Beitrag gegen die Winterstromlücke

Der Kanton Baselland sucht Betreiber für sechs neue Kleinwasserkraftwerke an der Birs und der Ergolz. Die trockenen Sommer hätten nur bedingt negativen Einfluss auf deren Stromproduktion, sagen der Kanton und ein Interessent.

Chueweid: Hier könnte ein Kleinwasserkraftwerk entstehen. Foto: Tobias Gfeller
Chueweid: Hier könnte ein Kleinwasserkraftwerk entstehen. Foto: Tobias Gfeller

Rund 67 Prozent des im Baselbiet produzierten Stroms stammen aus der Wasserkraft. Da nur knapp ein Viertel des Baselbieter Strombedarfs durch kantonsinterne Produktion gedeckt wird, produzieren die Wasserkraftwerke im Kanton somit knapp 16 Prozent des gesamten Strombedarfs. Diese Statistik stammt von der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) des Kantons Baselland.

Zwei grosse Flusskraftwerke befinden sich am Rhein in Augst und Birsfelden. Zudem gibt es entlang der Birs acht Stauhaltungen, die für den Betrieb von Kleinwasserkraftwerken genutzt werden. Geht es nach dem Baselbieter Regierungsrat und dem Landrat, soll das Portfolio um gleich sechs neue Kleinwasserkraftwerke ergänzt werden. An der Birs soll in Aesch auf Höhe Chueweid das Wehr Metallwerke, in Duggingen Liebmatt das Häuslerwehr und in Zwingen bei der Brücke Hinterfeldstrasse das Kraftwerk Grossmatt entstehen. Dazu kommen drei Standorte an der Ergolz in Pratteln, Füllinsdorf und Liestal.

Insgesamt sieben Unternehmen haben grundsätzliches Interesse am Betrieb eines dieser Kraftwerke angemeldet. Dazu gehört die Energiegenossenschaft ADEV mit Sitz in Liestal. Diese bekundet gleich für alle sechs Standorte Interesse, wobei die Birs aufgrund ihrer Grösse deutlich attraktiver sei als die Ergolz, sagt Geschäftsführer Thomas Tribelhorn, bekannt auch als Präsident der Baselbieter Grünliberalen. ADEV betreibt unter anderem das Kleinwasserkraftwerk Juramill in Laufen und sechs Kraftwerke an der Emme in der Innerschweiz.

Strompotenzial für rund tausend Haushalte

Gemäss einer durch den Kanton Baselland in Auftrag gegebenen Studie weist der Standort Aesch ein vorsichtig abgeschätztes Leistungspotenzial von 435 Kilowatt und eine erwartete Jahresproduktion von 2,43 Gigawattstunden Strom auf. Das Kraftwerk in Duggingen hätte gemäss vorsichtigen Berechnungen ein Leistungspotenzial von 365 Kilowatt und eine erwartete Jahresproduktion von 2,04 Gigawattstunden Strom.

Addiert könnten die beiden Standorte in Aesch und Duggingen in der Theorie Strom für rund tausend Haushalte produzieren. «Diese Werte sind allerdings Potenzialwerte und keine Prognosen für die tatsächlich erzielbare Produktion. Die Studie weist ausdrücklich darauf hin, dass die Nutzungseignung keine Aussage über die Wirtschaftlichkeit oder die spätere Bewilligungsfähigkeit eines konkreten Projekts macht», räumt BUD-Mediensprecher Simon Rüttimann gegenüber dem Wochenblatt ein. Auch rechnet die Studie aufgrund des Klimawandels mit einer langfristig geringeren Wassermenge.

Rücksicht auf den Lachs und die Äsche

Die trockenen und heissen Sommer haben auf die Kleinwasserkraftwerke nur bedingt einen negativen Einfluss. Ziel sei primär die Stromproduktion im Winterhalbjahr zur Reduktion der Winterstromlücke. «Jede Stromproduktion bringt einen Mehrwert», sagt Tribelhorn. «Die lokale Stromproduktion senkt die Abhängigkeit vom Ausland.» Tribelhorn sieht den Wert der Birs für die Stromproduktion auch deshalb, da der Fluss wenig von Schmelzwasser abhängig ist.

«In der Summe gibt es nicht weniger Niederschläge. Sie kommen aber seltener, dafür dann stärker. Nach Starkregenereignissen bleibt die Wassermenge in der Birs länger als in anderen Flüssen hoch», so Tribelhorn. Die geringeren Schwankungen der Wassermenge mache die Birs attraktiv für Kleinwasserkraftwerke, analysiert er. Der ADEV-Geschäftsführer rechnet mit Kosten von 5 bis 7 Millionen Franken pro Kraftwerk. «Es handelt sich um substanzielle Investitionen, die sich in 30 bis 40 Jahren amortisieren müssen.»

Der Energiegenossenschaft ADEV sei es wichtig, solche Kraftwerke gemeinsam mit der Fischerei und den Natur- und Umweltschutzverbänden zu planen, stellt Tribelhorn klar. «Mittels Fischtreppen können Kraftwerke den Fischen sogar helfen, bestehende Fallhöhen wie in Aesch und Duggingen zu überwinden.» Die Potenzialstudie des Kantons empfiehlt beim Standort Aesch, ein Kraftwerk mit besonderer Rücksicht auf die Schutzinteressen von Lachs und Äsche sowie deren Wanderung zu entwickeln.

Erst mit Vorbehalt genehmigt

Der Bund hat die Standorte an der Birs aufgrund der Konflikte mit den Lebensräumen gefährdeter Fischarten erst mit einem Vorbehalt genehmigt. Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) habe eine Lösung zugunsten der Wasserkraftnutzung in Aussicht gestellt, wenn der Kanton Baselland bei einem konkreten Projekt aufzeigen kann, dass dieses die entsprechenden Rahmenbedingungen einhält, erklärt Rüttimann.

Zurzeit ist der Kanton dabei, die Ausschreibung der zweiten Stufe für die Publikation der Kraftwerke vorzubereiten. In der zweiten Stufe müssen die Interessenten konkrete Projektskizzen einreichen. Der jeweilige Sieger wird das Bauprojekt ausarbeiten.

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