Bewilligung als «übriges Heim»
Simon Waldmann hat in der Region eine private Spitex-Organisation und ein Angebot für betreutes Wohnen aufgebaut. Seit 2017 führt er in Wahlen den Wohnpark Herz. Letzte Woche erhielt er vom Kanton Baselland die Bewilligung, die Einrichtung als «übriges Heim» zu betreiben.
Wahlen
Die Erleichterung ist den Menschen im Wohnpark Herz in Wahlen ins Gesicht geschrieben. Der Kanton Baselland hat dem Betreiber, Simon Waldmann, die Bewilligung für das Führen eines «übrigen Heims» erteilt. Damit endet die Zeit der Verunsicherung. Die 19 Plätze für Erwachsene mit psychischen Beeinträchtigungen oder Erkrankungen sind gesichert.
Unterstützung im Alltag, aber keine dauernde Pflege
Der Wohnpark bietet den Bewohnenden Unterstützung bei der Alltagsgestaltung, soziale Kontakte in einer Gemeinschaft und Sicherheit durch ein 24-Stunden-Notfallsystem. Personen, die eine ständige Präsenz von Pflege- und Betreuungspersonal benötigen, können laut Kanton nicht aufgenommen werden. «Die Bewohnenden des Wohnparks verfügen über eine grundsätzlich gute Selbstpflegefähigkeit», hält der Kanton in seiner Verfügung fest. Das Angebot umfasse individuelle Förderplanung, Tagesstruktur, Alltagsbegleitung, sozialpädagogische und psychosoziale Unterstützung, Freizeitgestaltung, soziale Teilhabe sowie Krisenintervention. Bei Pflegebedarf oder zur Abklärung der Pflegebedürftigkeit werde die Spitex beigezogen.
Simon Waldmann zeigt sich im Gespräch mit dieser Zeitung zuversichtlich, dass das Angebot auf grosses Interesse stossen wird. Es sei ein guter Kompromiss gefunden worden. Letztlich auch dank der Gemeinde Wahlen, die sich im Bewilligungsverfahren zum Wohnpark Herz und zu Waldmanns Engagement im Gesundheitssektor positiv äusserte, wie Gemeindeverwalter Urs Halbeisen bestätigt. «Unserer Meinung nach hätte aber auch das Angebot des betreuten Wohnens für Seniorinnen und Senioren dem Bedürfnis der Wohnbevölkerung entsprochen», ergänzt Halbeisen. Ursprünglich war im Wohnpark Herz das betreute Wohnen für die ältere Bevölkerung vorgesehen, doch dies war letztlich von der Versorgungsregion Laufental und der kantonalen Amtsstelle nicht befürwortet worden. «Im Kanton Baselland gibt es im Bereich der Finanzierung Aspekte, die der Entwicklung von Angeboten für betreutes Wohnen nicht förderlich sind», sagt Waldmann. Anders sei die Situation im Kanton Solothurn. Dort seien im Schwarzbubenland bereits mehrere Angebote für betreutes Wohnen im Alter entstanden. Waldmann selbst eröffnete vor drei Jahren eine entsprechende Einrichtung in Breitenbach. Dabei habe er die Erfahrung gemacht, dass der Kanton Solothurn solche Wohnformen grundsätzlich begrüsse. Sie bieten älteren Menschen eine Alternative zum Alters- und Pflegeheim.
Gesetzliche Regelung hemmt die Entwicklung
Dass betreutes Wohnen für Seniorinnen und Senioren im Laufental weiterhin fehlt, bestätigt Edmond Bernard von der Versorgungsregion Laufental. Zwar seien Projekte in Laufen und Zwingen geplant, doch Paragraf 32 des kantonalen Altersbetreuungs- und Pflegegesetzes erschwere deren Umsetzung. Gemäss dieser Bestimmung bleibt nach einem Umzug in eine Einrichtung für betreutes Wohnen die bisherige Gemeinde während fünf Jahren für bestimmte Pflege- und Unterstützungsbeiträge zuständig. Danach geht die Zuständigkeit auf die neue Wohngemeinde über. Mögliche Standortgemeinden befürchten deshalb langfristig höhere Gesundheitskosten.
Im Bewilligungsverfahren um den Wohnpark Herz in Wahlen war es im Juli dieses Jahres zu einer drastischen Massnahme gekommen. Aufgrund der fehlenden Heimbewilligung hatte die zuständige Amtsstelle Simon Waldmann aufgefordert, innert drei Wochen für die Bewohnenden einen Heimplatz zu finden. «Mir war nichts anderes übriggeblieben, als die Mietverträge fristlos zu kündigen», sagt Waldmann. «Das hat mich und die betroffenen Menschen, die sich in ihrer gewohnten Umgebung wohl fühlten, sehr mitgenommen.» Mit der nun erteilten Bewilligung könne er den Menschen im Wohnpark Herz wieder eine Perspektive bieten. Die gute Nachricht freut insbesondere auch die Mitarbeitenden, die durch das Vorgehen der Amtsstelle um ihren Job bangen mussten. Waldmanns Firmen bieten derzeit 40 Arbeitsplätze.


