Vom Hineinschnuppern zur Begeisterung

Apparate- und Anlagenbauer sorgen dafür, dass Pläne in die Tat umgesetzt werden. Doch es herrscht Fachkräftemangel, das bekommt auch die Laufentaler Unternehmung Apaco AG zu spüren. Sie sieht der Entwicklung trotzdem zuversichtlich entgegen.

In der Firma Apaco AG: VR Andreas Hänggi, CEO Ruedi Brunner, die Auszubildenden Luisa Plattner und Jonathan Römpp. Foto: Bea Asper

Eigentlich wollte sie Goldschmiedin werden. Nach der Schnupperlehre bei der Laufentaler Unternehmung Apaco AG stand für Schülerin Luisa Plattner dann aber fest, eine Lehre als Anlage- und Apparatebauerin zu absolvieren. «Ich hatte keine Ahnung von Schweisstechniken. Dieses Berufsbild stand nicht auf meinem Wunschzettel. Doch nach dem Hineinschnuppern in die Prozesse und in das Arbeitsklima der Apaco AG hat es mich richtig gepackt», sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Erzeugnisse, die Luisa in der Apaco herstellt, sind riesig, die Anforderungen nicht geringer als bei der Herstellung von filigranem Schmuck. «Beim Anlagen- und Apparatebau ist Feinmotorik gefragt», erzählt Luisa Plattner. Ihre Arbeit umfasst die Fertigung von Einzelteilen sowie den präzisen Zusammenbau. Ihr Werkstoff ist das Metall. In der vierjährigen Lehrzeit eignet sie sich die vielfältigen Trenn-, Umformungs- und Fügungstechniken an. Es braucht ein Flair fürs Handwerk, räumliche Vorstellungskraft, aber auch Feingefühl für die Joystickführung. Einige Arbeitsgänge erfolgen über computergesteuerte Maschinen. In der Apaco AG schneidet eine Fachkraft auf der Grundlage von Konstruktionszeichnungen Bleche zu und bringt sie durch Biegen und Walzen in die gewünschte Form. Die Unternehmung ist in vielen unterschiedlichen Schweissverfahren zertifiziert.

Luisa Plattner ist in Münchenstein in städtischen Verhältnissen aufgewachsen, einen direkten Bezug zum Handwerk hatte sie nicht. «In der Schule merkte ich, dass mir die praktischen Arbeiten im Fach Werken grossen Spass machen. Ich besuchte eine weiterführende Schule, doch dann reifte mein Entschluss, die Berufsmaturität über den Weg der handwerklichen Lehre zu erlangen», führt Luisa Plattner aus. Sie zählt in der Lehre momentan zu den Klassenbesten.

«Es ist selten, dass eine Frau bei uns diese Ausbildung wählt. Und nun zeigt sich sogar, dass Luisa grosses Talent hat», sagt Ruedi Brunner, CEO der Apaco AG. Die Ausbildung hat bei der Unternehmung einen hohen Stellenwert. «Wir bieten in verschiedenen Bereichen Lehrstellen an und fördern die jungen Menschen», betont Brunner. Es sei nicht leicht, Fachkräfte zu finden, zudem brauche es auch spezifische Kenntnisse. «Unsere Unternehmung wendet sehr unterschiedliche Verfahren an, unter anderem das über den Computer gesteuerte Plasma-Schneiden und -Schweissen. Da geht es um Temperaturen von 30000 Grad Celsius.» Die Apaco AG sei in der Lage, die Kundenwünsche von grossen, internationalen Firmen zu erfüllen, zum Beispiel aus Edelmetall die Behälter für komplexe Anlagen der Pharma herzustellen. Im Weiteren ist die Apaco auch bekannt für ihre Spiralrohr-Wärmetauscher und Edelstahlboiler, welche sie für Fernwärmesysteme anfertigt.

«Einen solchen Boiler habe ich bei uns zuhause entdeckt und es erfüllt mich mit Stolz, dass ich nun aktiv an solchen Herstellungsprozessen beteiligt bin», sagt der Auszubildende Jonathan Römpp aus Aesch. Auch er war sich zuerst bei der Suche nach einer Lehrstelle unschlüssig, welchen Beruf er erlernen möchte. Nach der Schnupperwoche bei der Apaco AG hatte er keine Zweifel mehr: «Hier passt einfach alles, hier konnte ich mir den Einstieg in die Berufswelt gut vorstellen, vor allem auch weil die Unternehmung die Unterstützung für die Berufsmaturität gewährt», erklärt Jonathan Römpp. Er befindet sich wie Luisa Plattner im zweiten Ausbildungsjahr. Die Berufsschule besuchen die beiden in Muttenz. Es sei ein Nischen-Beruf geworden, doch mit vielversprechenden Perspektiven. «Wir sind in unserer Klasse weniger als zehn Schüler», gibt Römpp zu bedenken.

Bislang konnte die Apaco AG ihre Lehrstellen im Bereich Anlagen- und Apparatebau sowie Konstrukteure immer gut besetzen. Auch für die Zeit ab Sommer 2024 sei man bereits am Unterzeichnen der Verträge, sagt Brunner. «Nur im Sommer 2023 blieben zwei Lehrstellen unbesetzt», hält Brunner fest. Der Fachkräftemangel gehe auch an der Apaco AG nicht spurlos vorbei, räumt Verwaltungsratspräsident Andreas Hänggi ein. Die entsprechenden Massnahmen seien aber eingeleitet worden. Laut Brunner möchte man den Austausch mit den Schulen verbessern und werde sich noch weiter für Firmenbesuche öffnen. Zudem sei die Apaco AG bereit, noch mehr in die Mitarbeitenden zu investieren. «Wir unterstützen die schulische Weiterbildung und bieten auch intern diverse Möglichkeiten an», sagt Brunner und betont: «Für ein gutes Arbeitsklima zu sorgen, ist bei uns nicht neu. Es war schon immer Teil unserer gelebten Firmenphilosophie, den Mitarbeitenden eine hohe Wertschätzung entgegenzubringen. Das lohnt sich immer, doch in Zeiten eines Fachkräftemangels zahlt es sich besonders aus», sagt Brunner.

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