbades Aesch, und ergänzt: «Der Wasserverbrauch lag deshalb deutlich höher als in normalen Jahren, entsprechend wurde mehr Chemie benötigt.»

Eine Nacht der Regeneration reiche nicht. Einerseits verflüchtige sich das Chlor bei diesen Temperaturen an der Sonne sehr schnell, andererseits sorge die hohe Anzahl an Schwimmwilligen für eine Belastung der Wassersauberkeit. «Ein Drittel der Verschmutzung wäre vermeidbar, wenn alle vor dem Gang ins Wasser duschen würden», ist der Arlesheimer Betriebsleiter Henz überzeugt. «Einige steigen mit ihrer Unterwäsche unter der Badehose ins Becken, was die Wasserqualität ebenfalls mindert.» Eine entsprechende Kampagne habe in Arlesheim aber zur Besserung beigetragen.

Doch auch etwas anderes spielte noch hinein: Die Lieferanten der Chlor-Bestandteile Javel und Schwefelsäure hatten Lieferengpässe. «Die Nachfrage war riesig», bestätigt Henz. Grössere Mengen zu lagern, würde nichts bringen, da Javel frisch sein muss und nicht zu lange herumstehen darf. Zudem muss es kühl aufbewahrt werden.

Hoher Wasserverbrauch – Versorgung war gewährleistet

«Der Wasserverbrauch eines Gartenbades ist sehr hoch», sagt auch Frédéric Haller, Leiter Städtebau, Bauten und Sport der Gemeinde Reinach. So seien die Bäder verpflichtet, pro Person, die das Bad betritt, eine Gewisse Menge Frischwasser in die Becken zu geben. «Wir waren in regelmässigem Kontakt mit dem Wasserwerk, um sicherzustellen, dass nicht zu viel Wasser bezogen wurde. Aufgrund der guten regionalen Versorgung musste die Wasserentnahme zu keiner Zeit reduziert werden», erklärt Haller.

Die Trockenheit machte sich überall noch zusätzlich bemerkbar: Sie zeigte sich insbesondere auf den Rasenflächen neben den Becken. «Aufgrund des grossen und wertvollen Baumbestandes wurde im Bereich von Bäumen durchgehend bewässert, so dass das Ausmass der Schäden überschaubar blieb», erklärt der Reinacher Verantwortliche.

Höhepunkte sind für die verschiedenen Badis schnell gefunden: «Stammgäste, die praktisch jeden Tag anzutreffen waren, oder Kinder, die trotz blauer Lippen nur widerwillig aus dem Wasser wollten», wie Lerf berichtet und resümiert: «Unter dem Strich war es eine abwechslungsreiche und intensive Saison.» Alle Bäder listen spezielle Anlässe auf. So die Wasserolympiade, die in mehreren Badis stattfand (das Wochenblatt berichtete), Livekonzerte, Vollmondschwimmen oder zum Abschluss im Gartenbad Arlesheim das Hundeschwimmen mit rund 100 Vierbeinern. Sprungwettbewerbe standen bei Jugendlichen auf der Liste sehr weit oben.

Mehr Geduld und Rücksicht wären wünschnswert

Einige Besuchende seien aufgrund der Hitze auch etwas angespannter gewesen. Probleme gab es aber keine, von ein paar Pflastern einmal abgesehen: «Wir beobachten bei grosser Hitze eher ungeduldigeres Verhalten bei unseren Gästen. Oftmals fehlt das Verständnis, dass ein Gartenbad und das Personal nicht auf durchgehend 35 Grad ausgelegt sind und manchmal mehr Geduld gefordert ist», erklärt Haller und fügt an: «Die Hitze führt zu einer deutlich höheren körperlichen Belastung für unsere Mitarbeitenden, welche diese Saison sicherlich mehr gelitten haben.» Er verweist aber auch auf sehr viele positive Rückmeldungen. «Mir ist vor allem der Moment in Erinnerung, als wir die Rutsche wieder in Betrieb nehmen konnten. Die Freude bei den jüngeren Gästen war riesig und die Treppe hoch war gefühlt innert Sekunden gefüllt mit Jugendlichen und Kindern.»

Weniger Freude hatte er am technischen Zwischenfall kurz nach der Saisoneröffnung: «Der grösste Tiefpunkt war sicherlich der technische Ausfall aufgrund eines Wasserschadens und die damit verbundene Schliessung des Gartenbades.» Knapp zwei Wochen konnte nicht gebadet werden. Glücklicherweise, so kann rückwirkend festgehalten werden, war das Wetter während dieser zwei Wochen im Vergleich zum restlichen Sommer doch eher schlecht.

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