Laufner Notfall bleibt rund um die Uhr offen

Der 24-Stunden-Betrieb des Walk-ins im Laufner Gesundheitszentrum wird sicher bis Ende 2029 beibehalten. Dies hat eine knappe Mehrheit des Landrats entschieden. Das Parlament sendet damit ein Signal der Verlässlichkeit Richtung Laufental, das sich oft benachteiligt fühlt.

Laufen

Spektakuläre Wende in der Kontroverse um die Öffnungszeiten des Notfalls im 2024 eröffneten Laufner Gesundheitszentrum: Anfang Mai schlug die Baselbieter Regierung vor, bereits auf den 1. Juli vom 24-Stunden-Notfall abzurücken und diesen wegen mangelnder Nutzung nachts von 22 bis 8 Uhr zu schliessen. Eine knappe Mehrheit der landrätlichen Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission wollte sogar noch weiter gehen und die Öffnungszeiten abends um zwei zusätzliche Stunden zurückfahren.

Von beidem will nun aber eine knappe Mehrheit des Ratsplenums nichts wissen: Mit 40 zu 35 Stimmen bei einer Enthaltung hiess der Landrat am Donnerstag einen Antrag von Nicole Spiegel-Roth (SVP) gut. Der Walk-in im Laufner Gesundheitszentrum bleibt demnach mindestens bis Ende 2029 rund um die Uhr geöffnet. Das Parlament hat für nicht gedeckte Vorhalteleistungen 4,2 Millionen Franken an Kantonsgeldern gesprochen.

Wie so oft bei regionalpolitischen Fragen verliefen die Fronten quer durch die Parteien: Der SP-Landrat und Gesundheitsökonom Urs Roth, der sich in der VGK für eine Kürzung der Öffnungszeiten stark machte, wurde von seiner Fraktion kaltgestellt: «Die SP ist die Partei des Service public. Dazu gehört auch eine solide Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum», sagte Jan Kirchmayr im Namen der SP-Mehrheit. Umgekehrt sah sich SVP-Landrätin Spiegel-Roth in ihrer Fraktion mit ihrem Antrag, am Status quo festzuhalten, in der Minderheit.

Von den 6000 Patientinnen und Patienten, die 2025 im Walk-in in Laufen behandelt wurden, kamen bloss 620 in der Zeit von 22 bis 8 Uhr. Die ungedeckten Vorhalteleistungen für diese Nachtstunden liegen bei rund 800000 Franken — das macht 1300 Franken pro Patientin und Patient. «Diesen Mehrkosten steht kein erkennbarer Wert gegenüber», argumentierte Gesundheitsdirektor Thomi Jourdan. Zumal bei einer Person mit einem Herzinfarkt oder einem Beinbruch ohnehin das Rettungsfahrzeug gerufen werden muss, wie der Grünliberale Tim Hagmann zu bedenken gab: Der Laufner Walk-in sei kein klassischer Spital-Notfall, lebensbedrohliche Fälle könnten hier nicht behandelt werden. «Umgekehrt ist das Laufental punkto Rettungswagen mittlerweile das am besten versorgte Baselbieter Tal», sagte Hagmann.

Der ökonomischen Sachlogik hielten die Befürworter das Argument staatspolitischer Verlässlichkeit entgegen. Das Laufental kam 1994 mit einem Spital zum Baselbiet. Als der Kanton dieses vor einigen Jahren mit Verweis auf schlechte Zahlen im stationären Bereich schloss, versprach man den Laufentalerinnen und Laufentalern ein modernes Gesundheitszentrum: «Zentaler Bestandteil der Vereinbarung war ein 24-Stunden-Notfall», gab die Dittinger Landrätin und frühere Gemeindepräsidentin Regina Weibel zu bedenken und fügte an: «Können die Laufentaler darauf vertrauen, dass Vereinbarungen Bestand haben?»

Das sahen auch viele Nicht-Laufentaler im Parlament so: «Die Einsparungen stehen nicht im Verhältnis zu den Wunden, die man hier wieder aufreissen würde», sagte SVP-Landrat und Gesundheitsökonom Stefan Meyer. Das Vertrauen der Bevölkerung dürfe nicht weiter erschüttert werden, ansonsten würden — leider — jene recht behalten, die dem Kanton seit längerem Salami-Taktik vorwerfen, gab FDP-Sprecherin Christine Frey zu bedenken.

Die Patientenzahlen im Gesundheitszentrum hätten seit der Eröffnung stark zugenommen, betonte SP-Fraktionschef Adil Koller und stellte an Gesundheitsdirektor Jourdan die Frage: Was hätte denn die Evaluation ergeben müssen, dass der 24-Stunden-Notfall beibehalten werde? Er verstehe alle Laufentalerinnen und Laufentaler, die monieren, die Kürzungen kämen bloss zwei Jahre nach Eröffnung des Zentrums zu schnell.

Vor diesem Hintergrund hiess das Parlament mit grossem Mehr einen Folgeantrag von Urs Kaufmann (SP) gut, wonach bis Ende 2029 eine Evaluation zur Nutzung des Walk-ins in Laufen durchgeführt werden muss. Diese soll als Grundlage für den Entscheid über die weitere Finanzierung dienen.

In einer schriftlichen Stellungnahme zeigt sich der Verein «Bezirksrat Gesundheit» zufrieden über den Entscheid des Baselbieter Landrats: «Für uns ist dieser Entscheid weit mehr als eine Frage von Öffnungszeiten. Er ist ein Signal, dass man mit dem Laufental nicht alles machen kann.» Weiter heisst es in der Stellungnahme, die tiefen Fallzahlen im Gesundheitszentrum seien nicht darauf zurückzuführen, dass kein Bedarf bestehe, sondern darauf, dass das Angebot bereits heute zu unattraktiv sei und ausgebaut werden müsse. Die Laufentalerinnen und Laufentaler würden darum häufig in die Notfallstation nach Dornach ausweichen.

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