Stille Rebellion im Klassenzimmer: Ein heilpädagogischer Ratgeber

Was tun, wenn Kinder in der Schule Widerstand leisten? Der Heilpädagoge Martin Fährmann-Hanek, der zurzeit eine Kleinklasse an der Primarschule Laufen unterrichtet, gibt in seinem neuen Ratgeber Tipps, die viel mit Kreativität zu tun haben.

Martin Fährmann-Hanek: Seit Beginn des aktuellen Schuljahrs unterrichtet er eine Kleinklasse an der Primarschule Laufen. Foto: zvg

Der Autor des neuen Ratgebers, Martin Fährmann-Hanek, wurde 1959 in Berlin geboren. Er studierte Schulmusik, machte eine Ausbildung zum Waldorflehrer und absolvierte ein ­Studium der Sonderpädagogik. Seit vielen Jahren ist er als schulischer Heilpädagoge tätig — seit Beginn des aktuellen Schuljahrs unterrichtet er eine Kleinklasse an der Primarschule Laufen.

«Sprudelnde Lebendigkeit» ist unseren Kindern gemäss Fährmann-Hanek angeboren, geht aber in unserer leistungsorientierten Gesellschaft oft schon früh verloren. Spätestens mit der Einschulung bestimmen Kontrolle, Druck, Stress und damit einhergehende Frustrationen vermehrt den Alltag der Kinder. Einigen bleibt als einziges Ventil das Aufbegehren in der Schule. Genau von solchen Eskalationen, die er selbst mit Schülerinnen und Schülern erlebt hat, berichtet Fährmann in seinem im September 2024 erschienenen Ratgeber «Stille Rebellion im Klassenzimmer». Die darin geschilderten Fallbeispiele reichen von Drohungen ausstossenden Kindern bis hin zu solchen, die den Unterricht stören, weil sie mit Rechenschwäche oder Minderwertigkeitsgefühlen zu kämpfen haben. Besonders interessant wird es, wenn der Autor beschreibt, wie es ihm zusammen mit den Kindern gelingt, aus den problematischen Situationen wieder herauszufinden. Den Schlüssel dazu sieht Fährmann in der Kreativität, die sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch zieht und in einem «weiten und umfassenden Sinn» zu verstehen ist: Einerseits ist ­kreatives Denken gefragt, um neue, manchmal sehr überraschende Konfliktlösungen zu finden; andererseits können die Kinder durch kreatives Tun wie zum Beispiel Musizieren oder Malen erreicht werden, sich öffnen und so ihre Probleme besser bewältigen.

Die Kunst der Balance

Im zweiten Teil des Buches weist Fährmann darauf hin, dass es gar nicht erst zu Rebellionen der Kinder käme, wenn deren Grundbedürfnisse in Schule und Familie erfüllt würden. Dies sei aber in mancherlei Hinsicht ein schwieriger ­Balanceakt. Fährmann gibt Tipps, wie wiederum mit viel Kreativität die Kommunikation mit den Kindern verbessert, der Unterricht nachhaltiger und ansprechender gestaltet und das Selbstwertgefühl der Kinder gesteigert werden kann.

Fährmann wagt ausserdem einen Blick in die Zukunft der heutigen Schülerinnen und Schüler. Er betont, dass sich auch die Wirtschaft von den Schulen mehr Kreativität wünscht, denn Kreativität sei die Schlüsselkompetenz der Zukunft, die sich auch durch künstliche Intelligenz nicht ersetzen lasse und daher gefördert werden müsse.

Gerade durch diese zukunftsorientierte Sichtweise unterscheidet sich Fährmanns Publikation von anderen Ratgebern auf dem Gebiet von Schule und Erziehung. Zudem macht die Betonung der Kreativität und deren Chancen das Buch originell und wertvoll. Ein weiterer Pluspunkt des Werkes ist, dass wissenschaftliche Themen wie zum Beispiel im Gehirn ablaufende Prozesse leicht verständlich erklärt werden. Der Ratgeber besticht durch viele praxisnahe Tipps, die Fährmann aus seiner langjährigen Erfahrung als schulischer Heilpädagoge weitergibt.

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