Väterchen Frost hat das Birseck im Griff
Die eisigen Temperaturen verlangen von den Bauern sehr viel Flexibilität und Einfallsreichtum. Auf den Märkten sind in diesen Tagen teilweise keine Gemüseverkäufer anwesend.

Jay Altenbach
Im kleinen Rahmen fand am letzten Freitag der Arleser Gmüesmärt statt. Dort, wo sonst die Bauern und Händler der Region Stand an Stand ihre Waren feilbieten, herrschte ungewohnte Leere. Gerade einmal fünf Verkaufsstände besetzten den unteren Dorfplatz. Diese wurden von der Kundschaft umso freudiger in Beschlag genommen. Hauptsächlich Brot, frische selbst gemachte Teigwaren und Käse wurden an der eisigen Luft verkauft. Der strahlende Sonnenschein vermochte höchstens das Herz ein bisschen zu wärmen, die Luft war noch immer klirrend kalt.
«Bei diesem Wetter wäre die Trotte als Markthalle ideal», weiss die Arlesheimer Marktpräsidentin Marie Regez, aber leider ist sie schon besetzt. Dafür hatten die Kunden für einmal nicht die Qual der Wahl. Denn nur ein Gemüsebauer bot seine Waren auf dem Markt an. Die Verkäuferinnen des Birsmatthof hatten ein Zelt aufgestellt, in dem das Gemüse vor der Kälte geschützt wurde. Da ihnen letzte Woche das Gemüse nur schon beim Transport vom Auto zum Stand an den Kistchen anfror, sorgten sie diesmal mit Wolldecken vor. Vor dem Zelt standen die Kundinnen und Kunden Schlange und benutzten die Zeit für einen kurzen Schwatz, denn das Zelt des Gemüsebauern bot nur wenig Platz für die Kundschaft.
In Aesch wurde der Frischmarkt die letzten beiden Samstage abgesagt. Gemüsebauer Paul Nussbaumer konnte seine Ware nicht an den Marktständen an der frischen Luft verkaufen. Für Caroline Fröhlicher, die jeweils Brote, Wähen und Linzertorten anbietet, ist die Absage mit einem grossen finanziellen Verlust verbunden. Sie und ihre Kollegin Jenny Schär, die Käse, Öle und weitere Spezialitäten verkauft, haben trotz grosser Kälte am vergangenen Mittwoch auf dem Markt auf dem Nepomukplatz in Dornach ausgeharrt. Das Gemüse von Maienhof von Thomas Kleiber aus Biel-Benken fehlte dort allerdings gänzlich. Besser erging es den Gemüsehändlern in Reinach. Bei schlechter Witterung dürfen die Marktfahrer ihre Produkte in der Eingangshalle der Gemeindeverwaltung anbieten. So waren die letzten zwei Markttage kein Problem für die Verkäufer.
Zumindest die Kühe haben Freude
«Das Problem ist eher das Gemüse, welches nicht verkauft wird», erklärt die Marktchefin vom Aescher «Früschmärt» und Gemüseproduzentin Eveline Sprecher vom Rehaghof. Wenn das Gemüse nur ein bisschen anfriert und anschliessend wieder taut, wird es unansehnlich und kann nicht mehr verkauft werden.
Die Kälte bereitet der Gemüsebäuerin aber nicht nur auf dem Markt Probleme. So ist sie etwa damit beschäftigt, die Wasserleitungen rund um den Hof eisfrei zu halten. «Einzig die Kühe freuen sich über die Kälte. Spaziergänger, die sich beim Anblick von gefrorenen Schnauzhaaren um die Gesundheit der Tiere sorgen, müssen keine Angst haben», erzählt die Bäuerin. Den Kühen macht im Sommer die Wärme viel mehr zu schaffen, dann stehen sie zusammen und spenden sich gegenseitig etwas Schatten. Eigentlich sollten zurzeit auch die Setzlinge für das Frühlingsgemüse gesetzt werden. Aber bei so tiefen Temperaturen ist nichts zu machen. Sogar in den Treibhäusern ist der Boden gefroren und kann nicht bearbeitet werden.
Etwas Gutes aber hatte die Kälte trotzdem: Die freie Zeit ohne Markt nutzte Eveline Sprecher für einen Betriebsausflug und machte mit ihren Mitarbeiterinnen eine Winterwanderung.