Münchenstein
16.10.2019

Angriffslustige Maya Graf punktet bei Erstwählern

Länger arbeiten – nein danke! Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Münchenstein und der FMS sprachen sich beim Voting per Smartphone klar gegen die Erhöhung des Rentenalters aus.  Foto: Tobi Gfeller

Länger arbeiten – nein danke! Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Münchenstein und der FMS sprachen sich beim Voting per Smartphone klar gegen die Erhöhung des Rentenalters aus. Foto: Tobi Gfeller

An einem Podium im Gymnasium Münchenstein stellten sich am Dienstag die vier Baselbieter Ständeratskandidierenden den harten Fragen der Schülerinnen und Schüler.

Tobias Gfeller

Man kann Elisabeth Augstburger nicht vorwerfen, sie stehe nicht zu ihrem Wort. Egal, ob beim Thema «Ehe für alle» oder bei der Legalisierung von Cannabis, die EVP-Kandidatin wich mit ihren konservativen Ansichten trotz der Gegenwehr von Maya Graf (Grüne), Daniela Schneeberger (FDP), Eric Nussbaumer (SP) und der Schülerinnen und Schüler aus dem Publikum keinen Millimeter von ihren Ansichten ab. «Ich glaube einfach, dass es für die Entwicklung eines Kindes besser ist, wenn es eine Mutter und einen Vater hat.»

Im von Lucio Sansano, Mitglied des Jugendrats BL und ehemaliger Schüler des Gymnasiums Münchenstein, geführten Podium entwickelte sich von Beginn an eine engagierte Diskussion. Eingeladen waren dritte Klassen des Gymnasiums und der Fachmaturitätsschule (FMS). Der Grossteil der Schülerinnen und Schüler ist dieses Jahr zum ersten Mal wahlberechtigt. Dass sie dabei eher auf der Seite von Rot-Grün stehen, wurde nicht nur aufgrund der Fragen klar; auch die erste, mit den Handys durchgeführte Abstimmung vor der Diskussion zeigte die Sympathien für Rot-Grün klar. Dabei führte Eric Nussbaumer knapp vor Maya Graf. Mit klarem Abstand folgten Daniela Schneeberger und Elisabeth Augstburger.


Kampfflugzeuge: Nussbaumer sagt «Jein»

Das grosse Bild änderte sich während der Diskussion zwar nicht, doch zeigte sich, dass mit engagierten Voten bei der jungen Wählerschaft gepunktet werden kann. Es war zu spüren: Am Sonntag geht es im ersten Wahlgang vor allem um den zweiten Platz hinter Daniela Schneeberger. Graf und Nussbaumer waren sich in den grösseren Kontexten zwar oft einig, in den Details widersprachen sich die beiden linken Kandidierenden aber mehrfach. Graf nahm dabei öfters eine dezidiert linke Haltung mit liberalem Anstrich an, Nussbaumer tendierte auch mal in Richtung Mitte. Bei der Frage, ob die Schweiz für 6 Milliarden Franken neue Kampfflugzeuge kaufen soll, sagte Graf klar Nein, Nussbaumer zuerst Ja, bevor er doch auch noch neben dem grünen Zettel für Ja den roten Zettel für Nein hoch hielt. Graf hingegen plädierte vehement dafür, die 6 Milliarden Franken anderweitig für die Bekämpfung der Klimakrise, Bildung und Forschung, die Altersvorsorge einzusetzen. Es sind genau dies die Themen, die auch die Schülerinnen und Schüler beschäftigen, wie sie zahlreich in mehreren engagierten Voten darlegten. Darin stellten sie unter anderem den Kampfjetkauf infrage und erinnerten daran, dass für sie als Junge für ihre Zukunft anderes weitaus mehr zählt. Nussbaumer warf den Grünen vor, sich auch gegen jegliche Friedensmissionen der Schweiz zu wehren. «Mit Waffen», korrigierte ihn Graf gleich zweimal, um klarzumachen, dass die Grünen für waffenlose Friedensmissionen zu haben seien. Auch das kam bei den Schülerinnen und Schülern an.

Daniela Schneeberger warnte davor, das eine Thema gegen das andere auszuspielen. Es brauche Kampfflugzeuge und den Kampf gegen den Klimawandel, woran man ja schon dran sei. Die FDP-Kandidatin widersprach ihren Gegenkandidierenden auch bei der Altersvorsorge, bei der sie eine Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre für möglich hält. Am liebsten hätte sie aber ein flexibles Rentenalter. Das nützte ihr jedoch wenig: In der Schlussabstimmung blieb sie auf dem dritten Platz. An der Spitze überholte Maya Graf derweil Eric Nussbaumer deutlich. Ginge es also nach den Schülerinnen und Schülern, würde Maya Graf die neue Ständerätin.