Münchenstein
18.09.2019

«Gabun retour»: Ein Roman über das Romanschreiben

Dramenautor und Theatermacher: Christoph Frommherz mit seinem zweiten Roman.  Foto: Thomas Brunnschweiler

Dramenautor und Theatermacher: Christoph Frommherz mit seinem zweiten Roman. Foto: Thomas Brunnschweiler

Mit «Gabun retour» hat der Münchensteiner Autor Christoph Frommherz bei textprojekt.ch seinen zweiten Roman publiziert. Am 22. September findet bei neuestheater.ch die Vernissage statt.

Thomas Brunnschweiler

Christoph Frommherz ist in Münchenstein kein Unbekannter. Neben seinem Engagement als Dramenautor und Theatermacher sass er für die Grünen sieben Jahre im Landrat. Ursprünglich studierte Frommherz Geografie und Botanik. Heute arbeitet er für die Stiftung «éducation 21», die gesamtschweizerisch tätig ist. «Ich war schon immer mehrgleisig unterwegs», sagt er von sich selbst. Bereits 2012 war Frommherz’ erster Roman «Vater und sein Bruder» erschienen, in dem es neben der Bruderproblematik auch um Fragen der Atomenergie, des Biolandbaus oder der Gentechnologie ging. In diesem Roman und in seinen Stücken zeigt sich der gesellschaftskritische Blick des Autors. So geht es in «Der Sesseltanz», «Gigantenhochzeit», «Netzwerk» und «Der Staatspräsident» um Fragen wirtschaftlicher Verflechtungen und Abhängigkeiten sowie um Politik. Es ist nicht verwunderlich, dass in «Gabun retour» die Korruption in afrikanischen Ländern neben der Fluchtproblematik eines der Hauptmotive ist.


Protagonist als Alter Ego

Peter, das Alter Ego von Frommherz, möchte nach «Vater und sein Bruder» einen zweiten Roman schreiben. Peter und Anna sind ein Paar, das sich die Hausarbeit und die Betreuung ihres Sohns teilt. Peters Verleger verlangt nach einem zweiten Roman. Während eines verlängerten Wochenendes in Rotschuo am Vierwaldstättersee macht Peter sich auf die Suche nach einem Thema und lernt eine geheimnisvolle Frau aus Gabun kennen. Er selbst taucht in seinen Träumen in die Welt der Flüchtlinge ein, die sich durch die Wüste den Weg an die Mittelmeerküste suchen müssen. Der Traum wird zur Erfahrungsrealität, wobei die Frau aus Gabun immer wieder die Vermittlerin spielt. Bis zum Schluss bleibt vieles offen.

Das andere Hauptmotiv im Buch ist das Schreiben selbst. Peter fragt sich zwar, ob politische Themen die Leser überhaupt interessieren, ist aber überzeugt: «Diesen Roman musste ich nicht nur schreiben, weil es mein Verleger oder mein eigenes Ego gerne so sah, nein, weil ich ihn einfach schreiben wollte. Punkt.»


Vernissage im neuestheater.ch


Es gibt im Buch eindrückliche Stellen wie etwa die wahnwitzige Traumszene, wo Peter auf der obersten Plattform des Eiffelturms sämtliche Seiten seines Buches in alle Windrichtung verstreut, und Anna, seine Partnerin, unten auf Bäume und Dächer klettert, um die Seiten wieder einzusammeln. «Gabun retour» ist eine raffinierte Erzählung, die am Ende in der Zusammenführung von Realität und Fiktion dann doch nicht ganz plausibel erscheint. Als engagierter Autor zeigt Frommherz Kenntnis der entwicklungspolitischen Zusammenhänge. Als Traumpsychologe hingegen begibt er sich eher ins Reich der Fantasie, weil kein Mensch eine fortlaufende realistische Geschichte Nacht für Nacht weiterträumen kann.

Die Buchvernissage von «Gabun retour» findet am 22. September um 11 Uhr im neuestheater.ch in Dornach statt und dauert rund zwei Stunden. Weitere Informationen: www.textprojekt.ch.