Handwerkerinnen und Technikerinnen begeistern

Mit Überzeugung, Witz und Selbstbewusstsein schilderten junge Frauen aus handwerklichen und technischen Berufen ihren Alltag und beantworteten Fragen zu Berufswahl und Lohnverhandlungen als Frau in MINT-Berufen.

Auf dem Podium: (v. l.) v. l.) Salome Steiner, Lernende Elektroinstallateurin im 2. Lehrjahr, Michelle Fellmann, gelernte Elektroinstallateurin,  Verena Gebler, HR-Expertin, Lisa Berchten, Moderatorin und Robin Steffen, gelernte Polymechaniker Foto: Photo
Auf dem Podium: (v. l.) Salome Steiner, Lernende Elektroinstallateurin im 2. Lehrjahr, Michelle Fellmann, gelernte Elektroinstallateurin, Verena Gebler, HR-Expertin, Lisa Berchten, Moderatorin und Robin Steffen, gelernte Polymechanikerin. Foto: Photo-Herzmann

Wer bei «MINT» an Kaugummi oder Tee denkt, liegt komplett falsch. Nicht komplett falsch, sondern sehr willkommen war die «IG Girlpower» mit ihrem Infoabend, der sich explizit an Mädchen und ihre Angehörigen richtete. 70 Personen fanden den Weg in den Gemeindesaal in Zwingen, wo zwei Elektroinstallateurinnen und eine Polymechanikerin, alle in den 20ern, davon erzählten, wie sie zu ihren MINT-Berufen fanden. Der Königinnenweg war einhellig das breitgefächerte Schnuppern in verschiedenen Berufen und Betrieben.

Die Offenheit, welche die enthusiastischen Berufsfrauen illustrierten, war schon im Eingangsreferat von der HR-Expertin Verena Gebler thematisiert worden. Sie ist überzeugt, dass der vermehrte Einsatz von KI Berufsprofile verändere, allerdings nicht zum Nachteil der Frauen. Soft Skills wie Empathie, Lösungsorientierung und analytisches Denken, welche vorwiegend Frauen zugeschrieben würden, seien, gepaart mit technischem Wissen, die ideale Kombination, um auch im Arbeitsmarkt der Zukunft bestehen zu können. Gerade deshalb seien Frauen in handwerklichen und technischen Berufen zukunftssicher aufgehoben.

Während zweier Jahre läuft das Projekt «IG Girlpower» des Vereins «eifach mache». Es will Mädchen, die zum ersten oder wiederholten Mal vor der Berufswahl stehen, über MINT-Berufe informieren. Dafür stehen mehrere niederschwellige Angebote zur Verfügung, zum Beispiel der Schnupperhalbtag «Jobshadowing» oder ein Online-Mentoring mit einer Ansprechpartnerin aus der Wunschfirma. Vielleicht kann man dabei Arbeiten ansprechen, von denen man heute schon wissen kann, dass sie einem die Freude am Traumjob verderben können? Den jungen Berufsfrauen auf der Bühne sind mühsame Arbeiten fremd. Alle schwärmen von den Möglichkeiten ihrer Tätigkeit, sowohl bezüglich Selbstständigkeit als auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung. Stolz berichten die beiden Elektroinstallateurinnen, dass sie eigene Baustellen haben, an welchen sie auch Lernende in die Arbeit einweisen. Und auch beim klassischen Frauenthema, der Teilzeitarbeit nach Familiengründung, können sie mit Beispielen aus ihren Firmen Bedenken aus dem Publikum zerstreuen. Hindernisse wie fehlende Toiletten und Garderoben gebe es heute nur noch selten, und die männlichen Kollegen wüssten, was ein Mens-truationszyklus ist.

Der Schlüssel zum Glück im MINT-Beruf — das «M» steht dabei nicht für Mann, sondern für Mathematik — ist aber nach einhelliger Meinung die Neugierde für Unbekanntes und das Vertrauen in die eigene Lernfähigkeit. Damit lerne man auch, eine Bohrmaschine zu bedienen. Und das M steht, das zeigte dieser inspirierende Abend deutlich, auch für Mut: Mut, den eigenen Weg zu gehen. Mut, schlagfertig auf Männer zu reagieren, und nicht zuletzt Mut, selbstbewusst Lohngespräche mit Vorgesetzten zu führen.

Der Informationsabend wird ein weiteres Mal im November in Zwingen durchgeführt.

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