Neue WC-Anlage am Bahnhof: Das Geschäft ist noch nicht erledigt
Gemeinde und SBB werden sich nicht einig beim Betrieb der künftigen Bahnhofstoilette an der Verkehrsdrehscheibe Dornach-Arlesheim. Die SBB weigern sich, die sanitäre Grundversorgung gratis zur Verfügung zu stellen.

Lukas Hausendorf
Zwanzig Jahre lang liessen sich die Schweizerischen Bundesbahnen den Unterhalt der Toiletten am Bahnhof Dornach-Arlesheim von der öffentlichen Hand bezahlen. Das ist verständlich, weil es doch eine undankbare Aufgabe ist, in einem WC ständig Vandalismusschäden zu beheben. Das kostet viel Zeit und auch viel Geld. Rund 21 000 Franken mussten die Standortgemeinden Dornach und Arlesheim in den letzten fünf Jahren dafür durchschnittlich ausgeben. Die sanitäre Grundversorgung am meistfrequentierten Baselbieter Bahnhof will nun aber doch die SBB übernehmen. Aber nicht ohne sich dafür noch einmal von den Standortgemeinden grosszügig finanziell entschädigen zu lassen.
Der Dornacher Gemeinderat erklärte sich schon im März 2013 bereit, zusammen mit Arlesheim einen Beitrag von 26 000 Franken an die Erstellung einer neuen, modernen und rollstuhlgängigen Unisex-Toilette am Bahnhof zu bezahlen, sofern dieses von der Öffentlichkeit kostenlos benutzt werden kann. Andernfalls müsse man sich in der Unterführung bald die Nase zuhalten, mahnte damals Gemeinderat Daniel Urech (FWD).
Zurück auf Feld eins
Fast ein Jahr später haben die SBB die Vereinbarung noch immer nicht unterzeichnet. Dafür hat das Bahnunternehmen der Gemeinde nun einen neuen Vertrag vorgesetzt. Auf die Forderungen der Gemeinde will man nicht eingehen. Die SBB beharren auf eine Benutzungsgebühr von einem Franken für ihre 100 000 Franken teure, vandalensichere WC-Anlage aus Chromstahl. «Seit zwei Jahren verlangen wir schweizweit bei erneuerten Toilettenanlagen eine Gebühr von einem Franken, womit einzig die Betriebskosten gedeckt werden», sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage.
Das Verhalten des Bahnkonzerns stösst beim Dornacher Gemeinderat sauer auf. «Es ist ein ärgerliches Geschäft, aber doch elementar für die Sauberkeit des Bahnhofs», sagt Urech. Darum forderte er an der Gemeinderatssitzung vom Montag entsprechende Nachverhandlungen mit den SBB. Auch FDP-Vertreter Alain Amhof pflichtete ihm bei: «Die Gegenleistung für die 26 000 Franken ist nicht ersichtlich.» Urechs Antrag wurde einstimmig angenommen, obwohl auch Zweifel geäussert wurden, ob die SBB darauf eintreten würden. Denn tatsächlich ist das Unternehmen, das einen öffentlichen Mobilitätsauftrag zu erfüllen hat, nicht verpflichtet seine Bahnhöfe mit Toiletten auszurüsten. Den Bahngästen stünden diese aber in den Zügen kostenlos zur Verfügung, wendet der SBB-Sprecher ein. So steht die Gemeinde Dornach in Sachen Bahnhof-WC ein Jahr nach den letzten Verhandlungen mit den SBB wieder auf Feld eins. «Wir haben das Geschäft einmal mehr erledigt, oder eben nicht», ärgert sich Gemeindepräsident Christian Schlatter (FWD).
Sparen auch im Kleinen
Derweil ist die finanziell klamme Gemeinde weiterhin bemüht, ihre Auslagen herunter zu fahren. Das nächste Opfer müssen nun die Angestellten bringen, die ihre Mobiltelefoniekosten über die Gemeinde abrechneten. Ihnen werden anstatt wie bisher 50 oder im Falle des Bauverwalters und Gemeindepräsidenten 100 Franken, neu nur noch 30 Franken ausbezahlt. Von der Massnahme betroffen ist ein gutes Dutzend Mitarbeiter.