Für Geselligkeit und Traditionen
Die Aescher Zunft zu Wein- und Herbergsleuten feiert heute Donnerstag ihr 50‑jähriges Bestehen. Am Samstag folgt ein grosses Fest mit einem Umzug für die Bevölkerung.

Meister Bruno Theiler und Zeremonienmeister Rolf Blatter schwelgen beim zunfteigenen Rebhaus in der Klus in Erinnerungen. Dabei darf ein Schluck des eigenen Zunftweins nicht fehlen. Theiler und Blatter stossen auf 50 Jahre Zunft zu Wein- und Herbergsleuten an.
Am Tag des Heiligen Josef, dem 19. März 1976, trafen sich im Rittersaal im Schloss – dem heutigen Sitzungszimmer des Gemeinderats – fünf Aescher Bürger und gründeten die Zunft zu Wein- und Herbergsleuten. Erich Strahm war der erste Zunftmeister. Der Bezug zum Wein ist in Aesch offensichtlich. Seit 1982 besitzt die Zunft Rebstöcke in der Klus. Doch weshalb der Zusatz zu Herbergsleuten? Bruno Theiler erklärt: «Gemäss Überlieferungen stand vor dem Bau des von Blarer Schlosses im 16. Jahrhundert dort eine Herberge, die Übernachtungsmöglichkeiten anbot.»
Zunftspiel und 30 Banner führen Umzug an
Exakt 50 Jahre nach der Gründung feiern die Zunftbrüder mit ihren Partnerinnen das Jubiläum mit einem internen Anlass im Gasthof Mühle. Am kommenden Samstag feiert die Zunft mit 150 geladenen Gästen von Zünften aus Stadt und Land sowie mit Vertreterinnen und Vertretern von Gemeinden, Kirche und Kanton in der Mehrzweckhalle Löhrenacker. Unter anderem hat sich Regierungspräsident Anton Lauber (Die Mitte) als Gast angekündigt.
Nach einem Apéro im katholischen Pfarreiheim folgen in der nahegelegenen Kirche eine festliche Bannerweihe und erste Ansprachen – umrahmt von feierlichen Klängen der Kirchenorgel und heimatlichen Alphörnern. Anschliessend zieht die Zunft mit den geladenen Gästen im Rahmen eines Festumzugs zum Löhrenacker. Vom Pfarreiheim führt der Umzug durch den Krebsenbachweg, die Gartenstrasse, die Steinackerstrasse, den Herrenweg, den Steinweg und die Landskronstrasse zum Löhrenacker, wo ein umfassender Festakt mit Speis, Trank und Unterhaltung wartet. Angeführt wird der Zug vom Zunftspiel der Basler Zunft zu Brotbecken. Dahinter reihen sich 30 Banner ein. Theiler und Blatter hoffen auf möglichst viel Publikum am Strassenrand.
Eine von fünf Talzünften
Die Zunft zu Wein- und Herbergsleuten ist eine von insgesamt fünf Talzünften in der Region Basel. Bis auf die Zunft zum Stab in Liestal stammen alle Talzünfte aus dem Birseck: Die Zunft zu Rebmessern aus Reinach, die Säulizunft aus Arlesheim und die Magdalenen-Zunft aus Dornach. In Reinach gibt es zusätzlich die Buurezunft und die Franz Lucas Landerer-Zunft. Alle fünf Talzünfte sind ungefähr Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden und haben historisch gesehen nichts mit den Berufszünften und Ehrengesellschaften aus dem Mittelalter in der Stadt zu tun.
Die Aescher Zunft zu Wein- und Herbergsleuten hat insgesamt 62 Mitglieder, wovon acht Mitglieder aus Altersgründen oder aufgrund körperlicher Gebrechen nicht mehr zum aktiven Stamm gehören. Gemäss Statuten dürfen es nicht mehr als 60 Aktivmitglieder sein. Aufgrund einer Warteliste schlug Theiler zu Beginn seiner Amtszeit als Meister vor zehn Jahren die Erhöhung der Maximalzahl an Mitgliedern von 50 auf 60 vor. Eine Warteliste gebe es heute nicht mehr, doch die Nachfrage nach einer Mitgliedschaft bei der Zunft sei ungebrochen stabil, sagt Blatter. «Auch Junge wollen zur Zunft», sagt der Zeremonienmeister auf die Frage, ob eine Zunft nur etwas für ältere Herren sei. «Wir haben mehrere Mitglieder unter 40 und 50 Jahren», so Blatter.
Engagement für die Bevölkerung
Mitglied werden können nur Aescher Bürger, eingebürgerte Aescher, die ihren Wohnsitz seit mindestens 15 Jahren in Aesch haben, und Schweizer Bürger, deren Familiengeschlecht seit mindestens 25 Jahren in Aesch ansässig ist. Und natürlich nur Männer. Sämtliche Mitglieder müssen sich für die Zunft engagieren. Es reiche nicht, es nur lustig haben zu wollen, mahnen Theiler und Blatter. Für Meister Theiler ist das Pflegen und Weitergeben von Traditionen innerhalb der Zunft elementar. Zeremonienmeister Blatter nennt die Geselligkeit als ein Kernelement des Zunftlebens. «Das sehe ich natürlich auch so», lacht Theiler. Neben internen Anlässen beteiligt sich die Zunft zu Wein- und Herbergsleuten an öffentlichen Veranstaltungen und leistet so einen Beitrag an die Lebensqualität in Aesch. Vor dem Palmsonntag schneiden und binden Zunftbrüder Palmen, bestücken und betreiben am Banntag den Kletterbaum, organisieren die 1.‑August-Feier und engagieren sich gemeinnützig für die Kinderfasnacht und den Rebenlichter- und Laternenumzug.
Für das Engagement erhalte man auch einiges zurück, bekräftigt Theiler. «Neben dem sozialen Zusammensein mit Freundschaften garantiert eine Mitgliedschaft in einer Zunft ein Netzwerk, von dem man auch beruflich und politisch profitieren kann.» Theiler als ehemaliger Gemeinderat und Blatter als aktueller Landrat sind die besten Beispiele dafür. Nach dem Jubiläumsjahr werden beide ihre Ämter bei der Zunft abgeben und Jüngeren Platz machen. Neuer Meister wird Lukas Ritschard.


