«Dieser Schritt fühlt sich sehr natürlich an»

Vor zwei Wochen wurde Regine Kokontis — als erste Frau überhaupt — zur neuen Kirchenratspräsidentin der Reformierten Kirche Baselland gewählt. Die Reformierte Kirchgemeinde Laufental verliert damit auf Ende Juni ihre Pfarrerin.

Wagt den Schritt in eine neue Aufgabe: Als neue Kirchenratspräsidentin der Reformierten Kirche Baselland wird Regine Kokontis ab Juli nicht mehr für die Kirchgemeinde Laufental tätig sein. Foto: Melanie Brêchet

Ihre Wahl ins neue Amt am 28. Januar erfolgte einstimmig. Die Synodalen wählten Regine Kokontis in Liestal zur neuen Kirchenratspräsidentin der Reformierten Kirche Baselland und beriefen damit zum ersten Mal überhaupt eine Frau in dieses Amt. «Dass ich es bin, die den Kirchenrat als erste Frau präsidieren darf, ist Zufall», erklärt Regine Kokontis. «Es gibt bereits Landeskirchen, die von Frauen präsidiert werden, zum Beispiel ­Zürich oder Thurgau. Ich fühle mich darum nicht als Pionierin. Die Pionierleistung haben andere Frauen schon vor mir erbracht und dafür bin ich ihnen sehr dankbar», sagt die 53-Jährige.

Sie sei bereits vor einigen Jahren für den Kirchenrat angefragt worden, verzichtete aber, weil sie daran zweifelte, die schon vielschichtige Arbeit in der Kirchgemeinde mit 80 Stellenprozenten und dazu jene im Kirchenrat, mit einem Pensum von rund 20 Prozent, unter einen Hut zu bringen. «Unterdessen spürte ich aber, dass ich auch auf landeskirchlicher Ebene wirksam sein könnte.» Als nun die Anfrage fürs Präsidium kam, sei die Ausgangslage eine andere gewesen: «Es handelt sich um eine 100-Prozent-Stelle, ich kann mich also ganz auf die neuen Aufgaben einlassen, ohne in einer Doppelrolle zu agieren.»

Dieser Wechsel fühle sich sehr natürlich an. «Es hat mit den Erfahrungen und dem Älterwerden zu tun. Nach 21 tollen Jahren in der Kirchgemeinde Laufental sei es der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt. Sie sei mittlerweile auch gerne im Hintergrund tätig, unter anderem als Ausbildungspfarrerin oder in der Vernetzung und Gemeindeleitung. Aber natürlich werde der Abschied im Sommer auch ein wenig wehtun. Und mir ist sehr wichtig, dass ich hier im Wissen abschliessen kann, dass für all meine jetzigen Aufgaben eine neue Ansprechperson benannt werden kann. Die Leute sollen wissen, an wen sie sich mit ihren Anliegen wenden können.

Nachfolge noch unklar

Wie sich die Reformierte Kirchgemeinde Laufental zukünftig aufstellen wird, ist noch nicht klar. Zurzeit ist im Pfarramt neben Regine Kokontis Pfarrer Claudius Jäggi mit einem 100-Prozent-Pensum angestellt. «Die gut aufgestellte Kirchenpflege wird nun in aller Freiheit eine Auslegeordnung machen und entscheiden, wie das Team zukünftig zusammengesetzt werden soll. Bis Juli eine Nachfolge zu finden, wird kaum möglich sein. Da muss die Kirchgemeinde voraussichtlich mit Stellvertretungen arbeiten.»

Als Kirchenratspräsidentin löst Regine Kokontis Christoph Hermann ab. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Organisation und Leitung des Kirchenrats und der Kirchenverwaltung, die Festlegung von Strategien und Legislaturzielen, die Begleitung der Öffentlichkeitsarbeit und die Personalentwicklung. Dazu kommt noch eine Reihe von Zuständigkeiten in diversen Gremien, schweiz- und europaweit. Auf diese Aufgaben freue sie sich, sagt Kokontis: «Ich mag es mitzuwirken, dass die Kirche Raum bietet, damit Leute einander hören und begegnen können, und freue mich darauf, die Landeskirche weiterzuentwickeln und auch gegen aussen und in die Gesellschaft hinein zu vertreten.»

Die grösste Herausforderung für die Kirche sind die starren Bilder von dem, was Kirche sei. «In der Kirche gibt es aber eine Riesenfreiheit, Projekte zu verwirklichen, soziales Engagement aufzubauen und zu fördern. Die Landeskirchen erhalten pro Mitglied vom Kanton einen Beitrag in Anerkennung der sozialen Leistungen, welche die Landeskirchen für die Gesamtgesellschaft tun. In der Kirche kann erfahren werden, dass jede und jeder wichtig und Teil einer grösseren Menschengeschichte ist. Damit wird die Resilienz gestärkt. Auch, dass es nicht auf alle Fragen eine Antwort gibt, hat im Glauben Platz und befreit, sich dort einzusetzen, wo wir Wissen und Fähigkeiten haben.»

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