Die Birs als Lebensader für ein ganzes Tal — ein Nachmittag auf der Baustelle

Die baulichen Massnahmen zum Hochwasserschutz verändern zurzeit das Erscheinungsbild von Laufen. Entsprechend gross ist das Interesse an den Baustellenführungen, angeboten von der Bau- und Umweltschutzdirektion BL.

Draussen unterwegs: Ruedi Hofer (hinten in Gelb) führte die Gruppe auch an den Ort des Geschehens und machte so die bereits durchgeführten und die geplanten Massnahmen greifbar. Hinter der Eishalle ist ein Ersatz für den Norimattsteg geplant.
Draussen unterwegs: Ruedi Hofer (hinten in Gelb) führte die Gruppe auch an den Ort des Geschehens und machte so die bereits durchgeführten und die geplanten Massnahmen greifbar. Hinter der Eishalle ist ein Ersatz für den Norimattsteg geplant. Foto: Melanie Brêchet

Bereits zum zweiten Mal war die Führung über diverse Stationen der Hochwasserschutz-Baustellen in Laufen ausgebucht. 23 Personen folgten am vergangenen Freitagnachmittag der Einladung der Bau- und Umweltschutzdirektion Basel-Landschaft und lauschten gespannt den Ausführungen von Ingenieur Ruedi Hofer.

In der rund zweistündigen Führung brachte Ruedi Hofer den Gästen zunächst die Ausstellung im Info-Center im ehemaligen Spilag-Gebäude näher. Neben Wissenswertem zu den Bauarbeiten stellt diese auf zwei Stockwerken die Aufgaben von Wasserbau und Hochwasserschutz vor und gibt spannende Einblicke in den Lebens-, Natur- und Wirtschaftsraum Birs. Ebenso wird eindrücklich aufgezeigt, welches Ausmass das Hochwasser 2007 angenommen hatte. «Es trat damals ein, was niemand voraussehen konnte: Eine Unwetterfront zog vorbei und kam wider Erwarten noch einmal zurück.» Der Krisenstab hatte sich damals entschieden, die Bevölkerung in der Nacht nicht zu warnen, und hatte dafür viel Kritik einstecken müssen. «Ich bin überzeugt, wären die Leute im Stedtli gewarnt worden, hätte man Verletzte oder gar Tote zu beklagen gehabt. Die Leute wären in die Keller geeilt, um ihr Hab und Gut ins Trockene zu bringen, und wären im schnell aufsteigenden Wasser wohl ertrunken», so Hofer.

«Heute wollen wir den Flüssen wenn immer möglich Raum geben», so Hofer. Hochwasser gelte es zurückzuhalten, umzuleiten oder durchzuleiten, in Laufen hat man sich zu Letzterem entschieden. Was die Kosten für die Hochwasserschutzmassnahmen angehe, sei das Ziel, dass diese unter der Schadenssumme bleiben, welche ein weiteres Ereignis zur Folge haben würde. Damals verursachte das Hochwasser in Laufen einen Schaden in der Höhe von rund 70 Millionen Franken. Nicht vergessen werden dürfe auch der ökologische Nutzen der Renaturierung. Diesbezüglich dürfte spannend sein, welche Wege sich die Birs bahne, denn schlussendlich forme der Fluss die Landschaft immer weiter und suche sich selbstständig seinen Weg, führte Hofer weiter aus.

Nach der Theorie ging es noch direkt auf die Baustelle und dabei auch an Orte, wo nicht alle hinkommen. Ausgerüstet mit Leuchtweste und Helm absolvierten die 23 Interessierten eine Führung vom Info-Center über den Norimattsteg zur Eishalle, anschliessend über das Gebiet Nau-West beim Kulturzentrum Alts Schlachthuus und schliesslich via Seidenweg, Wasserfall und Passerelle durchs Stedtli wieder zurück. Dabei wies Hofer auf diverse bauliche Massnahmen hin — kleinere und grössere — und beantwortete den Anwesenden deren Fragen. Der Spazierweg im Gebiet Nau-West dürfte derweil erst im kommenden Frühjahr für die Bevölkerung eröffnet werden. Der Eröffnungstermin musste aufgrund einer verzögerten Steinlieferung verschoben werden, heisst es auf Anfrage bei der Bau- und Umweltschutzdirektion. Die Steine werden für die Sitzstufen in der Böschung vor dem Schlachthuus benötigt.

Eine weitere Führung ist für Freitag, 27. Februar 2026, von 14 bis 16 Uhr vorgesehen. Anmeldungen via tiefbauamt@bl.ch oder 061 552 54 84. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge ihres Eingangs berücksichtigt.

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