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21.09.2022

Alte Papieri, neues Kapitel

Idylle alternativer Verspieltheit: Die Alte Papieri bietet bezahlbaren Platz für Handwerksbetriebe, aber auch Gastronomie, Zirkus, Spiel und Sport. Foto: zvg

Idylle alternativer Verspieltheit: Die Alte Papieri bietet bezahlbaren Platz für Handwerksbetriebe, aber auch Gastronomie, Zirkus, Spiel und Sport. Foto: zvg

Ehemalige Mieter des Walzwerk-Areals ­erschaffen in der Alten Papieri ein Zentrum für ­Handwerk, Kunst und Kultur.

Von: Caspar Reimer

Neulich wurde am Schorenweg in Arlesheim das erste Gebäude von Uptown ­Basel feierlich eröffnet: In den nächsten Jahren wird auf insgesamt 70000 Quadratmetern ein futuristisches, weit über die Grenzen der Region leuchtendes Indus­triequartier mit internationalen Unternehmungen entstehen. Doch das ist bei weitem nicht alles, was derzeit im unteren Arlesheim zwischen Bahnlinie und Birs passiert: Nur eine Adresse weiter auf dem Areal der Alten Papieri gedeiht gerade ein Projekt ganz anderer Art – ein Ort für Handwerk, Kunst und Kultur, eine Idylle alternativer Verspieltheit.

Kleinbetriebe sehen in Arlesheim eine bessere Zukunft

«Es war gewissermassen Hilfe zur Selbsthilfe», sagt Joel Schneebeli, bis 2020 ­Betreiber der bekannten Fahrbar auf dem ebenso bekannten Walzwerk-Areal in Münchenstein, schmunzelnd. Vor zwei Jahren geriet dieses in die Schlagzeilen: Mieterinnen und Mieter konnten sich mit dem Kurs der neuen Besitzerin, der Zürcher Investfirma SF Urban Properties AG, nicht anfreunden – zu grossspurig, zu kommerziell. Es kam zu Mietzinserhöhungen und Kündigungen, «ineffizient genutzte Flächen» mussten «neu organisiert werden», wie die Besitzerin dem Wochenblatt damals auf Anfrage mitteilte. Einige Kleinbetriebe sahen sich in ihrer Existenz bedroht – es war das Coronajahr 2020. Schneebeli wie auch andere brachen ihre Zelte auf dem Walzwerk ab. Er wirkt bedrückt, wenn er über die Vergangenheit spricht, doch wandelt sich seine Stimmung schlagartig, geht es um die Pläne auf dem neuen Areal. Schneebeli ist Co-Präsident der Genossenschaft Alti Papieri, die 2021 eigens von ehemaligen Mietern des Walzwerk-Areals dafür gegründet wurde, das Gebiet der ehemaligen Papierfabrik Stoecklin & Co. neu zu beleben. Die Firma hatte 1981 nach 30 Jahren am Schorenweg ihre Zelte abgebrochen. Seither schlummert das Areal mit einer Fabrik und fünf Lagerhallen vor sich hin. Zwar sind ein Kunstatelier und einzelne Firmen wie etwa UPS oder Felix Transport AG eingemietet, doch in der öffentlichen Wahrnehmung existiert die Alte Papieri, deren Eingang romantisch hinter Baumkronen liegt, nicht mehr.

Baurechtsvertrag läuft über 70 Jahre

Das soll sich jetzt ändern: Auf den 50000 Quadratmetern wird innerhalb der nächsten Jahre Platz für Handwerkkleinbetriebe und Künstler geschaffen. Das sei dringend nötig, denn: «Es wird immer schwieriger, bezahlbaren Raum in der Region zu finden», erzählt er und fügt hinzu: «Das Areal soll nicht nur bis 17 Uhr, sondern auch darüber hinaus belebt sein.» Neben Handwerksbetrieben sind also auch Angebote aus Gastronomie, Zirkus, Spiel und Sport möglich.

Besitzerin der Alten Papieri ist die ­Aescher Pensionskasse Trikolon, die dem Anliegen der Genossenschaftler nicht abgeneigt war: «Mit ihr konnten wir ­einen Baurechtsvertrag für über 70 Jahre abschliessen.»

Unterschrieben wurde der Vertrag im Winter 2021, in Kraft ist er seit dem 1. Juli dieses Jahres. Und am vergangenen Wochenende fand die erste offizielle Kulturveranstaltung, die Arti Papieri, auf dem Areal statt (siehe Box).

Für die Arealentwicklung holten die Genossenschaftler die bekannten Architekten Eric Honegger und Esther Grass und ihr Baubüro In Situ, das in der ganzen Schweiz für zirkuläres Bauen, also das Wiederverwenden von Baumaterial bekannt ist, mit ins Boot: «Auf diese Weise ist eine Zusammenarbeit mit unserem Nachbarn, Uptown Basel, entstanden», erzählt Schneebeli. Auf deren Areal werden in den nächsten Jahren neue Gebäude gebaut und andere abgerissen. Die Betreiber der Alten Papieri können Baumaterial, das vom Nachbarn nicht mehr gebraucht wird, für ihre Zwecke nutzen. «Das ist natürlich für uns eine schöne Begebenheit. Uptown ist etwas ganz anderes als wir. Das macht es spannend.» 45 Betriebe haben die Gemäuer der Alten Papieri bereits auf dem Tiefschlaf erweckt. Doch bevor das Areal voll bespielt werden kann, ist noch einiges an Sanierungsarbeit zu leisten.

Kunstschaffende eröffnen Alte Papieri

car. Die Ausstellung Arti Papieri, die am vergangenen Wochenende auf dem Areal der Alten Papieri zu sehen war, gründete auf der Idee von Künstler und Landschaftsarchitekt Donald Jacob, der mit seinem Atelier seit Jahren auf dem Areal eingemietet ist, sowie Co-Präsident der Genossenschaft Alti Papieri, Joel Schneebeli. 14 Künstlerinnen und Künstler aus der Region unterschiedlicher Gattung und Stilrichtung stellten ihre Werke auf dem neu zum Leben erweckten Areal aus: Skulpturen, Plastiken, Videoinstallationen oder Bilder waren grosszügig über das ganze Areal installiert worden und offenbarten damit das Potenzial, das in der alten Papierfabrik liegt. Eine bekannte Arbeit von Schneebeli und Pascal Martinoli mit dem Namen «Circle of Life», eine begehbare und sich bewegende Grossskulptur, ist nun im seitlichen Eingangsbereich der Alten Papieri installiert. Sie soll vorläufig an diesem Ort bleiben. alti-papieri.ch

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