Wenns blinkt, sollen sie aufpassen — die Autofahrer, nicht die Rehe!

Es nützt mehr, Autofahrer vor den Rehen zu warnen, als umgekehrt. Das hat der Kanton Baselland mit Versuchen auf dem Laufenfeld festgestellt. Nun müssen nur noch Zeit und Geld zur Ver­fügung gestellt werden, um die Warnanlagen definitiv zu betreiben.

Warnung: Die Geräte an den Pfosten blinken nachts, wenn sich Füchse und Hasen der Strasse nähern. Foto: GINI MInonzio
Warnung: Die Geräte an den Pfosten blinken nachts, wenn sich Füchse und Hasen der Strasse nähern. Foto: GINI MInonzio

Baumelnde CDs, Pfeifgeräusche, blaue Reflektoren: Jäger und Tüftler haben sich schon einiges ausgedacht, um Rehe und Wildschweine vor herannahenden Autos zu warnen. Das Ergebnis? «Ernüchternd», fasst Gabriel Sutter zusammen, der beim Baselbieter Jagd- und Fischereiwesen arbeitet. Noch immer werden im Kanton jährlich 204 Rehe überfahren. Dazu kommen 228 Füchse, 98 Dachse, 59 Steinmarder, 12 Feldhasen, 10 Wildschweine und noch andere Tiere. Insgesamt waren es im vergangenen Jagdjahr 626 Tiere, wie der kantonalen Statistik zu entnehmen ist.

Autofahrer sind intelligenter als Rehe

Seit diesem Frühling testet der Kanton im Laufner Becken eine neuartige Anlage. Auf der Strasse zwischen Breitenbach und Laufen werden nun nicht die Tiere gewarnt, sondern die Autofahrer. Letztere scheinen die Warnungen besser zu verstehen als Bambi und Co. «Es wurden deutlich weniger Tiere überfahren», stellt Sutter fest. Genaue Zahlen kann er noch nicht nennen, weil die Testphase noch bis in den Herbst hinein läuft.

Die Wildwarnanlage besteht aus mehreren Geräten, die bei beiden Fahrbahnen an den Strassenpfosten angebracht sind. Wärmesensoren und Bewegungsmelder erfassen bis 40 Meter ins Feld hinein, wenn sich ein Tier bewegt. Dann beginnen die Leuchten an mehreren Pfosten zu blinken. Die Autofahrerin ist so rechtzeitig gewarnt, kann langsamer fahren und aufmerksamer sein.

«Die Anlage erfasst Tiere von der Grösse einer Katze oder eines Hasen an. Darunter wird es schwieriger», so Sutter. Die Wärmesensoren stellen sicher, dass nicht schon ein wogendes Getreidefeld die Blinker auslöst.

Hasen und Nebel

Wie kommt das Laufner Becken zur Ehre, einen Testbetrieb zu beherbergen? «Dort lebt eine unserer Zielwildarten, nämlich eine Population von Feldhasen. Zudem gibt es auf dieser Strecke relativ viele Wildtierunfälle», erläutert Sutter. Und noch ein weiteres Kriterium kommt dazu. Es ist in Laufen öfters neblig. So kann der Kanton im Laufner Becken testen, ob die Sonnenakkus auch unter erschwerten Bedingungen funktionieren.

Wird die Anlage definitiv aufgestellt?

Ein Nachteil dieser neuartigen Wildwarnanlage ist, dass sie wegen der Wärmesensoren nur nachts funktioniert. Auch müssen die Wegmacher die Pfosten einmal mehr pro Jahr ausmähen. Immerhin ist die Anlage mobil, sodass sie bei Bedarf leicht verschoben werden kann. Im Herbst soll die Testphase zu Ende gehen. Dann müssen das Amt für Wald, das Tiefbauamt und natürlich die politischen Behörden beschliessen, wie es weitergeht, sagt Sutter.

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