Aesch
09.10.2019

Sportlich, erfolgreich, lesbisch

Vier Menschen, ein (Tabu-)Thema: Jeannine Borer (Bildmitte) aus Aesch verbrachte mit Comedian Renato (l.), dem schwulen Florian (2. v. l.) und Transmann Henry (r.) vier Tage in den Bergen.  Foto: SRF / Marion Nitsch

Vier Menschen, ein (Tabu-)Thema: Jeannine Borer (Bildmitte) aus Aesch verbrachte mit Comedian Renato (l.), dem schwulen Florian (2. v. l.) und Transmann Henry (r.) vier Tage in den Bergen. Foto: SRF / Marion Nitsch

Die lesbische Jeannine Borer aus Aesch nahm in der SRF-Sendung «Tabu» teil. Dem Wochenblatt erzählt sie von ihren Erfahrungen vor der Kamera.

Fabia Maieroni

Das Schweizer Fernsehen wagte mit seiner fünfteiligen Doku-Comedy-Reihe «Tabu» den Spagat zwischen emotionalen Geschichten und Stand-up-Comedy. Eine dieser Sendungen befasste sich mit dem Leben von Schwulen, Lesben und Transmenschen. Zwischen den persönlichen Gesprächen mit vier Teilnehmenden wurde immer wieder Comedy von Renato Kaiser eingeblendet. Entstanden ist dabei ein interessantes Format, in welchem tiefgehende persönliche Erfahrungen einen Kontrast zu einer humoristischen Auseinandersetzung mit Vorurteilen gegenüber Schwulen, Lesben und Transmenschen bilden. Eine der vier Teilnehmenden war die Aescherin Jeannine Borer, die als lesbische Frau in der Sendung zu Wort kommt. Im Gespräch mit Comedian Renato Kaiser erzählt sie von ihrem Coming-out, der ersten Beziehung zu einer Frau und von dummen Sprüchen, die lesbische Frauen im Alltag zu hören kriegen.


Positive Reaktionen

«Als ich die Zusage erhielt, habe ich zuerst gezögert und mich gefragt: Will ich das wirklich? Will ich mich als lesbische Frau exponieren?», sagt Borer, die bei SRF Sport als Produzentin arbeitet. Neben Jeannine standen auch ein schwuler junger Mann und ein Transmann vor der Kamera. Zusammen mit Comedian Renato Kaiser verbrachten sie vier Tage in den Bergen, wo sie persönliche Gespräche führten, die in der Sendung gezeigt werden. «Es war für mich ungewohnt, plötzlich vor der Kamera zu stehen und nicht – wie in meinem Beruf – dahinter. Nach dem Gespräch machte ich mir viele Gedanken, ob ich Dinge erzählt hatte, die ich eigentlich für mich behalten wollte. Das beschäftigt einen während der Dreharbeiten schon ziemlich», gibt sie zu.

Die Reaktionen auf ihren Auftritt im Fernsehen seien indes durchweg positiv ausgefallen: «Ich habe viele Feedbacks von lesbischen Frauen erhalten, die sich bei mir bedankt haben, weil sie durch meinen Auftritt Mut gefasst haben, etwas in ihrem Leben zu ändern», freut sie sich. Doch sie übt auch Kritik: «Teilweise hat mir die Tiefe gefehlt, was auch verständlich ist bei drei Protagonisten. So geht es bei mir vor allem um mein Coming-out und die Sexualität. Das Lesbischsein ist für mich aber sehr viel mehr. Erst seit meinem Outing lebe ich mein Leben.» Dennoch findet Borer das Konzept der Sendung gelungen. Es sei gar «richtig mutig» vom Schweizer Fernsehen, ein solches Format zu produzieren.


Buch über lesbische Spitzensportlerinnen

Nicht nur beruflich, sondern auch privat hat sich Borer dem Sport verschrieben: Acht Jahre lang spielte die studierte Sportwissenschafterin in der 2. Liga bei Sm’ Aesch Pfeffingen. Nach der Matur reiste die Schweizer Meisterin im Weitsprung ausserdem für ein Jahr in die USA, wo sie Leichtathletik am College betrieb. Aus beruflichen Gründen musste sie ihre sportlichen Engagements allerdings zurückschrauben. Denn neben der Festanstellung bei SRF Sport hat Borer eine eigene Kommunikationsfirma und schreibt zusammen mit vier anderen Frauen aktuell an einem Porträtbuch über 30 lesbische Spitzensportlerinnen. Das Projekt sei für sie sehr wichtig, und sie stecke viel Herzblut in diese Arbeit. Ihr Ziel: lesbische Frauen im Spitzensport sichtbar machen und ihnen eine Stimme geben. Das Buch mit dem Titel «Vorbild und Vorurteil – Lesbische Spitzensportlerinnen erzählen» erscheint Anfang April 2020 im Hier und Jetzt Verlag. 
Wer die Sendung verpasst hat, findet sie auf www.srf.ch/play