Aufmerksam, neugierig, malend unterwegs
Die Künstlerin Barbara Piatti ist in Laufen geboren, lebt jedoch schon lange in Orléans an der Loire. Sie ist viel unterwegs, derzeit gerade in ihrer Heimatstadt, wo sie ihre Werke zeigt.

Laufen
«Ich gehe gerne in ein Land, wohne dort und lasse mich inspirieren», sagt die schweizerisch-französische Doppelbürgerin Barbara Piatti. Dies nicht für einen zweiwöchigen Touristenurlaub, sondern meist für mehrere Wochen oder wenige Monate. Die Künstlerin ist in den vergangenen vier Jahrzehnten weit gereist, hält sich öfters in einer «Residence of Art» auf oder ist manchmal auch auf eigene Faust unterwegs. «Da mache ich dann meine eigene Residenz und richte mir ein temporäres Atelier ein.» Ihre künstlerische Arbeit erfordert einiges an Flexibilität — eine Herausforderung, der sie sich gerne stellt. Denn ihre Kunst bedarf interessierten Reisens, neuer Eindrücke, neuer Umfelder, in denen sie sich bewegt, in die sie sich vertieft, um sie letztlich in ihren Bildern zu spiegeln. Dies in stilistisch unterschiedlichen Darstellungsformen, die meist abstrakt daherkommen — mal impressionistisch, mal expressionistisch, mal mit figurativen Elementen.
«Méandres de la vie»
In ihrer Ausstellung «Erinnerung — Licht — Bewegung», die im Seniorenzentrum Rosengarten zu sehen ist, zeigt sie Arbeiten zweier Aufenthalte in Peking (2017) und in Sizilien (2025) sowie einige Bilder zum Thema «Méandres de la vie» — «Wendungen und Überraschungen des Lebens». Diese beginnen manchmal auch schon nahe ihres Lebenszentrums in Orléans an der Loire. Anhand eines bestimmten Ortes in Peking zeigt Piatti, wie schnell die Stadt wächst, was sie deshalb beurteilen kann, weil sie bereits 2008 am selben Ort logierte. Städtische Entwicklungen hat sie bereits in früheren «architektonischen» Darstellungen anhand des Potsdamer Platzes in Berlin festgehalten, von dem die Künstlerin alle drei Monate ein neues Bild malte. Ihre Pekinger Eindrücke, die ständigen Veränderungen der Stadt, kommen bisweilen auch ganz anders daher, etwa als Konglomerat von Fahrrädern, welche die Bevölkerung nach dem wirtschaftlichen Aufschwung und Auto-Rausch gemäss Anordnung wieder vermehrt nutzen sollen, um die Luftverschmutzung zu mindern.
Die Impressionen aus Sizilien sind hauptsächlich mit frei improvisierten geometrischen Figuren bestückt, die sich sowohl voneinander abgrenzen wie ineinanderlaufen. «La plage en fête» oder «La mer en fête» lassen sich als Strandszenen aus der Vogelperspektive lesen — oder auch als etwas ganz anderes.
Die Farben, all die Farben!
Piatti arbeitet hauptsächlich mit Ölfarbe und nutzt verschiedene Bildträger. Nebst Leinwand auch Papier, Holzplatten und Stoffe. Letztere können durchaus persönliche Kleidungsstücke, mit poppigen Bildern bedruckte T-Shirts oder Polo-Shirts sein. Piatti erweitert, ergänzt, stört malerisch die vorhandenen Bilder und tritt dabei in Dialog mit den Menschen, die diese Stoffe einst getragen haben.
In welchem Stil und auf welchen Bildträgern die Künstlerin auch immer arbeitet — eines tritt besonders in den Vordergrund: die Farbigkeit ihrer Werke. Ein Ausdruck von Lebensfreude. «Ich habe Farben gerne.» Auch als sie sich selbst noch oft in Schwarz kleidete, waren ihre Bilder farbenfroh. Jedes Land, das sie besuchte, habe eine eigene Farbpalette. «Wenn ich an ein Land denke, denke ich an Farben.» Dies kann für die farbige Vielfalt, der sie nachlebt, allerdings auch problematisch werden. Die 61-Jährige war kürzlich in Japan. Dort habe es keine Farben, «ganz wenige». Die Leute seien schwarz und grau gekleidet. Farbe würde nur zu bestimmten Anlässen getragen. «Da hatte ich Mühe.»
Die Kunstausstellung «Erinnerung – Licht – Bewegung» von Barbara Piatti im Seniorenzentrum Rosengarten, Schützenweg 11, Laufen, ist bis 17. Januar 2027 zu sehen und kann täglich besucht werden.


