Tritt für Tritt gemeinsam unterwegs: Die Wanderhirtin und ihre Schäfchen

Seit Mitte November führt die Wanderhirtin Rebekka Stäger 300 Schafe rund um Laufen von fremder Weide zu fremder Weide.

Eine tiefe Ruhe geht von ihnen aus. Von ihrem warmen Geruch, dem Gebimmel und dem Rascheln, wenn sie Grasbüschel abreissen. Eingezäunt sind die 300 Schafe nicht. Die Wanderhirtin Rebekka Stäger sorgt mit den zwei Hunden Flinn und Laika dafür, dass sie schön zusammenbleiben. Seit Mitte November führt sie die Schafe rund um Laufen von fremder Weide zu fremder Weide. Täglich ein paar Meter weiter – dorthin, wo es noch Futter hat.

Lang und hart sind die Tage. Stäger steckt sie mit einem unbekümmerten Lachen weg. Sie steht um 6.30 Uhr auf, füttert die Hunde und bereitet sich im kalten Zelt auf einem Gaskocher das Frühstück zu. Sie lässt die Schafe aus dem Nachtzaun und räumt ihn zusammen. Nun treibt sie die Schafe auf die nächste Weide und überwacht sie. Und überwacht sie. Und überwacht sie. Den ganzen Tag steht sie da, schaut den Schafen zu. Nur ab und zu will sich ein Trüppchen absetzen. Dann gibt sie kurze, knappe Befehle: «Flinn! Hol sie!» Mehr ist nicht nötig, denn Flinn hat nur darauf gewartet und weiss genau, was er zu tun hat. Und die Schafe wissen, was Flinn von ihnen will. Nach einem kurzen Gewusel sind alle Schafe wieder beieinander. «Flinn! Platz!», ist der nächste knappe Befehl. Auch hier weiss Flinn genau, was von ihm erwartet wird. Doch darauf gewartet hat er ganz und gar nicht. Am liebsten würde er nämlich den ganzen Tag arbeiten. So ertönt der Befehl «Flinn! Platz!» noch zwei, drei Mal, bis sich der Border-Mischling hinlegt. Und gespannt darauf wartet, dass wieder ein paar Schafe wegwollen.

Das Mittagessen hat Stäger im Rucksack dabei. Kalt. Das stört sie nicht. «Im Augenblick bringen mir Bauern das Mittagessen vorbei», erklärt sie und fügt an, dass dies «höllennett» sei. Kurz vor 17 Uhr hat sie den Nachtpferch wieder aufgebaut und die Schafe eingeschlossen. Sie stellt ihr Zelt neben den Schafen auf, hilft einer befreundeten Familie im Stall und geht früh bei Kerzenschein zu Bett.

Bauern helfen mit

Die Schafe gehören Christian Hürbi und Roman Müller. Am Ende der Weidezeit, am 15. März, werden die meisten geschlachtet. Für Stäger gehört das dazu: «Wenn man Fleisch isst, ist es schön, wenn man weiss, dass es den Tieren gut gegangen ist; dass sie es schön hatten auf den Weiden.»

Gelernt hat Stäger Fachfrau Kinderbetreuung. Danach hat sie auf einer Alp gearbeitet und auf dem elterlichen Bauernhof. Ihr Vorgänger hat sie zwei Wochen in die Arbeit als Wanderhirtin eingeführt. Zudem stehen ihr Hürbi und Müller bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite.

Was treibt denn einen Menschen dazu, einen ganzen, kalten, nassen Winter unter freiem Himmel zu verbringen und Schafen zuzuschauen, wie sie Gras fressen? Stäger muss nicht lange überlegen: «Ich habe mir einen grossen Wunsch erfüllt. Ich arbeite gerne mit Tieren und ich arbeite gerne draussen.» So einfach ist das.

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