Eine neue, eigene Beratungsstelle
Nun ist es definitiv: Die Gemeinden Aesch und Reinach treten aus der Familien- und Jugendberatung Birseck aus und organisieren sich ab dem 1. Januar 2027 selber.

Seit 1988 bietet die Familien- und Jugendberatung Birseck (FJB) psychosoziale Therapien, Beratungen und Psychotherapien an. Die FJB richtet sich an Kinder, Jugendliche, Eltern sowie ganze Familien und begleitet die Klientinnen und Klienten in Krisen- und Konfliktsituationen. Die FJB steht den Bewohnerinnen und Bewohnern der Trägergemeinden Aesch, Arlesheim, Dornach, Duggingen, Münchenstein, Pfeffingen und Reinach offen. Doch was sich im vergangenen Herbst angedeutet hat, ist jetzt definitiv: Die Gemeinden Aesch und Reinach treten Ende 2026 aus der FJB aus.
Ab dem 1. Januar 2027 bieten die beiden Gemeinden in Reinach eine eigene Beratungsstelle für Familien, Kinder und Jugendliche an. Im Unterschied zur Familien- und Jugendberatung Birseck werden die Beratungen bei der neuen Stelle für die Klientinnen und Klienten kostenlos sein. Die Kosten werden gemäss Herkunft der Klientinnen und Klienten vollumfänglich von den Gemeinden Aesch und Reinach getragen. «Damit soll ein möglichst niederschwelliges und unbürokratisches Angebot geschaffen werden», erklärt der Reinacher Gemeindepräsident Ferdinand Pulver (FDP). Dadurch soll auch verhindert werden, dass Personen aufgrund möglicher Kosten das Angebot nicht nutzen. «Lieber eine Beratung zu viel als zu wenig, um Schlimmeres und damit auch Folgekosten zu verhindern», betont Pulver.
Keine therapeutischen Angebote
Sechs kostenlose Beratungseinheiten sind möglich. Die beiden Gemeinden gehen von weiterhin steigenden Fallzahlen aus. Dank dem kostenlosen Angebot wird es nicht mehr nötig sein, die Steuererklärung vorzulegen, um von den Gemeinden einen finanziellen Zustupf für die Beratung zu erhalten. Für die Aescher Gemeinderätin Monika Fanti (Die Mitte), verantwortlich für das Ressort Soziales, ist dies gerade in Sachen Datenschutz ein wesentlicher Fortschritt.
Therapeutische Angebote wie bei der FJB wird es bei der neuen Beratungsstelle jedoch nicht geben. Dass die anderen Trägergemeinden an diesen Therapien festhalten wollten, war mit ein Grund für den Austritt von Aesch und Reinach. Fälle, bei denen eine Therapie nötig ist, werden bei der Beratungsstelle von Aesch und Reinach an professionelle Fachstellen weitervermittelt. Fanti ist über die gefundene Lösung betreffend Therapien erleichtert: «Wir können unseren Steuerzahlern nicht weiter zumuten, dass sie für Angebote bezahlen müssen, die eigentlich den Krankenkassen in Rechnung gestellt werden können.»
Beratungen auch in den Schulferien
Fanti und Pulver versichern, dass die Kosten nicht Treiber für den Ausstieg bei der FJB und die Neuaufgleisung der Familien- und Jugendberatung gewesen sind. «Uns geht es darum, eine kostenlose, vertrauliche und schnelle Hilfe anzubieten», sagt Pulver. «Wir wollten nicht etwas weniger. Für mich war es entscheidend, dass es keinen Leistungsabbau geben wird», ergänzt Fanti. Während die FJB in den Schulferien keine Beratungen anbietet, werde das neue Angebot ganzjährig zur Verfügung stehen. «Es kommt häufig während der Schulferien zu Krisensituationen. Dann müssen Beratungen stattfinden können», mahnt Pulver. Beide sind überzeugt, dass Aesch und Reinach ein Angebot bieten werden, das der Bevölkerung, den beiden Gemeinden und den zuweisenden Stellen einen Mehrwert bieten wird.
Die Eckpfeiler der neuen Beratungsstelle sind gesetzt. Nun gehe es darum, die Detailfragen zu klären. Dafür wurde eine Projektleitung eingesetzt. Wie viele Stellenprozente für die neue Beratungsstelle vorgesehen sind, ist noch offen. Sicher ist, dass die Stelle im Gemeindezentrum Reinach untergebracht sein wird. Dadurch könnten Synergien innerhalb der Verwaltung genutzt werden, was zu einer Effizienzsteigerung führen wird, da so die Voraussetzungen für eine hohe Produktivität gegeben seien, erklärt Pulver.
Sowohl für Fanti als auch für Pulver ist wichtig zu betonen, dass der Austritt aus der Familien- und Jugendberatung Birseck nichts mit deren Qualität zu tun hat. «Die FJB hat stets gute Arbeit geleistet. Das haben wir nie infrage gestellt», so Fanti.