Ein Stück Emanzipationsgeschichte

Die Theatercompany lädt zur Uraufführung ihres Stücks «Der Seidenstreik» ins Setzwerk ein. Regisseurin Andrea Pfaehler verrät, weshalb sie die Geschichte der streikenden Arbeiterinnen erlebbar machen will und was das Publikum bei der Uraufführung erwartet.

Laientheater: 22 Schauspielerinnen und Schauspieler aus Arlesheim und der Region führen «Seidenstreik» im Setzwerk auf. Fotos: Désirée Bellwald

Laientheater: 22 Schauspielerinnen und Schauspieler aus Arlesheim und der Region führen «Seidenstreik» im Setzwerk auf. Fotos: Désirée Bellwald

Verantwortlich: die Regisseurin der Theatercompany, Andrea Pfaehler.

Verantwortlich: die Regisseurin der Theatercompany, Andrea Pfaehler.

Es ist ein Kapitel Arlesheimer Geschichte, das weit über die Gemeinde hinausstrahlt: Vom 4. Juni bis zum 23. Juli 1945 legten rund 400 Arbeiterinnen der Industriegesellschaft für Schappe in Arlesheim ihre Arbeit nieder. Ihr Protest richtete sich gegen die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern. Der Streik führte schliesslich zu einem Gesamtarbeitsvertrag, höheren Löhnen und mehr Ferien. Darüber hinaus entfaltete er eine Signalwirkung: Unterstützt durch Sammelaktionen in der übrigen Schweiz, trug er zu einer Streikwelle in den Folgejahren bei. Nun greift die Theatercompany die Geschichte des Streiks auf und bringt sie auf die Bühne.

Die Geschichte erlebbar machen

«Ich finde es unglaublich, dass Arlesheim eine solche Rolle in der Emanzipationsgeschichte der Schweiz zukommt», sagt die Regisseurin Andrea Pfaehler. Generell blicke Arlesheim auf eine sehr reichhaltige Geschichte zurück, die vielen bislang noch zu wenig bekannt sei. Deshalb will die Schauspielerin sie aus den Büchern holen und erlebbar machen.

Eine wichtige Grundlage dafür lieferte die Recherchearbeit von Patrick Tschan. Er durchforstete das Staatsarchiv und stellte die historischen Fakten zusammen, auf denen das Stück aufbaut. Dennoch versteht sich «Der Seidenstreik» nicht als reine Geschichtsdokumentation. Historische Tatsachen und dichterische Freiheit gehen ineinander über. Eine abschliessende historische Bewertung sei nicht das Ziel, betont Pfaehler: «Aus heutiger Sicht ist es leicht zu urteilen, aber wer weiss von sich selbst schon, wie er oder sie zu anderer Zeit gehandelt hätte?» Statt Urteile zu fällen, wolle die Theatercompany ein Stück Arlesheimer Geschichte aufgreifen und für das Publikum sinnlich erfahrbar machen.

«Wir sind nicht alles Rampensäue»

Aufgeführt wird das Stück von insgesamt 22 Laienschauspielerinnen und -schauspielern aus Arlesheim und der Region. Die Truppe sei sowohl alterstechnisch als auch hinsichtlich der Bühnenerfahrung bunt durchmischt: Die jüngsten Teilnehmenden seien 15, die ältesten 75 Jahre alt. Diese Mischung habe die gemeinsame Arbeit zwar nicht immer einfach gemacht, sei aber extrem wertvoll gewesen, erzählt Pfaehler. Schliesslich treffen unterschiedliche Generationen und Erfahrungen aufeinander, die voneinander lernen können.

Worauf sich das Publikum besonders freuen darf? Es werde Menschen auf der Bühne erleben, die dort sonst nicht zu sehen seien. «Viele der Teilnehmenden sind eigentlich eher zurückhaltende Persönlichkeiten. Wir sind nicht alles Rampensäue, und genau das bewundere ich an unserem Ensemble ganz besonders», sagt Pfaehler.

Breite Unterstützung und ein Blick in die Zukunft

Damit die Aufführung zustande kommt, braucht es nicht nur Spielfreude, sondern auch Unterstützung hinter den Kulissen. Pfaehler zeigt sich dankbar für das Engagement der Gemeinde, der Sponsoren sowie zahlreicher Persönlichkeiten aus dem Ensemble und dessen Umfeld. Viele würden sich ehrenamtlich und mit grosser Leidenschaft für das Projekt einsetzen.

Gleichzeitig richtet die Theaterpädagogin ihren Blick auch bereits in die Zukunft: Sie hofft, dass auch einige der diesjährigen Teilnehmenden dem Theater treu bleiben. Für das nächste Stück möchte sie insbesondere mehr Zeit für die Vorbereitung einplanen. Der nächste Kurs beginnt deshalb bereits im Januar 2027. Das Interesse scheint vorhanden zu sein: Für den diesjährigen Kurs gingen so viele Anmeldungen ein, dass nicht alle berücksichtigt werden konnten. Zehn Personen stehen bereits auf der Warteliste, weiss Pfaehler zu berichten.

Zunächst richtet sich der Blick jedoch auf die bevorstehende Premiere. Rund 200 Besucherinnen und Besucher erwartet Pfaehler am Sonntag. «Wir sind alle schon aufgeregt», erklärt die Regisseurin. Die Vorfreude steht ihr jedoch ebenso ins Gesicht geschrieben.

«Der Seidenstreik» wird am Sonntag, 18. Oktober, um 17.30 Uhr im Setzwerk in Arlesheim uraufgeführt. Weitere Aufführungen finden am 24. und 25. Oktober statt. Tickets sind über Eventfrog und an der Abendkasse erhältlich.

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