Kritik an Gutachten eines ETH-Professors

Kein Verständnis für die Rückstufung des Muggenbergtunnels in einer Studie äusserten mehrere Diskussionsteilnehmende an einem prominent besetzten Podium in Laufen.

Auf dem Podium: Es diskutierten (v.l.) unter der Moderation von Martin Dätwyler Yves-Alain Fleury, Charles Juillard, Sandra Sollberger, Isaac Reber, Roger Schibler und Christian Imark. Foto: Thomas Immoos
Auf dem Podium: Es diskutierten (v.l.) unter der Moderation von Martin Dätwyler Yves-Alain Fleury, Charles Juillard, Sandra Sollberger, Isaac Reber, Roger Schibler und Christian Imark. Foto: Thomas Immoos

Am 4. Mobilitätsforum im Alte Schlacht-huus diskutierten prominente Politikerinnen und Politiker sowie Fachleute über geplante Projekte zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur im Birstal zwischen Angenstein und Delémont. In seinem Begrüssungswort hielt Landrat Martin Dätwyler (FDP, Laufen) fest, dass es nach dem Doppelspurausbau der Bahn Zeit sei, auch auf der Strasse Projekte zu realisieren. Im Mittelpunkt stehe dabei der Engpass Angenstein, wo der Muggenbergtunnel endlich realisiert werden solle. Im Weiteren gehe es um die Zentrumsentlastung von Laufen, die Umfahrung Zwingen-Laufen sowie eine Umfahrung von Delémont. Dätwyler kritisierte eine Studie von ETH-Professor Ulrich Weidmann. Im Auftrag von Bundesrat Albert Rösti hatte dieser 500 Verkehrsprojekte mit einem Investitionsvolumen von 112 Milliarden Franken untersucht. Weidmann unterteilte die Projekte in dringlich und weniger dringlich. So fiel die Umfahrung Muggenberg in der Priorisierung weit nach hinten, also auf die Zeit nach 2025. Auch reduzierte er das Investitionsvolumen auf rund 40 Milliarden Franken.

Strasse wichtigster Verkehrsträger

Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundes-amts für Strassen (Astra) wies in seinen Ausführungen darauf hin, dass im Lau-fental 84 Prozent der Mobilität auf der Strasse erfolgt. Zwar dürfte dieser in den nächsten Jahren etwas zurückgehen. Trotzdem bleibt die Strasse der wichtigste Verkehrsträger. Im Birstal soll es Verbesserungen auch für den Langsamverkehr geben, indem etwa das Radwegnetz ausgebaut wird. «Ich betrachte die Untersuchung von Professor Weidmann skeptisch.» Da der Bundesrat demnächst über mittel- und langfristige Verkehrsprojekte entscheide, sei es wichtig, welche Priorität man ihnen zumesse.

Einigkeit unter den Kantonen

In der Diskussionsrunde waren sich die Politikerinnen und Politiker aus den drei Kantonen Baselland, Jura und Solothurn in dieser Frage weitgehend einig. Und auch die Kantonsingenieure der Kantone Jura und Solothurn stiessen sich an den Schlussfolgerungen von Ulrich Weidmann. Ständerat Charles Juillard (Jura) wandte zwar ein, dass es schwierig sei, ein Gleichgewicht der regionalen Wünsche zu erreichen: «Jeder hat seine Vorstellungen, die Routen zu verbessern.» Regierungsrat Isaac Reber (BL) plädierte für mehr Verlässlichkeit in der Planung. Der jurassische Kantonsingenieur Yves-Alain Fleury wies auf den Zeitdruck hin, unter dem Weidmann seine Studie verfasst habe. Er habe die einzelnen Projekte nicht vertieft anschauen können. Sein Kollege aus dem Kanton Solothurn glaubt, dass Weidmann bei der Rückstufung des Muggenbergtunnels vor allem die Kosten im Blick gehabt haben dürfte: 450 Millionen Franken für 1,5 Kilometer.

Optimistisch zeigte sich Nationalrätin Sandra Sollberger: «Das Gespräch beginnt jetzt. Wir sind jetzt am Zug», damit meinte sie das Komitee N18, das sich für die Verkehrsprojekte durch das Birstal einsetzt. Auch ihr Kollege Christian Imark zeigte sich kämpferisch. Wenn sich die Politiker der Kantone Baselland, Basel-Stadt, Aargau, Solothurn und Jura einig seien, habe man im Parlament gute Chancen, die Projekte wie gewünscht in der Priorität nach oben zu bringen. Dennoch herrschte auf dem Podium Skepsis: Die meisten sehen den Bau des Muggenbergtunnels erst ab 2045. Fleury räumte ein, «dass man nicht alles gleichzeitig machen kann».

Riesenschritt für Pendler

Nach dieser Podiumsrunde, in der weitgehende Einigkeit herrschte, hatten zwei Vertreter des öffentlichen Verkehrs Gelegenheit, sich zu aktuellen Fragen zu äussern. Michael Berchtold, Leiter SBB Region Mitte, erinnerte daran, dass die Bahn auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2025 die grösste Angebotsverbesserung der letzten zwanzig Jahre um-gesetzt habe. «Das war ein Riesenschritt für die Pendlerinnen und Pendler.» Der fünfmonatige Totalunterbruch sei gut bewältigt worden. Neu gibt es zu den Stosszeigen zusätzliche Züge von und nach Laufen. Auch die Bevölkerung habe positiv reagiert.

Michael Schmid, Leiter Postauto der Region, verwies auf die optimierten Verbindungen und das Schliessen von Taktlücken. Die Postauto AG hat in der Region 26 neue Vollzeitstellen geschaffen. Man arbeite weiter daran, das Angebot zu optimieren.

Zum Schluss fasste Dätwyler die Erkenntnisse des Abends zusammen: Wichtig sei ein Realisierungskredit für den Bau des Muggenbergtunnels. Auch gehe es um die Zentrumsentlastung von Laufen. Er räumte ein, dass an diesem Abend der Langsamverkehr zu kurz gekommen sei. Man werde dies am nächsten Forum 2027 nachholen.

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