Gempen
15.01.2020

«Die Kinder sollen Zeit haben, selbstbestimmten Tätigkeiten nachzugehen»

Professionelle Betreuung: Sarah Schiess leitet den «Chinderpunkt», der Betreuungsplätze für Kinder von zweieinhalb bis 12 Jahren bietet.  Foto: Raphael Schoene

Professionelle Betreuung: Sarah Schiess leitet den «Chinderpunkt», der Betreuungsplätze für Kinder von zweieinhalb bis 12 Jahren bietet. Foto: Raphael Schoene

In Gempen gibt es seit Januar ein neues Kinderbetreuungskonzept. «Chinderpunkt» wurde von der Stiftung Brüggli ins Leben gerufen.

Von: Bea Asper

Aus meiner Tätigkeit als Tagesmutter wusste ich, dass der Handlungsbedarf gegeben ist. Im Dorneckberg sind Kinderbetreuungs-Plätze gesucht», erklärt Simone Mathys von der Stiftung Brüggli in Gempen. Ihre Vorstandskollegen hatten ein offenes Ohr und die Stiftung führte im Dorf eine Bedürfnisabklärung durch. Diese zeigte, dass der Wunsch nach Tagesstrukturen gross ist.
Die Stiftung Brüggli war 1988 mit Geldern aus dem Gempenfest gegründet worden und hat in den letzten Jahren in der Gemeinde diverse Projekte für Senioren, für Jugendliche und für bedürftige Personen vorangetrieben, zum Beispiel altersgerechte Wohnungen, einen Aussenlift zum öffentlichen Raum beim Feuerwehrmagazin, die Jugendarena beim Schulhaus, einen öffentlich benutzbaren Raum (Brüggli-Stube) und ein grosses Gartenhaus mit Sitzplatz (Chalet Brüggli). Und weil privates Engagement für gemeinschaftliche Werke in Gempen Tradition ist, sollte es nicht lange dauern, bis die Idee der Stiftung, Tagesstrukturen anzubieten, Unterstützung fand, zum Beispiel von Roman Caduff mit dem Angebot einer Anschubfinanzierung. «Er stellt eine Wohnung an der Hauptstrasse 29a ein Jahr lang kostenlos zur Verfügung», erklärt Ma-
thys. Dort betreibt die Stiftung nun seit Anfang Januar den «Chinderpunkt» mit Betreuungsplätzen für Kinder von zweieinhalb bis 12 Jahren, am Montag, Dienstag und Donnerstag jeweils von 7 bis 18 Uhr, unter der Leitung von Sarah Schiess. «Möglich ist, nicht nur die Tagesbetreuung, sondern die Module Morgen, Mittag und Nachmittag auch einzeln zu buchen», erklärt Simone Ma-
thys. Die Preise liegen zwischen 15 Franken (Mittag) bis 120 Franken für die Ganztagesbetreuung.


Ruhe und Bewegung im Wechsel

Das Betreuungskonzept sieht vor, «dass die Kinder in die Abläufe des Alltags miteinbezogen und in der Entwicklung gefördert werden, Aufgaben eigenständig zu meistern. Klare Abläufe und Regeln geben ihnen dabei Orientierung und Sicherheit.» Aktuelle Themen (Jahreszeiten und Festlichkeiten) würden aufgenommen und mithilfe von geführten Aktivitäten (Rituale, Geschichten, Basteln, Ausflüge) in den Alltag integriert. Nebst den geführten Aktivitäten stehe das freie Spiel im Zentrum: «Die Kinder sollen Zeit haben, selbstbestimmten Tätigkeiten und Interessen nachzugehen», lautet die Devise. Dabei folge man dem Wechsel zwischen Ruhe und Bewegung und sorge dafür, dass Innen- und Aussenräume bedürfnisorientiert genutzt werden können. Mathys verweist darauf, dass die Angebote und Spielmaterialien nach dem Alter der Kindergruppe eingerichtet und bei Bedarf angepasst werden. «Die Spielumgebung soll die Kinder zu gemeinsamen Spielen und eigenem kreativem Gestalten anregen», ist die Idee.


Noch wenige Plätze verfügbar

Für den Mittagstisch sieht das Konzept vor, dass es «keinen Ess-Zwang gibt, insbesondere für Lebensmittel, die man nicht mag.» Vielmehr soll die Tischatmosphäre angenehm sein und Raum für Gespräche und Austausch miteinander geben. Teil des Konzeptes, erläutert Mathys, sei auch der regelmässiger Austausch mit den Eltern. Das neue Angebot der Tagesstrukturen in Gempen sei bereits gut angelaufen, einige wenige Plätze stünden noch zur Verfügung für Kinder aus Gempen oder auch aus anderen Gemeinden. Während der Schulferien konzentriere sich der «Chinderpunkt» auf die Ganztagesbetreuung. «Dieses Anmeldeformular muss bis drei Wochen vor Ferienbeginn abgegeben werden.» Zur Rolle der Gemeinde Gempen hält Mathys fest, dass die Gespräche, ob und in welchem Rahmen eine Beteiligung zustande kommen könnte, noch ausstehen. Gemeindepräsidentin Eleonora Grimbichler hatte an der letzten Gemeindeversammlung auf die Frage aus dem Plenum geantwortet, dass der Gemeinderat bereits angeboten hatte, für den Mittagstisch Räumlichkeiten im Schulhaus zur Verfügung zu stellen. Die Exekutive werde im Verlauf dieses Jahres die Frage einer möglichen Beteiligung durch die Gemeinde im Detail prüfen.