Bereit für Bundesbern
Ende April rückt dieMünchensteiner SP-Landrätin Miriam Locher für den abtretenden Eric Nussbaumer in den Nationalrat nach. Vorfreude und Respekt sind gleichermassen gross.

Bei den eidgenössischen Wahlen für den National- und den Ständerat war es im Herbst 2023 Miriam Lochers Ziel, auf der Nationalratsliste der SP erneut den dritten Platz hinter den Bisherigen Eric Nussbaumer und Samira Marti zu belegen. Damit war der Weg der mittlerweile 43-Jährigen nach Bundesbern geebnet, da allseits damit gerechnet wurde, dass Nussbaumer während der Legislatur zurücktreten werde. Vergangene Woche gab der Liestaler bekannt, dass er auf Ende April aus dem eidgenössischen Parlament ausscheiden wird. Damit rückt die Münchensteinerin in den Nationalrat nach.
Am 27. April beginnt für Locher mit dem Gelübde auf die Bundesverfassung im Rahmen der angesetzten Sondersession ein neuer Abschnitt in ihrer schon heute umfassenden politischen Laufbahn. Die Vorfreude auf das Amt und der Respekt davor seien gleichermassen gross, betont die ehemalige Präsidentin der Baselbieter SP. Am vergangenen Freitag tauschte sich Locher mit Samira Marti aus, um die ersten Schritte in Bundesbern zu besprechen. Die Baselbieterin leitet die SP-Fraktion im Nationalrat im Co-Präsidium. Bei ihr laufen die Fäden der SP in der grossen Kammer zusammen. «Natürlich hilft es, dass wir uns seit Jahren kennen», sagt Locher. Marti habe ihr die Abläufe erklärt und sie auf ihre Aufgaben in der ersten Amtswoche hingewiesen. «Für mich werden die persönlichen Kontakte, das Kennenlernen von Personen, zu Beginn entscheidend sein», ist die designierte Nationalrätin überzeugt.
Partei- und Sprachgrenzen überwinden
Ein umfassendes Netzwerk ist in Bundesbern die halbe Miete. Dazu gehören selbstverständlich Kenntnisse über die politischen Geschäfte. Um stets auf dem Laufenden zu sein, hat Locher die eidgenössische Politik seit den Wahlen 2023 noch intensiver verfolgt, bestehende Kontakte aus ihrer Zeit als Parteipräsidentin aufgefrischt und intensiviert und neue Kontakte geknüpft. «Mir war wichtig, präsent zu sein, Anlässe zu besuchen und mich zu gewissen Themen mit Personen aus anderen Kantonen auszutauschen.» Auch ihr Französisch habe sie in der Zwischenzeit aufgefrischt, um nicht nur Parteigrenzen, sondern auch Sprachgrenzen mit möglichst wenig Mühe überwinden zu können.
Früh Akzente setzen
Für die Arbeit im Nationalrat kommt Locher wie schon im Landrat ihre kommunikative und offene Art entgegen. Damit habe sie schon mehrere Vorstösse mit Hilfe von Landratsmitgliedern aus anderen Parteien durchgebracht, erinnert Locher. In welcher Kommission sie Einsitz nehmen wird, entscheidet sich Mitte März. Damit entscheidet sich auch ihr politischer Fokus. «Ich werde mich in jedes Thema hineindenken und einarbeiten können. Ich bin offen für vieles. Das muss man auch, wenn man ein solches Amt antreten möchte.» Grundsätzlich alles, was die Lebensqualität der Menschen unabhängig von ihrer Herkunft verbessert, läge ihr auch als Nationalrätin am Herzen.
Locher hat sich vorgenommen, bereits in der einwöchigen Sondersession das Wort am Rednerpult zu ergreifen, wenn es das Thema und der Moment hergeben. «Ich bin nicht einfach nur dort, um zu beobachten. Ich habe von den Wählerinnen und Wählern die Aufgabe erhalten, mich für meine Themen und Anliegen einzusetzen und dafür Verantwortung zu übernehmen.»
Als neue Nationalrätin wird es für Locher von Beginn an wichtig sein, sich Gehör zu verschaffen. Bereits im Herbst 2027 muss sich die Münchensteinerin bei den Gesamterneuerungswahlen der Wiederwahl stellen. Der Bisherigen-Bonus alleine reicht dafür nicht aus. In den verbleibenden eineinhalb Jahren der Legislatur 2023 bis 2027 braucht Locher auch Publizität, um sich als Nationalrätin einen Namen zu machen und sich in Bundesbern zu etablieren. Aufgrund der Kürze der Zeit ein herausforderndes Unterfangen. Doch Locher ist bereit, auch dieses Amt mit Elan und Engagement auszufüllen.
Kleine lokale Themen und grosse nationale Brocken
Trotz des zeitintensiven Amts, das neben den Sessionen vor allem viel Kommissionsarbeit und Aktenstudium bedingt, möchte Locher ihren Beruf als Kindergärtnerin in Aesch und ihre Aufgabe in der Münchensteiner Gemeindekommission weiterführen. «Mir ist es ein Anliegen, zu spüren, was die Menschen im Alltag bewegt, was in meiner Heimatgemeinde und im Kanton läuft und was die Leute politisch beschäftigt.» Im Nationalrat geht es um die grossen Themen – das Verhältnis zur EU, Geld für die Armee oder den Ausbau der Verkehrsachsen, um drei Beispiele zu nennen. Dabei will sich Locher in Bundesbern für die Anliegen der Region Basel, des Kantons Baselland und natürlich auch des Birstals als klassischer Agglomerationsregion einsetzen.
Erstnachrückender für Locher für den Landrat ist auf der Liste der SP Michael Honegger aus Arlesheim.


