«Wir sind nicht heikel — aber bei den Plaketten schon»
Seit fast 20 Jahren entstehen im Hause Hübscher-Pflugi immer zur gleichen Zeit im Jahr kleine Kunstwerke: Manuela Pflugi und ihre Tochter Thea Hübscher bemalen die Laufner Fasnachtsplaketten aus Ton. Noch immer steckt in jeder Plakette dieselbe Liebe zum Detail.

In der Stube von Manuela Pflugi herrscht Ausnahmezustand, wie immer zur Vorfasnachts- und Fasnachtszeit. Dieses Jahr befindet sich diese Stube nicht in Laufen, sondern in Visperterminen. Manuela Pflugi und ihr Mann Roland Hübscher haben ihren Wohnort für ein Jahr ins Wallis verlegt. Aber auch dort wurden Möbel zur Seite gerückt, der Tisch abgedeckt und Farben und Pinsel bereitgestellt.
Seit fast zwanzig Jahren entstehen jedes Jahr zur gleichen Zeit kleine Kunstwerke: die bekannten Laufner Fasnachtsplaketten aus Ton. Rund 120 Stück bemalen Manuela Pflugi und ihre Tochter Thea Hübscher jeweils von Hand — es waren aber auch schon mehr. Die Plakette könnte natürlich auch «blutt» — also unbemalt — getragen werden, mit Farbe sind sie aber etwas Besonderes. Was daraus entsteht, ist nie gleich. Und doch tragen alle denselben Stil, dieselbe Sorgfalt. «Wir sind nicht heikel», sagt Pflugi, «aber bei den Plaketten schon.»
Familienprojekt Fasnacht
Angefangen hat alles, als Thea im Primarschulalter war und sie wie auch ihre ältere Schwester Alena und ihr Bruder Joël aktiv Fasnacht machten. «Wir haben Plaketten bemalt, um die Fasnacht zu finanzieren», sagt Manuela Pflugi. Aktiv in einem Verein war sie selbst nie, dafür immer mittendrin. Die Fasnacht begleitet Manuela Pflugi seit Jugendtagen. Schon als Teenager zog sie mit Freundinnen los und nähte ihre Kostüme selbst — oft aus Reststoffen. «Meine Kostüme kamen nie aus dem Katalog», betont sie. Später verkleidete sie sich mit der ganzen Familie und nähte für die Kinder. Die Fasnacht in Laufen sei dafür ideal gewesen: Man kennt sich, trifft immer jemanden, niemand bleibt allein. «Und die Kinder konnte man im Stedtli schon früh ziehen lassen, ohne Angst haben zu müssen.» Sie sei auch als junge Mutter an die Fasnacht gegangen und weiss dazu auch eine kleine Anekdote zu erzählen: «Wir wohnten damals beim Vorstadtkreisel. Mein Mann stellte jeweils eine Kerze ins Fenster, wenn ich zum Stillen heimkommen musste.» Sie liebe es, sich zu verkleiden und werde auch in ihrem «Walliser Jahr» für die Fasnacht nach Laufen kommen.
Für Thea Hübscher bedeutet die Fasnacht vor allem Freiheit. «Drei Tage aus dem Alltag ausbrechen ist mein Motto», erklärt sie. Schon als Kind lief sie im Vortrab der Birsgugger mit, später musizierte sie in der Kindergugge Stedtlichracher, und seit vielen Jahren spielt sie in der Guggenmusik Agfrässeni Laufen Posaune. Heute — knapp 28-jährig — gehört das Plakettenmalen mit ihrer Mutter Manuela immer noch fix zum Vorfasnachtsprogramm: «Wir vergessen dabei oft die Zeit», sagt sie. Manchmal arbeiten sie an mehreren Plaketten gleichzeitig, wechseln von einer zur anderen. «Malen ist für mich wie Meditation», sagt Pflugi. Details werden angepasst, Farben verfeinert. «Da gibt es schon einen kleinen Ehrgeiz.» Thea sieht es ähnlich: «Ich komme beim Malen in einen kreativen Flow.» Beide haben ihren eigenen Stil: Thea mischt gerne Farben, ihre Mutter bevorzugt klare Töne. Nicht jede Plakette sei gleich anspruchsvoll. Die diesjährige sei etwas einfacher, sagen beide. Sie sei klar geprägt und schön tief. «Ich brauche immer zwei, drei Stück, um reinzukommen», sagt Pflugi. Mit der Erfahrung habe sie sich auch einige Tricks angeeignet: Ist die Farbe etwas wässriger, läuft sie von selbst in die Vertiefungen.
Verkauft werden die bemalten Plaketten für 15 Franken, unbemalt kosten sie zehn Franken. Ihre Plaketten verkaufen Manuela Pflugi und Thea Hübscher unter anderem am Schulumzug der Primarschule Laufen und am Sonntag vor dem Umzug in Laufen. Manche Kundinnen und Kunden fragen auch jedes Jahr gezielt danach. «Wir werden sie immer los», sagt Pflugi. Das sei nicht zuletzt so, weil sie beim Verkaufen durchaus hartnäckig sein könne. «Die Plakette ist schliesslich der Eintritt zur Fasnacht. Es gehört einfach dazu, eine zu tragen.»


